Corona - EZB-Notenbanker: Konsumstau könnte Impuls für Konjunktur sein

Die Wirtschaft der Euro-Zone dürfte laut dem belgischen NotenbankchefsPierre Wunsch mehrere Jahre von den in der Pandemie aufgestauten Konsumwünschen der Konsumenten profitieren.
10.04.2021 09:44
Das geschichtsträchtige Pariser Warenhaus «Au Bon Marché».
Das geschichtsträchtige Pariser Warenhaus «Au Bon Marché».
Bild: cash

"Was 2020 und Anfang 2021 gespart wurde, würde ausreichen, um ein Wachstum des privaten Verbrauchs über das Niveau von 2019 hinaus für drei, vier oder fünf Jahre zu finanzieren", sagte der belgische Notenbankchefs Pierre Wunsch am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. In den jüngsten Wirtschaftsprognosen der Europäischen Zentralbank (EZB) sei nicht viel an aufgestauter Nachfrage berücksichtigt worden. Er sei hier optimistischer, sagte das EZB-Ratsmitglied.

Die EZB hatte in ihrer jüngsten Prognose, die zur März-Zinssitzung vorlag, für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum im Euro-Raum von 4,0 Prozent vorausgesagt. Für 2022 lautete die Prognose Plus 4,1 Prozent, für 2023 Plus 2,1 Prozent.

Die EZB hatte damals zudem beschlossen, das Tempo ihrer Anleihenkäufe im Rahmen ihres PEPP getauften Anleihen-Kaufprogramms zu erhöhen. Damit soll einem unerwünschten Anstieg der Renditen von Staatsanleihen der Euro-Länder entgegengetreten werden. Denn eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen käme für sie inmitten der Pandemie zur Unzeit.

Momentanes Renditen-Niveau verkraftbar

Das momentane Niveau der Renditen hält Wunsch derzeit für verkraftbar. Die Finanzierungsbedingungen seien aktuell in Ordnung, sagte der Notenbanker. "Wenn wir eine Verschärfung sehen, werden wir grössere Volumina nutzen und ein geringeres Volumen, wenn wir sehen, dass sich die Finanzierungsbedingungen stabilisieren, ohne dass wir so viel kaufen", sagte er. Das könne aber nur für einige Monate oder ein Jahr lang funktionieren. Falls sich die Wirtschaftslage deutlich verschlechtere, könnten die PEPP-Käufe möglicherweise über den März 2022 hinaus verlängert werden.

Wunsch rechnet damit, dass nach fast einem Jahrzehnt mit Inflationsraten von unterhalb des EZB-Ziels von knapp zwei Prozent die Preise künftig wieder stärker anziehen werden. Aus seiner Sicht sollte die EZB die laufende Überarbeitung ihres Inflationsziels so gestalten, dass künftig ein zeitweiliges Übertreffen der Zielmarke toleriert wird. Andere Währungshüter hatten zuletzt ähnlich argumentiert.

"Wir sollten etwas Toleranz hinsichtlich eines Übertreffens zum Ausdruck bringen, um sicher zu stellen, dass unser symmetrisches Ziel gut verstanden wird," sagte er. Es sei aber schwierig, sich zu verpflichten. Dies betrifft Wunsch zufolge sogenannte Aufholstrategien, bei denen Notenbanken in Aussicht stellen, einen Ausgleich für vergangene Phasen mit zu niedrigem Inflationsdruck zu schaffen. 

(Reuters)