Der anhaltende Optimismus der Anleger nach dem Erdrutschsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hat den Dax am Donnerstag auf ein Rekordhoch getrieben. Der deutsche Leitindex stieg am Vormittag um bis zu 0,8 Prozent auf 26'654,56 Punkte und übertraf damit seine Ende August aufgestellte Bestmarke.
Derweil verteidigt der Swiss Market Index (SMI) die Markte von 15'000 Punkten, die er am Mittwoch erstmals in seiner Geschichte überschritten hat.
Der EuroStoxx50 zog um 0,5 Prozent auf 6297 Zähler an. «Die Risikobereitschaft ist deutlich gestiegen, nachdem sich durch die neuen politischen Kräfteverhältnisse in den USA einige wichtige Rahmenbedingungen verschoben haben», sagte Marktanalyst Andreas Lipkow von CMC Markets.
Anleger setzten unter anderem auf ein Ende des Kriegs zwischen den USA und dem Iran, was zu einem deutlichen Rückgang der Ölpreise geführt hatte. Für Erleichterung hatte auch gesorgt, dass US-Präsident Donald Trump das Wahlergebnis direkt akzeptiert hatte. Strategen zufolge ist es allerdings fraglich, ob die Rally an den Aktienmärkten Bestand haben wird. «Die Friedensgespräche beschränken sich derzeit vor allem auf Rhetorik», fasste Kyle Rodda, Marktanalyst bei capital.com, zusammen. «Zugleich gibt es die Sorge, dass ein zunehmend geschwächter Präsident Trump aussenpolitisch aktiver und möglicherweise riskanter agieren könnte, wenn er noch Einfluss nehmen will und weniger Gründe zur Zurückhaltung hat.»
Inflationssorgen nehmen ab
Die Ölpreise zogen nach drei Tagen mit deutlichen Kursabschlägen wieder um rund ein Prozent an. Am Mittwoch hatten sich die Sorten Brent und WTI um jeweils mehr als acht Prozent verbilligt und so niedrig wie seit Ende August nicht mehr notiert. Trump hatte am Mittwoch eingeräumt, dass der Krieg mit dem Iran eine Rolle bei der Wahlniederlage der Republikaner gespielt habe. Die niedrigeren Energiepreise linderten die Inflationssorgen und nehmen Börsianern zufolge Druck von den Notenbanken, die Zinsen länger hoch zu halten.
Staatsanleihen waren im Zuge dessen gefragt, was die Rendite der zehnjährigen Bundespapiere auf 3,271 Prozent drückte. Der Euro stagnierte bei 1,1232 Dollar. Positiv stimmte Ökonomen hierzulande, dass die deutsche Industrie im September wieder mehr Aufträge eingesammelt hat. Der US-Dollar blieb unter Druck, was die Metallpreise stützte. Gold verteuerte sich um 1,7 Prozent auf 4128 Dollar je Feinunze. Ein schwächerer Dollar macht in US-Dollar gehandeltes Gold für Inhaber anderer Währungen erschwinglicher. Die Marktteilnehmer warten nun gespannt auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag, um die geldpolitischen Aussichten der Federal Reserve besser einschätzen zu können. Zudem steht am Mittag der Zinsentscheid der Bank of England an. Die britische Notenbank steuert wegen der hartnäckigen Inflation auf eine Zinserhöhung zu.
Bilanzsaison sorgt für Schwung
Aufatmen herrschte in der von Kerosinpreisen abhängigen Reise- und Touristikbranche. Der europäische Sektorindex stieg um 1,6 Prozent. Papiere der Deutschen Lufthansa und Ryanair legten um jeweils mehr als 2,3 Prozent zu. AirFranceKLM profitierte zudem von einem überraschend starken Anstieg des Quartalsgewinns, was die Aktie um mehr als elf Prozent antrieb. Im Rohstoffsektor hellte ArcelorMittal mit einem Kursanstieg von mehr als vier Prozent die Stimmung auf. Dank einer anziehenden Stahlnachfrage in Europa hat der Branchenriese im dritten Quartal ein kräftiges operatives Gewinnplus eingefahren. Im Dax waren die Aktien von Zalando, Bayer und Heidelberg MaterialsHEIG.DE> besonders gefragt.
Angeschlagen blieb unterdessen der Technologiesektor, der vor allem an den asiatischen Börsen unter Druck geriet. Grund dafür waren Befürchtungen, dass eine strengere Regulierung durch die Demokraten den Boom in den USA bremsen könnte. In Amsterdam fielen Papiere von ASML um rund drei Prozent, Titel von Soitec verloren 4,5 Prozent.
Auch Rüstungswerte flogen aus den Depots, allen voran Rheinmetall. Die Aktien fielen in der Spitze um 18,4 Prozent auf 818,70 Euro und waren mit Abstand grösster Verlierer im Dax. Der Konzern hatte zum zweiten Mal binnen drei Monaten seine Ziele heruntergeschraubt. Ebenfalls schwächer notierten die Papiere der Deutschen Telekom und der Commerzbank, die 2,5 und 1,8 Prozent abgaben. Ein Börsianer bezeichnete die Quartalsergebnisse der Telekom als stark. Anleger hätten jedoch auf eine etwas höhere Dividende gehofft. Die Commerzbank blieb mit ihrem Gewinnwachstum etwas hinter den Erwartungen der Analysten zurück.
(Reuters)

