Cyberkriminalität - Allianz sieht Hacker-Versicherungen als möglichen Blockbuster

Für Unternehmen kann ein Angriff durch Hacker zu finanziellen Verlusten, Peinlichkeiten und rechtlichen Schritten führen. Für Versicherungen stellen Fälle von Cyber-Kriminalität hingegen freie Werbung dar.
14.05.2017 09:31
Die Fälle von Cyberkriminalität häufen sich.
Die Fälle von Cyberkriminalität häufen sich.
Bild: Pixabay

Und das in einem Markt, der 10 Milliarden Dollar wert sein könnte. Computer-Angriffe, die in den letzten Monaten für viele Schlagzeilen gesorgt hatten, unterstreichen die Notwendigkeit für Schutz vor Internet-Gefahren. Und Unternehmen wie Allianz und Beazley sind bestrebt, diesen zu bieten. Versicherer sehen Policen gegen Hacker als einen der vielversprechendsten Märkte. Sie gehen davon aus, dass sich die Beiträge in den kommenden vier Jahren verdreifachen werden.

„Wir sind optimistisch, dass es sich zum nächsten Blockbuster für die Allianz und die Branche entwickeln kann“, sagt Hartmut Mai, Chief Underwriting Officer für Unternehmen in der Sparte für Industrieversicherungen bei der Allianz. „Cyber-Versicherung ist unser wichtigster Wachstumsbereich im Moment.“

Die neue Art von Absicherung könnte für die Branche zu keiner besseren Zeit kommen. Denn viele Versicherer haben gerade damit zu kämpfen, ihre Geschäfte in den meisten etablierten Märkten auszubauen – angesichts eines langsamen Wirtschaftswachstums und geringer Katastrophen-Forderungen, was sich auf die Preise auswirkt.

Versichungsbeiträge stagnieren

Die Einkünfte aus Versicherungsbeiträgen waren im vergangenen Jahr in Europa stagniert und für nächstes Jahr wird von einem Plus bei 1,3 Prozent ausgegangen laut Daten des Rückversicherers Munich Re. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Beiträge aus Cyber-Versicherungen auf 8,5 Milliarden Dollar bis 10 Milliarden Dollar bis 2020 steigen könnten, vergleichen mit derzeit rund 3,4 Milliarden Dollar.

Ein weiterer Auftrieb bei der Nachfrage könnte sich aus Regeln ergeben, die im kommenden Jahr von der Europäischen Union (EU) eingeführt werden. Demnach müssen Unternehmen Cyber-Einbrüche an Aufseher und an die betroffenen Personen berichten.

„Cyber-Risiken sind in den vergangenen Jahren zu einem Thema in den Vorstandsetagen geworden, nachdem es zu ein paar sehr bekannten Hacker-Angriffen gekommen war“, sagt Paul Bantick, Chef für Cyber-Versicherungen bei Beazley, in einem Interview mit Bloomberg.

Rasantes Wachstum bei Cyber-Versicherungen

Analyst Thomas Seidl von Sanford C. Bernstein in London schrieb an Kunden in einer Notiz vom 24. April, dass sich Versicherer in einem Technologie-getriebenen Geschäftsumfeld zwar mit der Chance befassen müssten, um relevant zu bleiben, es gleichzeitig aber gelte, die Risiken „richtig zu managen“.

So wie Munich Re und Allianz sieht auch Beazley ein rasantes Wachstum bei Cyber-Versicherungen. Der Lloyd’s-of-London-Versicherer hat sich mit Munich Re zusammengeschlossen, um das Produkt anzubieten, und führt den Bereich mit Gewinn. Damit das auch so bleibt, sind die Versicherer vorsichtig, nicht übergrosse Risiken in dem aufkeimenden Markt zu übernehmen.

„Wir begrenzen unsere Deckung auf 100 Millionen Dollar je Kunden“, sagt Bantick, wobei Munich Re und Beazley jeweils hinter 50 Millionen Dollar stehen würden. „In grösseren Programmen sind die 100 Mio. Dollar nur der erste Teil, andere stellen zusätzliche Absicherung zur Verfügung.”

Die deutsche Leoni hatte im vergangenen Jahr ihre eigenen Erfahrungen mit der Komplexität von Cyber-Risiken gemacht. Der Automobilzulieferer erlitt Schäden in Höhe von rund 40 Mio. Euro, als Betrüger gefälschte elektronische Kommunikation nutzten, um einen Manager dazu zu verleiten, das Geld auf ausländische Konten zu überweisen. Das Unternehmen verfügte zwar über eine Cyber-Versicherung, zapfte diese aber nicht an, weil keine Computer-Systeme gehackt worden waren.

(Bloomberg)