Vor wenigen Tagen gab sich der schwedische Finanzinvestor Cevian Capital als Grossaktionär der UBS zu erkennen. Medial für Aufsehen sorgte insbesondere die Kursprognose der Skandinavier. Sollte die grösste Schweizer Bank an der Börse bewertungstechnisch zur amerikanischen Morgan Stanley aufschliessen, traut man der Aktie bei Cevian Capital sogar Kurse von bis zu 50 Franken zu. Das entspräche aus heutiger Sicht nahezu einer Verdoppelung.

Vermutlich ist es diese Aussage, welche den leitenden Charttechniker der Bank Julius Bär auf den Plan ruft. In einem Kommentar an seine Anlagekundschaft räumt der Experte zwar ein, dass der Kurs der UBS-Aktie zuletzt mit etwas mehr als 26 Franken auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen ist. Mit einem Plus von 53 Prozent seit Januar führt sie die diesjährige SMI-Gewinnerliste denn auch unangefochten an.

Charttechnisch betrachtet nochmals deutlich höhere Kurse möglich

Für den Experten ist das aber noch lange kein Grund, um diese Gewinne bereits einzustreichen. Er gibt zu bedenken, dass der Kurs der Aktie während mehr als zehn langen Jahren unter 20 Franken verharrte und erst im August charttechnisch nach oben ausgebrochen ist. Dabei gelte: Je länger eine mehrjährige Konsolidierung andauere, desto grösser das kursseitige Aufwärtspotenzial nach einem solchen Ausbruch nach oben.

Auf einen sogenannten Point-and-Figure-Chart abgestützt, kommt der Experte für die UBS-Aktie längerfristig auf ein Ziel von 36 bis 42 Franken. Eigenen Aussagen zufolge wäre er nicht überrascht, wenn dieses Ziel eher früher als später erreicht würde. Der Julius-Bär-Charttechniker führt die Aktie der Grossbank schon seit Juni in seinem "Swiss Equities Portfolio", als noch Kurse um die 18 Franken bezahlt wurden.

Hauseigener Bankenanalyst hingegen zurückhaltender

Mit seinen Aussagen stellt er sich gegen den hauseigenen Bankenanalysten. Dieser stuft die Aktie offiziell mit "Hold" und einem Kursziel von gerade einmal 21,50 Franken ein. Er hält den Bewertungsaufschlag von rund 50 Prozent gegenüber den rentabelsten europäischen Konkurrenten für übertrieben und erachtet die Integration der Credit Suisse als Herkules-Aufgabe für die Grossbank.

Diese Diskrepanz zwischen den beiden Einschätzungen zeigt die grundlegenden Unterschiede zwischen der fundamentalen Analyse und der charttechnischen Analyse. Bei letzterer haben Faktoren wie etwa die Bewertung keinerlei Bedeutung.

Lorenz Burkhalter Redakor Ringier
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