cash testet den neuen SBB-Bus

Nun bietet auch die SBB zwischen Zürich und München einen Billigbus an. Doch wie gut ist dieser Bahn-Ersatz auch für Geschäftsreisende? cash testete den SBB-Bus und die Konkurrenz MeinFernbus auf Hin- und Rückfahrt.
20.01.2014 01:00
Von Pascal Meisser
Seite an Seite: Der SBB-Intercity-Bus und MeinFernbus auf dem Carparkplatz Sihlquai in Zürich.
Seite an Seite: Der SBB-Intercity-Bus und MeinFernbus auf dem Carparkplatz Sihlquai in Zürich.
Bild: cash

Rotweiss gegen giftgrün – SBB-Intercity-Bus gegen die deutsche Konkurrenz von MeinFernbus. So lautet seit dem 19. Dezember 2013 tagtäglich das Duell auf dem Zürcher Carparkplatz beim Sihlquai für die Strecke Zürich-München. Vor allem der Berliner Billig-Fernbus-Anbieter MeinFernbus setzt stark auf Schweizer Günstigreisende. Zeitweise stehen bis zu sechs der grünen Busse auf dem Zürcher Busbahnhof, um Reisende zu Zielen in Deutschland zu karren. 

Die Nachfrage ist vor allem bei München-Reisen generell gross und das nicht nur während der Oktoberfest-Zeit. So muss MeinFernbus zeitweise zwei Busse gleichzeitig einsetzen und transportiert auf diese Weise in Spitzenzeiten bis zu 160 Personen pro Fahrt von Zürich nach München.

Dieser Ansturm liess die SBB aufhorchen. Nun wollen die Bundesbahnen mit dem Intercity-Bus, den sie in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn anbieten, diesen Markt aufmischen. Denn die SBB hat im Schienenverkehr nach München ein Problem: Die Strecke ist nicht elektrifiziert und somit veraltet.

Das führt dazu, dass wegen des Einsatzes von Dieselloks auf deutschem Gebiet der Zug für die rund 300 Kilometer lange Strecke vier Stunden und 15 Minuten dauert. Deutlich schneller gehts hingegen auf der Strasse: Die Busse der SBB und von MeinFernbus benötigen je nach Verkehr bis zu 45 Minuten weniger. 

Das SBB-Bus-Angebot ist soll allerdings vorerst nur bis ins Jahr 2020 dauern. "Es ist ein Übergangsangebot bis zur Elektrifizierung der Linie von Lindau nach München und den dann genügenden Kapazitäten auf der Schiene", so SBB-Sprecher Christian Ginsig. 

Der Bus ist aber nicht nur schneller, sondern im Vergleich zum Zug auch deutlich preiswerter. Die günstigsten Bustickets kosten gerade mal einen Drittel der billigsten Bahntarife. So kostet eine einfache Busfahrt 20 bis 24 Franken. Wer im Zug fährt, zahlt bereits bei einem Sparbillett 65 Franken. Ein normales Billett kostet gar fünf Mal so viel wie eine Bahnfahrt – 105 Franken.

Doch ist der preiswertere Bus auch für Geschäftsreisende eine Überlegung wert? Und wenn ja, welcher Bus bietet die besten Voraussetzungen, um sich während der Fahrt nach München auf das bevorstehende Meeting vorzubereiten? cash machte den grossen Bus-Test. Der Journalist fuhr frühmorgens mit MeinFernbus nach München und kehrte nach kurzem Aufenthalt mit dem SBB-Intercity-Bus nach Zürich zurück. 

Hier der Vergleich - mit sieben entscheidenden Kriterien: 
 

TICKET-KAUF

Tickets für den SBB-Bus können entweder am Schalter oder auf der SBB-Homepage gekauft werden. Und wer kurzfristig noch via Internet eine Fahrt buchen will, erhält verwirrende Angaben im Buchungs-Tool. Einerseits erscheint die Meldung, dass diese Strecke nicht aufbereitet werden könne sowie der Verweis auf das Offerte-Formular, andererseits erscheint zuunterst auf der entsprechenden Seite die Buchungsvariante "Sparbillett". "Dieser Kaufprozess muss noch verbessert werden", sagt SBB-Sprecher Ginsig auf Anfrage. Viel einfacher ist der Kaufprozess bei MeinFernbus. Ein paar Klicks auf der Homepage genügen, um sich ein Ticket zu kaufen und auszudrucken. Ein Punkt für MeinFernbus.

Zwischenresultat: SBB-Bus – MeinFernBus 0:1

 

SITZKOMFORT

Der Doppelstöcker-Bus der SBB ist eine Sonderanfertigung – und deshalb für Reisende besonders komfortabel gestaltet. Der Sitzabstand ist dem Standard der deutschen ICE-Zügen angepasst – knapp 90 Zentimeter gegenüber 83 Zentimeter bei MeinFernbus. Diese Differenz macht sich bei einer fast vierstündigen Fahrt deutlich bemerkbar. Ein Punkt für den SBB-Bus. 

