Die Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage erstmals seit vier Jahren wieder positiv. ‌Das entsprechende ⁠Barometer stieg im August auf plus 11,6 Punkte, von minus 14,6 Zählern ⁠im Juli, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag in seiner Manager-Umfrage mitteilte. Auch die Erwartungen hellten ‌sich deutlich auf von minus 37,2 auf minus 15,5 ‌Punkte. Dadurch kletterte das Barometer ​für das Geschäftsklima, das sich aus Lage und Erwartungen zusammensetzt, von minus 26,3 Punkten im Juli auf nunmehr minus 2,4 Zähler.

«Die anhaltende Blockade der Strasse von Hormus und die dadurch ausgelösten Lieferausfälle in Asien erhöhen die Nachfrage nach ‌chemischen Erzeugnissen aus deutscher Produktion», sagte Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf. Da sich geopolitisch keine Entspannung abzeichne, rechneten die Unternehmen mit einer Fortsetzung dieser Sonderkonjunktur. Ihre Produktionspläne deuten auf eine ​Ausweitung der Fertigung hin.

«Auch das Exportgeschäft gewinnt weiter an ​Schwung», hiess es. Der entsprechende Indikator stieg ​auf plus 10,1 Punkte, von minus 22,7 Zählern im Juli. Zugleich hat sich die Versorgungslage etwas ‌entspannt: Im dritten Quartal berichteten nur noch 13,8 Prozent der Chemieunternehmen von Materialknappheit, während es im zweiten Quartal noch jeder dritte Betrieb war.

Die strukturellen Probleme wie ​hohe Energie- ​und Standortkosten belasten die Chemiebranche jedoch ⁠weiter, betonte das Ifo-Institut. Die Unternehmen rechnen daher ​trotz der Belebung mit weiterem ⁠Personalabbau. «Mittelfristig könnten allerdings die staatlichen Infrastruktur- und Investitionsprogramme die Nachfrage nach chemischen Vorleistungen stützen, ‌sofern die angekündigten Projekte zügig umgesetzt werden», sagte Ifo-Expertin Wolf.

Die Chemieindustrie zählt zu den exportstärksten deutschen Branchen nach Fahrzeug- und Maschinenbauern ‌sowie den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Produkten. Im ​ersten Halbjahr wurden chemische Erzeugnisse mit einem Warenwert von 71,6 Milliarden Euro ins Ausland geliefert. Das waren 1,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

(Reuters)