Die Ausfuhren legten auf Dollarbasis gegenüber dem Vorjahresmonat um 23,9 Prozent zu, wie die Zollverwaltung am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 22,2 Prozent gerechnet, nach einem Anstieg von 27 Prozent im Juni. Die Importe wuchsen im Juli um 27,5 Prozent. Für die Importe hatten Experten einen Zuwachs von 27,9 Prozent erwartet, nachdem die Einfuhren im Vormonat noch um 36 Prozent gestiegen waren. Der Handelsbilanzüberschuss verringerte sich im Juli von 125,62 Milliarden Dollar im Juni auf 112,5 Milliarden Dollar.
Der Aussenhandel bleibt damit eine wichtige Stütze für das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik. Vor allem der weltweite Ausbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI) trieb die Nachfrage nach Hightech-Gütern. Die Exporte von Halbleitern verdoppelten sich dem Wert nach gegenüber dem Vorjahr nahezu, während die Ausfuhren von Hightech-Produkten insgesamt um 40,7 Prozent zulegten. Dagegen brachen die Keramikexporte um 28,3 Prozent ein. Das ist ein weiteres Zeichen für die ungleichmässige Entwicklung der Wirtschaft, in der Hightech-Hersteller vom KI-Boom profitieren, während klassische Branchen unter der schwachen Nachfrage leiden. Die politische Führung Chinas hatte Ende vergangenen Monats eine schnellere Ausrichtung auf neue Wachstumstreiber gefordert und damit den Vorrang von Hightech-Sektoren betont.
Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt ist auf Exporte angewiesen, um ihr Wachstum angesichts eines schwachen Binnenkonsums und rückläufiger Investitionen aufrechtzuerhalten. Im ersten Halbjahr 2026 wuchs die chinesische Wirtschaft um 4,7 Prozent; damit bleibt das offizielle Jahresziel der Regierung von 4,5 bis fünf Prozent weitgehend erreichbar. Im zweiten Quartal verlangsamte sich das Wachstum jedoch auf 4,3 Prozent, da flauer Konsum und schwache Investitionen die Impulse aus Industrieproduktion und Exporten überlagerten. Die Erdgasimporte Chinas sanken in den ersten sieben Monaten des Jahres um drei Prozent, die Rohölimporte fielen um 13,2 Prozent. Angesichts starker Exporte und einer robusten Industrieproduktion könnten die Verantwortlichen in Peking Massnahmen zur Stärkung der Einkommen privater Haushalte und der sozialen Sicherung hinausschieben, die die schwache Binnennachfrage beleben sollen. Analysten von Macquarie erklärten, die staatliche Unterstützung für den Binnenkonsum und den Immobilienmarkt dürfte begrenzt bleiben, solange Exporte und Produktion ausreichten, um das Wachstumsziel zu erreichen.
Die Abhängigkeit von Exporten birgt jedoch Risiken. Wegen der globalen Unsicherheit infolge des Iran-Kriegs könnten Handelspartner verstärkt zu protektionistischen Massnahmen greifen. Obwohl chinesische Regierungsvertreter wiederholt zugesagt haben, die Importe auszuweiten und einen ausgeglicheneren Handel zu fördern, dürfte der Handelsbilanzüberschuss das zweite Jahr in Folge die Marke von einer Billion Dollar übertreffen. Das beunruhigt die Handelspartner, die Verwerfungen in ihrer heimischen Industrie befürchten. Die Europäische Union erwägt strengere Massnahmen, um ihr Handelsdefizit mit China zu verringern. Auch die Beziehungen zu Washington sind angespannt: Im Vorfeld eines für September erwarteten Gipfeltreffens haben beide Seiten wechselseitig Handelsbeschränkungen und weitere Gegenmassnahmen verhängt.
(Reuters)

