Daten-Forscher verdienen heute mehr als mancher Fonds-Manager

Daten sind die neue Währung. Und wer die Daten richtig ordnen und analysieren kann, ist der neue Crack. Auch bei den Hedgefunds. Ein Beispiel.
27.12.2016 20:00
Blick auf Manhatten, New York. In den Finanzinstituten werden Datenforscher immer beliebter.
Blick auf Manhatten, New York. In den Finanzinstituten werden Datenforscher immer beliebter.
Bild: Pixabay

Matt Ober, ein 32-jähriger US-Datenforscher, verlässt die Forschungsstiftung WorldQuant in Richtung Hedgefunds Third Point. Ein Jobwechsel, der es in sich hat: Beim Hedgefunds wird Ober mehr als 2 Millionen Dollar verdienen. Das zumindest geht aus einer Vertragsbruch-Klage hervor, die sein ehemaliger Arbeitgeber eingereicht hatte.

Der Datenforscher wird im kommenden Monat seinen neuen Posten als Chief Data Scientist bei Third Point antreten. In einer Mitteilung erklärte er, er werde ein Basisgehalt von 200.000 Dollar bekommen und damit genau dasselbe wie bei WorldQuant. Hinzu kämen Bonus-Zahlungen. Er wies die Aussage zurück, dass eine Vergütung im Volumen von 2 Mio. Dollar garantiert sei.

Third Point folgt anderen grossen Namen in der Hedgefonds-Branche dabei, Datensammlungen im grossen Stil und quantitatives Investieren zu entwickeln, um die Erträge zu steigern.

Die Nachfrage nach Daten-Wissenschaftlern und Programmierern, die Informationen durchforsten, ordnen und in Modelle giessen, ist gross. Erfahrene Daten-Wissenschaftler können zwischen 500.000 Dollar und 700.000 Dollar pro Jahr verdienen, sagt Personalberater Alexey Loganchuk. Jahrelang war ihnen ein sogenannter Status im Back Office zugewiesen worden. Bei sehr erfahrenen Leuten in diesem Bereich kann die Summe seinen Angaben zufolge auch bis zum Dreifachen ansteigen.

Die neuen "Herren des Universums"

„Es ist zu früh, die Daten-Wissenschaftler als die neuen Herren des Universums zu beschreiben. Aber sie befinden sich auf dem Weg dorthin“, erklärt Loganchuk, Gründer von Upgrade Capital, einem in New York beheimateten Personalberater, der sich auf alternative Daten spezialisiert hat. „Weil dieser Bereich noch so neu ist, kann der Weg vom Einstiegsposten zum Management schnell erfolgen. Es gibt da draussen mehrere Leute Mitte 20, die siebenstellige Summen verdienen.“

Hedgefonds-Manager und führende Analysten stehen hingegen vor geringeren Vergütungen. Jene mit siebenjähriger Erfahrung erwarten einen Rückgang von 14 Prozent bei der Gesamtvergütung in diesem Jahr auf damit rund 685.000 Dollar, geht aus einer Umfrage aus dem September von Odyssey Search Partners hervor.

Loganchuk zufolge liegt das Gehalt eines Daten-Wissenschaftlers aber noch immer hinter dem zurück, was Portfolio-Manager oder Partner bei einem Top-Fonds mit nach Hause nehmen könnten.

Winton Capital Management aus London hatte im April angekündigt, ein Daten-Wissenschaftszentrum in San Francisco aufbauen und rund 40 Wissenschaftler einstellen zu wollen. Und Citadel aus Chicago besetzte im September den neuen Posten des Chief Data Officer mit dem eigenen früheren Risiko-Chef.

Ober war 2011 bei WorldQuant von Igor Tulchinsky als Analyst für Daten-Produkte an Bord gegangen. Später wurde er zum Co-Chef für Daten-Strategien bei dem Hedgefonds aus Greenwich, Connecticut, befördert. Das geht aus Pflichtmitteilungen hervor. Er machte Daten von Anbietern ausfindig, die sich für den Handel einsetzen liessen.

Ober soll Third Point laut Mitteilung dabei helfen, schneller beim Thema Bid-Daten auf den neuesten Stand zu kommen – also Datensätze identifizieren, die für bestimmte Handelsgeschäfte genutzt werden können.

Ober verwies Nachfragen von Bloomberg an einen Vertreter von Third Point, der zunächst nicht auf Nachfragen reagierte. Dasselbe galt für Claudia Gray, eine Sprecherin für WorldQuant.

(Bloomberg)