Es sei zwar nach wie vor nicht sehr hoch, sagte ‌Bundesbankchef Joachim Nagel ⁠der französischen Zeitung «Le Monde» in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. «Auf der Grundlage der ersten ⁠beiden Quartale befinden wir uns jedoch auf einem guten Weg, dieses Jahr eine Wachstumsrate von ‌rund 1 Prozent zu erzielen», fügte er hinzu. Dieser ‌Wert sei um einiges besser als in ​der Juni-Prognose der Bundesbank vorhergesagt. Damals ging sie davon aus, dass das unbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2026 um 0,7 Prozent steigt.

Jüngst hat auch das Berliner Forschungsinstitut DIW seine Prognose angehoben: Nach einer starken ersten Jahreshälfte dürfte die Wirtschaft 2026 um 1,2 Prozent ‌wachsen und 2027 um 1,0 Prozent zulegen, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zu seiner Herbstschätzung mitteilte. «Die deutsche Wirtschaft erholt sich in diesem Jahr etwas besser als ​gedacht, steht aber noch immer auf etwas wackligen Beinen», sagte ​DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik.

Die EZB wird am 10. September ​auf einer auswärtigen Sitzung in Berlin über den Leitzins entscheiden. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass ‌der zum Steuern der Geldpolitik relevante Einlagesatz um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent angehoben wird. Nagel bekräftigte in dem Zeitungsinterview seine Sicht, dass die Investoren mit der ​Erwartung ​wohl richtig lägen. Bei der Ratssitzung in ⁠der Bundeshauptstadt werden auch aktualisierte Projektionen der EZB-Fachleute ​zu Inflation und Wirtschaftswachstum vorgelegt.

Laut ⁠Nagel zeigt sich die Euro-Zone trotz des Ölpreisschocks infolge des Iran-Krieges konjunkturell erstaunlich ‌robust: «Alles in allem zeigt sich der Euroraum recht widerstandsfähig gegenüber sämtlichen geoökonomischen Herausforderungen, vor denen wir stehen.» Der irische Notenbankchef Gabriel Makhlouf sagte ‌der «Financial Times», die EZB werde ihre Wachstumsprognose für die Euro-Zone ​für dieses Jahr voraussichtlich «leicht» anheben. Die Fachleute der Europäischen Zentralbank erwarteten im Juni im Basisszenario ihrer Projektionen ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 0,8 Prozent für 2026.

(Reuters)