Der Leitindex MSE Top 20 ist seit Ende Juni um rund 26 Prozent gestiegen und hat damit wichtige globale Indizes wie den S&P 500 sowie regionale Vergleichsindizes wie den südkoreanischen Kospi deutlich übertroffen. Die Aktie des Kohleförderers Tavantolgoi, der fast die Hälfte des Index ausmacht, legte um 87 Prozent zu.

Der winzige Aktienmarkt des dünn besiedelten Landes – mit einer Marktkapitalisierung von 4,6 Milliarden US-Dollar – erwies sich als unerwarteter Gewinner, während der Rest der Welt unter dem Ausverkauf von Chip-Aktien im Juli litt. Angetrieben wurde die Rallye durch die stark gestiegenen Exporte von Kupfer und Kohle sowie durch politische Massnahmen zur Steuererleichterung und zur Förderung ausländischer Investitionen.

«Die Mongolei verzeichnet dank solider Kupfer- und Kohleverkäufe ein gutes Jahr hinsichtlich der Fundamentaldaten und unternimmt zudem mehr, um sowohl inländisches als auch ausländisches Kapital an den Markt zu bringen», sagte Simon Kitchen, Geschäftsführer bei Emerging & Frontier Capital in London. Die Ausfuhren von Mineralien, einschliesslich Kohle, stiegen in den ersten acht Monaten des Jahres um 61 Prozent; Hauptabnehmer war China, auf das 93 Prozent der mongolischen Exporte entfielen.

Diese starke Dynamik dürfte anhalten, da erwartet wird, dass der Kokskohlemangel beim südlichen Nachbarn – ausgelöst durch einen Unfall in einer dortigen Mine – bis ins nächste Jahr hinein bestehen bleibt. Unterdessen rechnet die Deutsche Bank aufgrund schrumpfender Lagerbestände mit einem Anstieg der Kupferpreise um mehr als 50 Prozent innerhalb der nächsten sechs Monate.

Trotz ihrer geringen Grösse von 25 Milliarden US-Dollar wuchs die mongolische Wirtschaft im vergangenen Jahr um 6,8 Prozent. Die Weltbank erwartet für dieses Jahr eine Abschwächung des Wachstums auf 5 Prozent, stuft die Entwicklung jedoch weiterhin als «robust» ein. Auch ein Liquiditätsschub habe den Aufwärtstrend am Aktienmarkt begünstigt, so Kitchen. Er führt dies auf die Ausweitung der Geldmenge durch die lokale Zentralbank zurück.

Angesichts der begrenzten Grösse des mongolischen Marktes «bedarf es nur geringer zusätzlicher Liquidität, um die Kurse nach oben zu treiben», erklärte Kitchen. Neben der Ausweitung von Steuererleichterungen auf Einkünfte und Kapitalerträge aus Aktienanlagen «wurden auch die Beschränkungen für ausländische Eigentumsanteile an Banken aufgehoben und ausländischen Investoren der Markteintritt sowie die Aufnahme von Handelsaktivitäten erleichtert», fügte er hinzu.

Zu den grössten Risiken für eine anhaltende Aktienrallye zählt die sich verschlechternde Inflation in der Mongolei, die im August bei 12,5 Prozent lag. Zudem steht die Wirtschaft vor Herausforderungen wie drohenden Engpässen bei der Stromversorgung im Winter – insbesondere angesichts der starken Abhängigkeit von russischen Lieferungen, die seit Beginn des Ukraine-Kriegs zurückgegangen sind, so Thomas Hugger, CEO von Asia Frontier Capital in Hongkong.

Dennoch geht Hugger davon aus, dass der Aufwärtstrend an der mongolischen Börse vorerst anhalten dürfte. «Es gibt noch weiteres Aufwärtspotenzial, da viele Unternehmen nach wie vor unterbewertet sind», sagte er und verwies auf die einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnisse bei mongolischen Banken und Versicherern.

(Bloomberg/cash)

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