Cyberdevisen - Bitcoin-Zyklen lassen frostigen Krypto-Winter befürchten

Der Bitcoin-Langfristchart legt nahe, dass ein weiterer Krypto-Winter mit rückläufigen oder stagnierenden Preisen bevorstehen könnte - was die Weiterentwicklung der Blockchain-Technologien verlangsamen würde.
06.07.2021 10:43
Bitcoin ist die populärste Kryptowährung.
Bitcoin ist die populärste Kryptowährung.
Bild: imago images / Chromorange

Seit März 2013, als die Marktkapitalisierung von Bitcoin zum ersten Mal eine Milliarde Dollar erreichte, gab es zwei Zyklen mit Preisspitzen, die bis zu Rekordhöhen führten, gefolgt von Rückschlägen von mehr als 80 Prozent. Jedem dieser Zyklen ging eine Halbierung der Menge an Coins voraus, die für die Validierung von Transaktionen an Krypto-Miner gezahlt werden. Im Mai 2020 kam es erneut zu einem Halving, mit einem weiteren manieähnlichen Anstieg, bevor der Rücksetzer begann. Der erste Zyklus konnte als Anomalie abgetan werden, der zweite als Zufall. Drei sieht wie ein Muster aus, auch wenn der aktuelle Rückzug bislang nur 56 Prozent beträgt.

Es gibt auch andere Ansichten. Zu Beginn jedes Zyklus wurde der Boom fast ausschließlich von Bitcoin angeheizt. Später entwickelten sich andere Kryptowährungen überdurchschnittlich, wie Daten von CoinMarketCap zeigen. In der ersten Hälfte des Jahres 2013, zur Zeit um das erste Halving, repräsentierte Bitcoin fast die gesamte Marktkapitalisierung der Kryptowährungen. Er gab ein Zehntel ab, als der Preis sein damaliges Hoch erreichte.

Im zweiten Zyklus wurden Alt Coins (Kryptowährungen, die nach Bitcoin entstanden) beliebter und der Marktanteil von Bitcoin fiel während des darauf folgenden Crashs unter die Hälfte. Nachdem er im November wieder auf mehr als 60 Prozent gestiegen ist, gibt er nun wieder einen Teil dieser Gewinne ab. Mit anderen Worten: Wenn Bitcoin sich erholt, wird neues Geld in den Bereich gesogen, was anderen Blockchain-Technologien zugute kommt. Wenn das Geld dann auf einen breiteren Pool verteilt wird, wird die Manie schwerer zu halten und es folgt ein Crash, der die Entwicklung der digitalen Assets verlangsamt.

Jede Kryptowährung kämpft um Marktanteile. Ähnliches liess sich schon seit dem 18. Jahrhundert beobachten mit Kanälen, Eisenbahnen, Autos und schließlich dem Internet. Zu Beginn einer technologischen Revolution gibt es viele Optionen, die in die einzelnen Unternehmen eingebettet sind, die um Anteile wetteifern. Mit zunehmender Reife der Technologien allerdings nimmt die Volatilität ab und damit auch der Wert dieser Optionalität. Gewinner und Verlierer kristallisieren sich heraus, einige Konkurrenten hören auf zu existieren. Das sollten wir bei Krypto erwarten.

Wenn der Bereich reift, werden rein spekulative Plattformen aussortiert. Und aufgrund der starken Netzwerkeffekte wird sich der Wert um nur wenige Plattformen herum verdichten, wie es in anderen Technologiebereichen wie mobilen App Stores oder sozialen Medien der Fall war. Bis dahin wird wahrscheinlich die Spekulation grassieren, da die Aussicht auf Gewinne lockt wie beim Lotto.

(Bloomberg)