Cembra-CEO kritisiert Bundesratsentscheid

Robert Oudmayer, CEO von Cembra Money Bank, übt im cash-Interview Kritik an den neuen Konsumkredit-Vorgaben des Bundesrates. Er äussert sich auch zu Übernahmeplänen und zu Christa Rigozzi als Cembra-Aushängeschild.
30.05.2016 00:05
Interview: Pascal Züger
Robert Oudmayer, CEO Cembra Money Bank.
Bild: cash

cash: Die Konsumkredit-Branche geniesst einen eher schlechten Ruf. Oft hört man von Intransparenz und auch Wucher innerhalb der Branche. Was ist dran?

Robert Oudmayer: Ich teile die Ansicht bezüglich des schlechten Rufs überhaupt nicht. Seit 27 Jahren bin ich in diesem Business tätig, und das in unterschiedlichen Ländern. Die Schweiz hat eines der striktesten Konsumkreditgesetze Europas, nirgendwo sind die Konsumenten besser geschützt als hier. Der Markt in der Schweiz ist zudem extrem transparent, sowohl für Banken als auch für Kunden. Es gibt keine versteckten Gebühren. Ausserdem gibt es eine Obergrenze für den Konsumkredit-Zins, was nicht in allen Ländern existiert. In den vergangenen fünf bis zehn Jahren hat sich das Image der Konsumkredit-Branche überdies stark verbessert.

Ex-Miss Schweiz Christa Rigozzi ist seit Mai 2015 Ihr Werbegesicht. Ein kluger Schachzug zur Imageverbesserung?

Bei persönlichen Darlehen ist es wichtig, dass man bei den Leuten 'Top-of-mind' ist. Das heisst, die Marke muss erkannt werden, und man muss wissen, wofür die Marke steht. Christa Rigozzi bietet hier eine gute Unterstützung. Sie ist eine sehr positive Person, die in der ganzen Schweiz respektiert wird. Christa Rigozzi ist seriös, vertrauenswürdig und verlässlich – wie Cembra, deshalb passt Christa Rigozzi ideal zu unserer Bank.

Die Schweizer Regierung senkt diesen Juli den maximalen Zinssatz im Konsumkreditgeschäft von 15 auf 10 Prozent. Das betrifft Sie direkt, zumal Ihre Zinsspanne bis anhin 9,95 bis 14,5 Prozent betrug. Welche Zinsen bieten Sie nun an?

Wir haben in der letzten Woche unsere Konditionen angepasst, wir offerieren nun Zinsen ab 7,95 Prozent. Ich möchte betonen, dass ich kein Problem mit einer Zinsobergrenze für Konsumkredite habe. Der nun festgelegte Satz wurde jedoch auf eine Art und Weise berechnet, wie ich es nicht getan hätte.

Wie hätten Sie den Zinssatz stattdessen festgelegt?

Ich verstehe nicht, weshalb vom Bund unterschiedliche Maximalzinssätze für Konsumkredite und Kreditkartenüberzüge festgelegt wurden (Der maximale Zinssatz bei Kreditkartenüberzügen wird ab Juli 2016 12 Prozent betragen, Anm. der Redaktion). Ich kenne kein anderes Land, das unterschiedliche Zinssätze hat. Es handelt sich in beiden Fällen um Kredite für Privatpersonen, die grundsätzlich denselben Bonitätsprüfungen und vergleichbaren Regulierungen unterliegen. Man hätte entweder 10 oder 12 Prozent für beide Kreditarten als Maximum definieren sollen. Wobei 12 Prozent die logischere Wahl gewesen wäre.

Weshalb die logischere Wahl?

Eine vom Bundesrat selbst in Auftrag gegebene Studie kam zum Schluss, dass die Zinsen im Konsumkredit-Bereich nicht weniger als 12 Prozent betragen sollten. Der Bundesrat senkte den Maximalzinssatz dennoch auf 10 Prozent. Wir akzeptieren das selbstverständlich und können auch damit umgehen.

Die Differenz zwischen Marktzins und dem von ihnen verlangten Zins bei Konsumkrediten bleibt aber noch immer gross. Wir befinden uns in einem Negativzinsumfeld, die Refinanzierung für Banken ist günstig wie nie. Ihre Gewinnmarge muss immer noch ziemlich hoch sein...

Der Zinssatz setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Es sind nicht nur die Refinanzierungskosten, die darin enthalten sind. Berücksichtigt werden auch Aufwendungen für Compliance, die stets zunehmenden Regulierungen, Underwriting und persönliche Beratung.

Aber genügend Marge scheint noch vorhanden zu sein, immerhin schrieb Cembra im letzten Jahr den höchsten Profit der Geschichte.

Natürlich ist eine gewisse Marge vorhanden. Wie sonst sollen wir unsere Geschäftstätigkeiten erfolgreich ausüben können? Das ist in anderen Branchen nicht anders. Der Gewinn, den wir erwirtschaften, stammt jedoch nicht nur aus dem Zinsgeschäft. Wir haben im Vergleich zur Konkurrenz auch eine sehr tiefe Ausfallrate.

