Die Inflation in Deutschland ist im August erneut gestiegen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach 2,8 Prozent im Juli und 2,3 Prozent im Juni, wie das Statistische Bundesamt am Montag zu seiner ersten Schätzung mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten mit einem Wert von 2,95 Prozent gerechnet.
Ökonomen sagten in ersten Reaktionen:
Michael Heise, Chefökonom HQ Trust:
«Hohe Energiepreise durch den Nahost-Konflikt drücken weiter auf die Kaufkraft. Kraftstoffe und Heizöl verteuern sich wegen blockierter Transportwege und geringerer Raffineriekapazitäten noch stärker als das Rohöl selbst. Entspannung ist kaum in Sicht: Ohne eine deutliche Beruhigung an den Energiemärkten dürfte die Inflationsrate vorerst hoch bleiben. Die Dienstleistungspreise liegen weitgehend stabil mit 2,8 Prozent über Vorjahr, anziehende Erzeugerpreise deuten auf anhaltende Teuerung bei Waren hin. Das gilt auch für den Euroraum. Eine Zinserhöhung der EZB bei der nächsten Sitzung ist wahrscheinlich geworden.»
Jörg Krämer, Chefökonom Commerzbank:
«Preistreiber Nr.1 sind auch im August die Energiepreise. Aber selbst wenn das Öl wieder ungehindert durch die Strasse von Hormus flösse und sich Energie verbilligte, dürfte die Inflation noch lange deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent liegen. Denn immer mehr Unternehmen sind gezwungen, den zurückliegenden Kostenschub bei der Energie an ihre Kunden weiterzugeben. An der Inflationsfront kehrt so schnell keine Ruhe ein.»
Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank:
«Unterdessen sind Zweitrundeneffekte bislang nicht eindeutig ersichtlich. Der Preisauftrieb von Dienstleistungen nimmt sogar etwas ab. Im Juli stiegen Dienstleistungspreise noch um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, im August waren es mit 2,8 Prozent etwas weniger. Die Kerninflationsrate bleibt damit bei 2,4 Prozent (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) auf dem Niveau des Vormonats.
In den kommenden Monaten werden die direkten preistreibenden Effekte des Ölpreisanstieges an Einfluss verlieren. Stattdessen könnten aber indirekte Effekte stärker zu Buche schlagen. Wenn Unternehmen beginnen ihre höheren Energiepreise auf ihre Produkte umzulegen, wird sich dies in der Kerninflationsrate bemerkbar machen. Damit rechnet auch die EZB. Und gerade deshalb werden die europäischen Währungshüter vorbeugend ihren Leitzins vermutlich im September um 25 Basispunkte anheben.»
(Reuters)

