Mit dem nicht-liquiditätswirksamen Impairment von 225 Millionen Franken wird ein grosser Teil der Gesamtinvestition in Höhe von rund 240 Millionen abgeschrieben, merkt ZKB-Analyst Philipp Gamper an. Er gehe davon aus, dass die Anlage derzeit einen Kostenüberschuss von 15 Millionen Franken im Quartal verursacht, und auch 2023 die Gewinnschwelle noch nicht erreichen wird.
Der für Baader Helvea tätige Konstantin Wiechert spricht von einer Enttäuschung, habe sich doch das Management noch an der letzten Telefonkonferenz überzeugt gezeigt, dass weitere Lizenzvereinbarungen für die Bioethanoltechnologie unterzeichnet werden können. Heute bezieht erst der langjährige Grosskunden Shell Bioethanol aus der Anlage.
Damit zeichnet sich ab, dass Clariant im Schlussquartal 2022 rote Zahlen schreiben wird, wenn nicht sogar für das gesamte Jahr. Denn die am Morgen angekündigte Belastung ist nicht nämlich die einzige, die in diesem Jahr noch in den Büchern Eingang findet wird.
So führt der im Oktober angekündigte Verkauf des nordamerikanischen Land-Oil-Geschäfts zu einer Wertminderung von rund 245 Millionen Franken. Und für die Einführung eines neuen operativen Modells werden im Schlussquartal Restrukturierungskosten in noch ungenannter Höhe anfallen.
Im Geschäftsjahr 2021 hatte Clariant im fortgeführten Geschäft einen Reingewinn von 292 Millionen Franken geschrieben. Im ersten Halbjahr 2022 schwoll der Überschuss auf 386 Millionen an.
(AWP)