Woher kommt die tiefere Ausfallrate?

Unsere Kreditwürdigkeit ist sehr hoch, und wir achten gleichzeitig darauf, dass sich unsere Kunden nicht überschulden. Ausserdem ist unser Volumen hoch, und wir betreiben ein hervorragendes Risk Management. In jeder Industrie gibt es gute und schlechte Performer. In unserer Branche gehört unsere Bank zu den Guten. Das erklärt wohl auch, weshalb unser Nettoeinkommen etwas höher ist als bei der Konkurrenz.

In den letzten Jahren war ein Schrumpfen des Konsumkreditmarktes zu beobachten. Ende 2010 waren Kredite im Wert von 7,8 Milliarden Franken im Umlauf, Ende 2015 waren es noch 7,2 Milliarden Franken. Wie kann man in diesem Markt noch bestehen?

Der Konsumkredit-Markt geht leicht zurück, dafür wächst der Kreditkartenbereich weiter. Alles in allem wird der Gesamtmarkt in etwa stabil bleiben oder sogar noch leicht wachsen. Will man in der Schweiz mit Finanzprodukten und Finanzdienstleistungen erfolgreich sein, braucht man eine physische Präsenz, aber auch ein starkes Online-Angebot. Hierzulande als reine Online-Bank tätig zu sein, ist nicht der ideale Ansatz. Umgekehrt wäre physisch stark zu sein und gar nicht auf das Internet zu setzen, ebenfalls falsch. Es braucht den richtigen Mix aus beidem – und den bieten wir und genau das schätzen unsere Kunden.

Und wie sieht die Konkurrenz-Situation in der Schweiz derzeit aus?

Vier oder fünf grosse Player sind im Markt, das Umfeld ist anspruchsvoll. Es ist ein stabiler Markt mit einigen starken Anbietern. In den letzten Jahren gab es kaum erfolgreiche Markteintritte. Es ist sehr schwer, ohne ein gutes Filialnetz Erfolg zu haben. Ich glaube nicht, dass sich die Situation in den nächsten Jahren gross ändern wird.

Aber Konkurrenz könnte durch Online-Direkt-Kredite, sogenannte Peer-to-Peer-Kredite, entstehen, die Banken zur Kreditvergabe überflüssig machen.

Grossbritannien ist der einzige europäische Markt, der für Peer-to-Peer-Kredite überhaupt genügend gross ist. Es ist ein Markt, in dem Online-Kredite bereits vor 15 Jahren aufkamen. Dort gibt es professionelle Anbieter, aber auch eine zunehmende Regulierung. Die Schweiz und das restliche Europa hinken hier weit hinterher.

Wäre es ein Markt für Cembra?

Peer-to-Peer-Kredite werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren in der Schweiz kaum grosse Marktanteile dazugewinnen. Zwar wird es eine Nische für solche Kredite geben, aber aufgrund des geringen Marktpotentials ist für uns ein Einstieg in dieses Business nicht attraktiv.

Sind Online-Direkt-Kredite bereits stark reguliert?

Bislang gibt es keine Regulierungsaktivitäten im Peer-to-Peer-Bereich. Die könnten entstehen, wenn der Markt eine gewisse Grösse erreichen würde. Übrigens denke ich nicht, dass man einen Peer-to-Peer-Kredit mit einer tiefen Verzinsung anbieten kann, ohne die notwendigen Underwriting-Fähigkeiten zu haben. Und diejenigen Anbieter in diesem Bereich, die ich bis jetzt gesehen habe, besitzen diese nicht. Es ist also ein sehr risikoreiches Business-Modell.

Dass Peer-to-Peer funktionieren kann, beweisen aber die USA. Dort legen selbst institutionelle Anleger in diesem Bereich Geld an.

Wie gross ist der Markt in den USA verglichen mit jenem in der Schweiz? Eben. Sogar Grossbritannien hat einen viel grösseren Markt als die Schweiz. Es herrscht dort auch eine andere Kreditkultur als hierzulande. Wenn man in Online-Direkt-Kredite Geld anlegen will, sollte man dies wohl in den USA oder China tun. Aber nicht in der Schweiz.

Kommen wir wieder zurück zu Cembra: Ende 2015 belief sich ihr Überschusskapital auf 66 Millionen Franken. Sie haben in der Vergangenheit bereits erwähnt, dass damit eine Akquisition getätigt werden könnte. Wen haben Sie auf Ihrem Einkaufszettel?