Zwischenresultat: SBB-Intercity-Bus – MeinFernBus 1:1

 

BUSINESS-TAUGLICHKEIT

SBB-BusWie gut lässt es sich im Bus arbeiten? Hier macht sich nicht nur der grössere Sitzabstand bemerkbar, sondern auch das deswegen bessere Handling des kleinen herunterklappbaren Tischchens. Dieses lässt sich nämlich von der Rückenlehne des Vordersitzes etwas entfernen. Das hat den Vorteil, dass sich der Bildschirm des Laptops besser aufklappen lässt. Bei MeinFernbus ist das Tischlein derart nah an der Rückenlehne, dass sich am Laptop nicht wirklich gut arbeiten lässt. Zudem verfügt der SBB-Bus in jeder Zweier-Sitzreihe über eine Steckdose, bei MeinFernbus sind einige wenige über den ganzen Bus hinweg verteilt. Erneuter Punkt für den SBB-Bus.

Zwischenresultat: SBB-Intercity-Bus – MeinFernBus 2:1

 

FAHRPLAN

Enttäuscht wird, wer mit dem SBB-Bus einen Tagesausflug nach München machen will. Denn der erste von vier täglichen Kursen verlässt Zürich erst um 11.16 Uhr und erreicht München um 15 Uhr. Damit verpasst der Reisende aber eine allfällige Rückfahrt mit dem SBB-Bus. Der letzte Bus verlässt München bereits um 14.32 Uhr. Eine Verbesserung ist vorläufig nicht in Sicht, wie die SBB auf Anfrage mitteilt. "Die SBB will nicht die eigenen Zugsverbindungen konkurrenzieren, sondern das bestehende Fahrplanangebot ausbauen und einen Zwei-Stunden-Takt nach München bieten", so die Antwort eines SBB-Sprechers. 

Ganz anders MeinFernbus: Täglich werden sieben Fahrten nach München angeboten, darunter die Frühverbindungen um 4.15, 6.00 und 7.30 Uhr. Vor allem letztere ist eine ideale Verbindung, um München vor dem Mittag zu erreichen. Bei der Testfahrt traf cash tatsächlich auf Business-Reisende, unter ihnen befand sich auch der langjährige Swisscom-Mobile-CEO Adrian Bult. Er habe dem Bus gegenüber dem Zug den Vorzug gegeben, weil er nur so rechtzeitig an ein Meeting in München komme, sagte Bult im Gespräch mit cash.

Abends fährt um 18 Uhr ein Express-Bus zurück nach Zürich. Klarer Punkt für MeinFernbus.

Zwischenresultat: SBB-Intercity-Bus – MeinFernBus 2:2

 

PREIS

Die SBB bietet die Fahrt nach München zum Einheitspreis von 24 Franken pro Strecke an. Noch günstiger geht es bei MeinFernbus. Bei rechtzeitiger Buchung oder bei schlechter Auslastung des Busses sind Tickets ab 15 Euro respektive knapp 20 Franken erhältlich. Teuer wird es allerdings, wer direkt beim Chauffeur ein Billett kauft: 48 Euro bei MeinFernbus, sogar 78 Euro beim SBB-Bus. Das schlägt sogar den Normaltarif des Zug-Tickets. Wieder ein Punkt für MeinFernbus.

Zwischenresultat: SBB-Intercity-Bus – MeinFernBus 2:3

 

ON-BOARD-INFORMATION

Der SBB-Bus informiert jeweils nach der Abfahrt mit einem vorproduzierten Einspieler zweisprachig über die Lautsprecher die wichtigsten Verhaltensregeln an Bord wie beispielsweise die Gurtentragepflicht. Vor der Ankunft erhalten die Reisenden zudem die wichtigsten touristischen Infos über den Zielort – ebenfalls in Deutsch und Englisch. Bei MeinFernbus übernimmt die Informationspflicht der Chauffeur – in mehr oder weniger verständlichem Deutsch. Ein Punkt für den SBB-Bus.

Zwischenresultat: SBB-Intercity-Bus – MeinFernBus 3:3

 

WLAN

Der SBB-Bus verfügt auf deutschem Gebiet über eine kostenlose WLAN-Abdeckung. Allerdings ergab der cash-Test, dass die Internet-Abdeckung bei der Fahrt durch das Allgäu meist sehr schlecht ist. Allerdings kämpft auch die Konkurrenz von MeinFernbus mit demselben Problem. Wer auf Internetanschluss angewiesen ist, kommt nicht darum herum, sich über sein eigenes Smartphone einzuloggen. Unentschieden.

Schlussstand: SBB-Intercity-Bus – MeinFernBus 3:3
 

FAZIT

Der Test führte zu keinem eindeutigen Ergebnis. Zwar deckt der SBB-Bus die Bedürfnisse von Geschäftsreisenden dank grösserem Abstand der Sitze, mehr Beinfreiheit, besserer Ablagemöglichkeit der Laptops und der durchgehenden Stromversorgung deutlich besser ab als MeinFernbus. Allerdings kommen diese Vorteile wegen des unvorteilhaften Fahrplans kaum zur Geltung. Vor allem bei Meetings im Laufe des Morgens hat der Geschäftsreisende weder mit dem Zug noch dem SBB-Bus die Möglichkeit, rechtzeitig in München anzukommen.