stock alert

Das grosse Erwachen von Bachem

Die Bachem-Aktie legt seit drei Monaten ein gewaltiges Kursfeuerwerk hin. Und auch das Potenzial für die nächsten Jahre scheint riesig zu sein. Doch: Sind die Erwartungen an die Biotech-Firma etwa zu hoch?
09.05.2016 14:44
Von Pascal Züger
Der Hauptsitz von Bachem in Bubendorf, Kanton Basel-Landschaft.
Der Hauptsitz von Bachem in Bubendorf, Kanton Basel-Landschaft.
Bild: Bachem

In den letzten zwölf Wochen legte die Aktie von Bachem um über 35 Prozent zu. Letzten Freitag erreichte der Titel gar ein neues Fünfjahreshoch bei 68,45 Franken. Dies nachdem die Aktie des Biochemie-Unternehmens monatelang vor sich hin plätscherte, wie folgende Grafik verdeutlicht:

Entwicklung der Aktie von Bachem in den letzten zwölf Monaten (Quelle:cash.ch)

Was weckte den Titel so plötzlich aus seinem Dornröschenschlaf? Es sind die hohen Erwartungen an die nächsten Jahre, gepaart mit erfreulichen Geschäftszahlen 2015 und einer - für einen Wachstumstitel - sehr attraktiven Dividendenrendite von aktuell 3,3 Prozent.

Vor drei Jahren hat sich Bachem nach einer turbulenten Zeit auf sein Kerngeschäft mit Peptiden (kleine Proteine) zurückbesonnen. Peptide werden für verschiedene Therapien verwendet, zum Beispiel bei Diabetes, Fettleibigkeit oder Krebs. Und diese Strategieanpassung zahlt sich nun aus: Die Projektpipeline ist vollgefüllt, Gewinn- und Umsatzzahlen stimmen. In einer Studie rechnet Vontobel-Analystin Carla Bänziger damit, dass Bachem in den nächsten drei bis fünf Jahren die Anzahl Produkte auf dem Markt um über 50 Prozent erhöhen kann - derzeit sind es rund 60 Medikamente.

Verbesserte Wettbewerbssituation

Bachem profitiert dabei auch von einer Abschwächung der Wettbewerbssituation. Die amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde FDA überwache chinesische und indische Produzenten heute strenger, was Bachem "sehr entgegenkommt", wie Bachem-Technologiechef Günther Loidl im März 2016 anlässlich der Jahreszahlen 2015 verlauten liessGrosse Pharmakonzerne würden sich nun aus Qualitätsgründen wieder deutlich stärker auf Europa und die USA konzentrieren.

Um mit dem starken Wachstum Schritt halten zu können, ist ein Ausbau von Produktivitätskapazitäten von Nöten. Ein erster Schritt zur Ausweitung hat man bereits mit dem Kauf des Peptidherstellers American Peptide Company (APC) im Frühjahr 2015 gemacht.

Die Amerikaner wiesen in der Vergangenheit eine tiefe Kapazitätsauslastung  aus – ideal für Bachem, gewisse Produkte dort zu produzieren. Zusätzlich sind aber noch weitere Investitionen in die Infrastruktur notwendig. Analystin Bänziger rechnet mit Investitionsausgaben von 50 Millionen Franken in diesem Jahr und weiteren 25 Millionen 2017, damit ein langfristiges Wachstum gewährleistet werden könne.

Neben dem voraussichtlich starken organischen Wachstum prüft das Unternehmen auch gezielt Allianzen und Übernahmen zur weiteren Stärkung der Präsenz in den asiatischen Märkten. Derzeit stammen die Einnahmen zu knapp zwei Drittel aus Europa und einem Drittel aus den USA.

Zu gut, um wahr zu sein?

Bei all den Good News stellt sich natürlich die Frage, ob die hohen Erwartungen nicht bereits im Aktienkurs eingepreist sind. Das geschätze Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2016 von 27 deutet auf eine eher teure Bewertung der Aktie hin.

Ausserdem hat der Pharmaexperte aus Bubendorf in den letzten drei Jahren die Markterwartungen stets in allen Ebenen übertroffen. Was, wenn mal ein Dämpfer kommt? Die für eine börsenkotierte Firma eher tiefe Kapitalisierung von 900 Millionen Franken könnte den Kurs dann auch mal stark nach unten ausschlagen lassen.

Die Bank Vontobel ist aber weiterhin positiv gestimmt, hält die Aktie auf "Kaufen" bei einem Kursziel von 71 Franken. Etwas zurückhaltender ist die Zürcher Kantonalbank mit "Marktgewichten". Derzeit liegt der Aktienkurs bei knapp 67 Franken.