Ich verrate Ihnen nicht, wer auf unserer Einkaufsliste steht. Als CEO eines börsenkotierten Unternehmens dürfte ich Ihnen das auch gar nicht mitteilen. Prinzipiell gibt es für unsere Bank drei Optionen, um überschüssiges Kapital zu verwenden. Eine Möglichkeit wäre ein Aktienrückkauf. Unsere Aktie ist jedoch nicht sehr liquid, da Anleger unsere Aktie mögen und daher lange halten. Verbleiben als Alternativen noch eine Spezialdividende für die Aktionäre oder die Investition in Wachstum. Am liebsten würden wir das Geld für Letzteres einsetzen. Wir wollen Akquisitionen tätigen, aber nur dann, wenn es passt. 

Was können Sie zu den Übernahmeplänen denn sagen?

Wie bereits erwähnt wollen wir wachsen. Wir halten Augen und Ohren offen und sind interessiert an Unternehmen, die ebenfalls in unserer Branche tätig sind. Dabei fokussieren wir uns auf den Endkunden und wollen in der Schweiz wachsen. Ich kann aber weder sagen, wie konkret unsere Akquisitionspläne sind, noch welches mögliche Übernahmekandidaten sind.

Wäre ein weiterer Partner wie die Migros im Kreditkarten-Bereich denkbar, dessen Cumulus-Mastercard ja von Cembra stammt?

Wir wollen natürlich weitere Partner dazugewinnen, aber es gibt keine zweite Migros in der Schweiz. Wir sind sehr glücklich, bereits seit zehn Jahren mit ihr zusammenzuarbeiten. Einen so starken und loyalen Partner findet man sehr selten.

In Ihrer Guidance für das Jahr 2016 erwarten Sie einen Gewinn pro Aktie zwischen 4,80 bis 5,10 Franken. Ist Cembra bisher planmässig unterwegs?

Dass wir überhaupt eine Guidance herausgeben, ist für Banken eher ungewöhnlich. Wir tun dies, weil wir davon überzeugt sind, unsere herausgegebenen Ziele auch erreichen zu können. Mehr dazu darf ich erst bei der Präsentation der Halbjahresresultate am 18. August bekannt geben.

Kontaktloses Zahlen ist ein neuer Trend. Braucht es künftig zum Bezahlen überhaupt noch Kreditkarten?

Ich bin ein Fan des kontaktlosen Bezahlens. Viele Leute benutzen bereits die NFC-Zahlfunktion (Near Field Communication, d.h. die kontaktlose Übertragung über kurze Distanzen, Anm. der Redaktion), die in der Kreditkarte integriert ist und in der Migros und in vielen anderen Unternehmen auch benutzt werden kann. Es gibt aber noch weitere Bezahlmöglichkeiten. Ich trage zum Beispiel gerade die derzeit wohl einzige Uhr in der Schweiz, mit der kontaktlos bezahlt werden kann. Es handelt sich um einen Prototyp des Schweizer Uhrenherstellers Mondaine. Die Uhr wird diesen Sommer lanciert. Darüber hinaus kann man bereits seit Jahren mit dem Smartphone bezahlen. Ich denke aber, die Kreditkarte wird noch lange gebraucht werden, zumal nicht alle Läden den Terminal besitzen, um mit einer Uhr oder dem Smartphone zu bezahlen.

Aber irgendwann wird es eine praktischere Zahlungsmethode geben?

Im Markt für mobiles Bezahlen tummeln sich viele Anbieter auf nationaler und internationaler Ebene. Mit der Zeit wird sich die Zahl der Anbieter und Technologien reduzieren, bis ein Gewinner heraussticht. Die Geschwindigkeit, mit der dies geschieht, wird manchmal aber überschätzt.

Wie denken Sie, wird Ihre neue Bezahl-Uhr bei den Kunden ankommen?

Zu Beginn wird es wohl nur ein Nischenmarkt sein. Man wird zusätzlich zur Uhr noch immer die Kreditkarte benötigen, da nicht alle Zahlstellen über das NFC-System verfügen. Niemand weiss, wie viel Potential dieser Markt hat, und wie schnell er wachsen wird. Neue Technologien setzen sich normalerweise aber nicht zuerst in der Schweiz durch, sondern in Ländern wie Brasilien oder China. Die Schweiz ist diesbezüglich keine Vorreiterin.

Im cash-Video-Interview sagt Robert Oudmayer, ob Cembra Money Bank eine Profiteurin der Negativzinsen ist, wie er den Börsengang erlebt hat und weshalb eine Expansion ins Ausland kein Thema ist.

Robert Oudmayer, Jahrgang 1962, ist Niederländer und seit 2009 der CEO von Cembra Money Bank, eine der führenden Schweizer Anbieterinnen von Konsumkrediten, Fahrzeugfinanzierungen und Kreditkarten. Oudmayer führte die Bank im Oktober 2013 an die Börse. Er arbeitete zehn Jahre bei PSA Peugeot Citroën in den Niederlanden und in Frankreich, ehe er 1999 zu General Electric stiess. 2003 wechselte er als Managing Director Auto und Retail Sales Finance zu GE Consumer Finance in die Schweiz. Als CEO leitete er von 2005 bis 2009 GE Money und GE Fleet Services in Portugal.