David Rosenberg sieht am US-Aktienmarkt zunehmend Anzeichen einer Blasenbildung. Beweise dafür sieht der Ökonom in den Bewertungen, der Verschuldung und der Positionierung der Anleger, die extremere Ausmasse annehmen als je zuvor in seiner 40-jährigen Laufbahn.
Der Gründer der in Toronto ansässigen Rosenberg Research & Associates sieht die aktuelle Hausse viel stärker an die Fortschritte der künstlichen Intelligenz gekoppelt als die Tech-Aktien vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Rosenberg setzt in seinen Portfolios derzeit auf US-Staatsanleihen sowie ausländische Aktien. Die USA seien das «Epizentrum des Technologiebooms», für den Investoren schlicht zu viel bezahlten.
«Ich bin seit 40 Jahren im Geschäft und kann mich an keinen Zeitpunkt erinnern, an dem ich so viele Abweichungen, Extreme und Ungleichgewichte gesehen habe – nicht nur am Markt, sondern in der gesamten Wirtschaft», sagte er an der Grant’s Annual Fall Conference in New York. «Ich werde es nicht Blase nennen, wenn Sie nicht wollen. Aber ich sehe Dinge, die mir noch nie zuvor begegnet sind.»
Der für seine skeptische Haltung bekannte Ökonom erlangte Bekanntheit, als er als Chefökonom für Nordamerika bei Merrill Lynch vor der US-Immobilienkrise von 2008 warnte. Nach mehr als zehn Jahren bei Gluskin Sheff machte er sich mit einem eigenen Research-Unternehmen selbstständig.
Neben der Abhängigkeit von der künstlichen Intelligenz als Kurstreiber verweist Rosenberg auf Schwachstellen in der US‑Wirtschaft. Insbesondere beobachtet er, dass die Konsumenten zunehmend auf weitere Kursgewinne an der Börse angewiesen sind, um ihren Lebensstil zu finanzieren.
«Ich mache mir grosse Sorgen über die sozialen Folgen der nächsten Baisse», sagte Rosenberg. Er verwies dabei auf Beschäftigte, die frühzeitig in den Ruhestand gehen, um von ihrem Portfolio zu leben. «Was passiert mit diesen Menschen? Werden sie zu Walmart rennen, um als Kassierer zu arbeiten? Nur um festzustellen, dass ein Roboter diesen Job übernommen hat?»
(Bloomberg/cash)

