CS-Aktie: Kursfeuerwerk nach CEO-Rücktritt

Nach acht Jahren wird Brady Dougan an der Spitze der Credit Suisse abgelöst. Die Hoffnung auf grössere strategische Veränderungen zündet bei der Aktie ein Kursfeuerwerk.
10.03.2015 11:49
Von Lorenz Burkhalter
Auch nach dem Wechsel an der Bankspitze ist VR-Präsident Urs Rohner gefordert: Eine neue Strategie muss her.
Auch nach dem Wechsel an der Bankspitze ist VR-Präsident Urs Rohner gefordert: Eine neue Strategie muss her.
Bild: Bloomberg

(Ergänzt um einen Kommentar aus dem Handel und den aktuellen Aktienkurs)

Was die Spatzen seit vergangener Nacht von den Dächern gepfiffen haben, ist nun Gewissheit: Nach acht Jahren tritt Brady Dougan von seinem Chefposten bei der Credit Suisse (CS) zurück. Nachfolger wird der bisher für den britischen Versicherungskonzern Prudential tätige Tidjane Thiam. Dougan geriet in den letzten Jahren mehrfach in die Kritik, nicht zuletzt für das kapitalintensive Geschäftsmodell und dessen Folgen für die Aktienkursentwicklung.

In der Folge haussiert die CS-Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde um 7,4 Prozent auf 24,90 Franken. Beobachter berichten von einer Mischung aus aggressiven Deckungskäufen und ersten scheuen Anlagekäufen.

Beeindruckender Leistungsausweis

Bei der MainFirst Bank findet man sichtlich Gefallen am Hintergrund des neuen CEO. Tidjane Thiam passe sehr gut ins Bild, verfüge er doch über einen starken Leistungsausweis bei seinen bisherigen Arbeitgebern und Erfahrung in den Schwellenländern. Der verantwortliche Analyst hebt auch den sehr guten Ruf des neuen CEO in der Finanzgemeinde hervor. Er hält deshalb sowohl an der "Outperform" lautenden Kaufempfehlung als auch am Kursziel von 27 Franken für die Aktie der CS fest.

Die für den Aktienhandel der MainFirst Bank tätigen Kollegen widmen sich in einem eigenen Kommentar dem beeindruckenden Leistungsausweis von Thiam bei seinem bisherigen Arbeitgeber Prudential. In Euro betrachtet sei die Aktie des britischen Versicherungskonzerns seit seinem Amtsantritt Anfang 2009 um jährlich 35 Prozent gestiegen und hätten den um durchschnittlich 12,8 Prozent höheren Stoxx Versicherungs Index weit hinter sich zurückgelassen. In dieser Zeit habe die Aktie seines zukünftigen Schweizer Arbeitgebers unter Berücksichtigung von Dividendenzahlungen jährlich nur um 5 Prozent gewonnen.

Neuer CEO nur ein erster Schritt

Händler begegnen dem Wechsel an der Bankspitze hingegen eher mit Vorsicht. Der Verwaltungsrat sei auch weiterhin gefordert und müsse unbedingt mit weiteren Massnahmen nachlegen. Im Hinblick auf strengere Eigenmittelanforderungen sei das bisherige Geschäftsmodell wohl nicht mehr in bisheriger Form zu verfolgen. Der Rücktritt von Brady Dougan biete nun Raum für Veränderungen und sei vermutlich nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einer strategischen Neuausrichtung, so heisst es weiter.

Diese Vermutung hegt man auch bei der Zürcher Kantonalbank. Nach nur wenigen Wochen stuft der verantwortliche Analyst die Aktie der Credit Suisse wieder von "Untergewichten" auf "Marktgewichten" hoch. Zwar ändere sich mit dem CEO-Wechsel nichts an den Problemen wie den Rechtsrisiken oder der Kapitalausstattung. Doch wirke sich alleine schon die verstärkte Hoffnung auf eine bessere Zukunft kurstreibend aus.

Thema Kapitalerhöhung wohl noch nicht vom Tisch

Aufgrund des Hintergrunds des zukünftigen CEO rechnet der Analyst mit einem Ausbau des hoch rentablen Wealth Managements sowie des Asien-Geschäfts.

Dieser Meinung ist auch sein Berufskollege von der UBS Investmentbank. Unter Tidjane Thiam sei eine Strategieverlagerung in Richtung Vermögensverwaltung möglich. Unklar bleibe hingegen, ob der Wechsel an der Bankspitze neben einem strategischen Kurswechsel auch eine Kapitalerhöhung zur Stärkung der Eigenkapitalbasis nach sich ziehen werde. In diesem Zusammenhang sei zu erwähnen, dass die Zusammensetzung des Verwaltungsrats in der bisherigen Form bestehen bleibt. Am "Neutral" lautenden Anlageurteil und am 12-Monats-Kursziel von 20 Franken hält der Analyst deshalb vorerst fest.

Vorsichtig bedenkt behält man sich auch bei der Bank Vontobel. Für die Zürcher Traditionsbank ist der neue CEO nicht auch gleich eine strategische Neuausrichtung. Die Probleme seien noch immer dieselben wie bisher, so heisst es. Und selbst der für Goldman Sachs tätige Analyst schreibt, dass der Wechsel an der Bankspitze nur dann etwas bringe, wenn er zu einem strategischen Kurswechsel führe. Aufgrund des Nachholbedarfs gegenüber dem Rivalen UBS hält die amerikanische Grossbank dennoch an der Kaufempfehlung für die CS-Aktie fest.