Der Euro-Franken-Kurs geht über 1,05

Das Hick-Hack im Griechen-Schuldenstreit führt zu einem Auf und Ab an den Aktienmärkten. Das Kursverhältnis vom Franken zum Euro scheint vom Gezerre aber unbeeindruckt zu sein. Wieso eigentlich?
25.06.2015 13:42
Von Pascal Züger
Der Franken schwächt sich gegenüber dem Euro ab.
Der Franken schwächt sich gegenüber dem Euro ab.
Bild: Bloomberg

Der Euro-Franken-Kurs hat sich in den letzten Tagen relativ stabil innerhalb der Bandbreite von 1.042 bis 1.048 bewegt. Weder die Euphorie an den Märkten Anfang Woche noch der Dämpfer vom Mittwoch liess das Kursverhältnis gross ausschwenken. Und am heutigen Donnerstag schwächt sich der Franken sogar noch mehr ab, durchbricht die genannte Bandbreite und ist im Vergleich zum Euro aktuell 1.054 wert (Stand 13:00, 25. Juni).

Euro-Franken-Kurs der letzten 7 Tage, Quelle: cash.ch (Stand 25.06., 12:30)

In der Schweiz und auch weltweit schnellten zu Wochenbeginn die Aktienindizes nach oben. Die Euphorie war darin begründet, dass sich eine Lösung im Schuldenstreit um Griechenland abzeichnete. Eine nur kurz währende Freude, denn am Mittwoch kam wieder die grosse Ernüchterung: Abbruch der Gespräche. Die Aktienmärkte knickten wieder ein. Der heutige Sondergipfel der Eurogruppe soll nun eine Übereinkunft bringen, an eine kurzfristige Lösung ist kaum mehr zu denken.

Aufgrund dieser Entwicklung müsste sich der Schweizer Franken in den letzten Tagen wieder aufgewertet haben, da er gerade in solch unsicheren Zeiten als "sicherer Hafen" gilt und deshalb viele die Schweizer Währung halten wollen. Müsste - denn die Realität sieht anders aus.

Die Lethargie des Marktes

ZKB-Devisenspezialist Jürg Nessier erklärt sich diese eigentlich unlogische Entwicklung zum einen durch die Kommunikation der Nationalbank, die regelmässig betone, bei einer stetigen Aufwertung des Schweizer Frankens zu reagieren. Dies beeinflusse die Märkte. Zum anderen "wollen viele Marktteilnehmer mehr 'Fleisch am Knochen' haben im Fall Griechenland, bevor sie wieder eingreifen", so Nessier.

Das ständige Hin und Her um Griechenland bisher ohne greifbare Lösung scheint die Anleger in einen lethargischen Zustand versetzt zu haben. An eine schnelle Einigung ohne Wenn und Aber glaubt niemand mehr so recht. "Die Leute sind über diese noch nie zuvor dagewesene Situation derart verunsichert, dass Sie den Kurs einfach treiben lassen", meint Nessier dazu.

Die heutige Abwertung der hiesigen Währung zum Euro darf also nicht überbewertet werden. Eine Trendwende hin zu einem schwächeren Franken wurde damit kaum eingeläutet. Solange das Tauziehen in Griechenland weiter geht und keine endgültige Lösung präsentiert wird, wird es auch keine klare Richtung beim Wechselkurs geben.