Der Leitzins liege weiter bei 3,75 Prozent, teilte die Bank of England am Donnerstag nach ihrer geldpolitischen Sitzung in London mit. Bankvolkswirte hatten diese Entscheidung im Schnitt erwartet. Damit bleiben die Zinsen im bisherigen Jahresverlauf unverändert. Zuletzt hatte die Bank of England im vergangenen Dezember den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte gesenkt.

Die Entscheidung für einen unveränderten Leitzins ist allerdings nur mit einer Mehrheit von 6 zu 3 Stimmen gefällt worden. Die drei Gegenstimmen kamen von Megan Greene, Cathrine Mann und vom Chefvolkswirt der Notenbank, Huw Pill. Sie sprachen sich für eine Leitzinsanhebung um 0,25 Punkte aus. Schon im Juli hatten sie für eine Zinserhöhung gestimmt.

Der globale Energieschock habe bislang nur begrenzte Auswirkungen auf Preise und Löhne im Vereinigten Königreich gehabt, kommentierte Notenbankchef Andrew Bailey. «Je länger die Volatilität jedoch anhält, desto grösser werden die Auswirkungen auf die Inflation sein und desto wahrscheinlicher wird es, dass wir den Leitzins anheben müssen», fügte der Gouverneur hinzu.

Der eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat die Entscheidung erschwert. Die Öl- und Gaspreise sind in die Höhe geschossen, was die Kraftstoffkosten nach oben treibt und den britischen Haushalten künftig Probleme bereitet. Eine Öffnung der Strasse von Hormus ist weiterhin nicht in Sicht.

«Bereits die zurückliegende Zuspitzung an der Strasse von Hormus dürfte dafür sorgen, dass die britische Inflation im Herbst merklich anzieht», kommentiert LBBW-Volkswirt Elmar Völker. Er sieht daher einen wachsenden Handlungsdruck für die Notenbank. «Dies gilt umso mehr, als eine überraschend robuste Konjunktur in Grossbritannien derzeit kaum mehr Ausflüchte erlaubt.»

Bereits im August hatte sich die Inflation in Grossbritannien weiter verstärkt. Die Jahresrate stieg von 2,9 Prozent im Vormonat auf 3,1 Prozent. Die britische Notenbank strebt lediglich eine Inflationsrate von zwei Prozent an.

Das britische Pfund gab zu allen wichtigen Währungen nach. Die Renditen britischer Staatsanleihen gaben merklich nach. Am Aktienmarkt in London legten die Kurse etwas zu.

(AWP)