Chronologie - Das Auf und Ab des Pfund seit dem Brexit-Referendum

Das Brexit-Votum vom Juni 2016 stürzte das britische Pfund in Turbulenzen, die bis heute anhalten. Nachfolgend eine Chronologie der Achterbahnfahrt der britischen Währung.
15.12.2019 05:13
Das britische Pfund erlebt seit dem Brexit-Votum eine Achterbahnfahrt.
Das britische Pfund erlebt seit dem Brexit-Votum eine Achterbahnfahrt.
Bild: Pixabay

13. Dez - Mit dem Votum für einen EU-Ausstieg ihres Landes haben die britischen Wähler die Börsen seit 2016 in Turbulenzen gestürzt. Vor allem das Pfund Sterling entwickelte sich zum Gradmesser für den Stand der Verhandlungen über die künftigen Beziehungen und die Frage, ob die Scheidung einvernehmlich oder schmutzig wird. Nachfolgend einige Kurs-Meilensteine der britischen Währung seit dem Brexit-Referendum von 2016:

24. Juni 2016 - Kurz nach Schliessung der Wahllokale steigt das Pfund im asiatischen Handel auf ein Sechseinhalb-Monats-Hoch von 1,5018 Dollar. Investoren rechnen fest damit, dass die Wähler den EU-Austritt ablehnen. Als sich in den frühen europäischen Morgenstunden eine knappe Mehrheit für den Brexit abzeichnet, stürzt die Währung zeitweise um elf Prozent ab und ist mit 1,3224 Dollar so billig wie zuletzt Mitte der 1980er Jahre.

7. Oktober 2016 - Die wachsende Furcht vor einem "harten" Brexit, bei dem Grossbritannien den Zugang zum EU-Binnenmarkt verliert, beschleunigt die Talfahrt des Pfund. Auf die Stimmung schlagen ausserdem Aussagen der damaligen britischen Premierministerin Theresa May über die negativen Folgen ultra-lockerer Geldpolitik. Börsianer sehen dies als Angriff auf die Unabhängigkeit der Bank von England (BoE). Im umsatzarmen asiatischen Handel drückt ein "Flash Crash" den Pfund-Kurs kurzzeitig auf ein 31-Jahres-Tief von 1,1450 Dollar.

17. Januar 2017 - Das Pfund steigt um gut drei Prozent. Das ist der grösste Tagesgewinn seit Ende 2008. Anleger reagieren erleichtert auf eine Rede von Premierministerin Theresa May. Sie will zwar einen klaren Bruch mit der EU, aber ein verlässlicher Partner der Staatengemeinschaft bleiben.

18. April 2017 - Theresa May ruft überraschend Neuwahlen aus. Börsianer erwarten dank starker Umfragewerte Stimmengewinne für die regierenden Tories, wodurch die Premierministerin gestärkt in die Brexit-Verhandlungen mit der EU gehen könnte. Das Pfund steigt zeitweise auf ein Sechseinhalb-Monats-Hoch von 1,2904 Dollar.

9. Juni 2017 - Das Pfund verliert zwei Prozent. Das ist der grösste Tagesverlust seit einem knappen dreiviertel Jahr. Bei der Unterhaus-Wahl büssen die Konservativen ihre Mehrheit ein. Theresa May kann mit Unterstützung der Nordirland-Partei DUP allerdings weiterregieren. Einige Börsianer spekulieren nun auf einen Exit vom Brexit.

17. April 2018 - Zinserhöhungsspekulationen hieven das Pfund auf 1,4376 Dollar, den höchsten Stand seit dem Brexit-Referendum von 2016. Der Streit um die Modalitäten des Brexit sowie nachlassendes Spekulationen auf BoE-Zinserhöhungen schicken das Pfund in den folgenden Monaten allerdings auf Talfahrt. Mitte August ist es mit 1,2660 Dollar so billig wie zuletzt gut ein Jahr zuvor.

10. Dezember 2018 - Theresa May sagt wegen einer drohenden Niederlage die Parlamentsabstimmung über den mit der EU ausgehandelten Brexit-Deal ab. Der anschliessende Ausverkauf drückt das Pfund in den darauffolgenden Tagen auf ein 20-Monats-Tief von 1,2475 Dollar,

13. März 2019 - Das Unterhaus lehnt in einer Resolution einen EU-Austritt ohne Abkommen ab. Dies schürt Spekulationen auf eine Verschiebung des Brexit und hievt das Pfund auf ein Neun-Monats-Hoch von 1,3383 Dollar. In den darauffolgenden Wochen gewährt die EU Grossbritannien eine Gnadenfrist zunächst bis zum 22. Mai und anschliessend bis zum 31. Oktober.

Ende April bis Anfang September 2019 - Nach der dreimaligen Ablehnung ihres Brexit-Deals im Parlament tritt May zurück. Ihr Nachfolger wird der Hardliner Boris Johnson, der Grossbritannien zum 31. Oktober aus der EU führen will - mit oder ohne Deal. Das Pfund fällt in dieser Zeit von knapp 1,32 auf ein Drei-Jahres-Tief von 1,1957 Dollar. Zur europäischen Gemeinschaftswährung markiert es mit 1,0722 Euro sogar ein Zehn-Jahres-Tief.

September 2019 - Das Unterhaus behält bei der Machtprobe mit Boris Johnson die Oberhand: Die Abgeordneten verpflichten den Premier dazu, einen weiteren Brexit-Aufschub zu beantragen, falls keine Einigung über die künftigen Beziehungen erzielt werden kann. Johnsons Antrag auf rasche Neuwahlen lehnen sie dagegen ab. Das Pfund verteuert sich auf bis zu 1,2581 Dollar.

Oktober 2019 - Wenige Tage vor einem EU-Gipfel und rund drei Wochen vor dem geplanten Brexit-Termin am 31. Oktober keimt neue Hoffnung auf eine Scheidungsvereinbarung auf. Das Pfund Sterling gewinnt binnen zwei Tagen zu Dollar fast vier Prozent zu. Das ist die grösste Rally seit fast elf Jahren. Zum Euro ist es mit einem Plus von gut drei Prozent der grösste Kurssprung seit viereinhalb Jahren. Ende Oktober gewährt zunächst die EU einen Brexit-Aufschub bis zum 31. Januar 2020. Wenige Tage später stimmt das Unterhaus Neuwahlen zu.

13. Dezember 2019 - Der klare Wahlsieg von Premierminister Boris Johnson hievt das Pfund auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 1,3514 Dollar. Zur Gemeinschaftswährung markiert es mit 1,2079 sogar den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Mit einem Plus von 2,1 Prozent steuert das Pfund zudem auf den grössten Tagesgewinn seit elf Jahren zu. 

(Reuters)

 

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