Der Top-Verdiener unter deutschen Verwaltungsräten

Deutsche-Bank-Chefkontrolleur Paul Achleitner bleibt Spitzenverdiener unter den Verwaltungsratschefs der grössten Firmen Deutschlands. Er verdient aber immer noch sehr viel weniger als seine Schweizer Kollegen.
26.11.2016 07:14
Paul Achleitner, Verwaltungsratspräsident Deutsche Bank.
Paul Achleitner, Verwaltungsratspräsident Deutsche Bank.
Bild: Bloomberg

Seine Bezüge dürften 2016 allerdings bei etwas mehr als 800'000 Euro stagnieren, wie die Unternehmensberatung Willis Towers Watson am Mittwoch mitteilte. Das läuft dem Trend entgegen, denn insgesamt wird ein Plus von 4,4 Prozent erwartet. Im Durchschnitt liegt die Vergütung dieses Jahr bei 372'100 Euro, wie die Experten auf Grundlage von Hauptversammlungsbeschlüssen sowie Geschäfts- und Analystenberichten berechneten.

Damit würde es Achleitner nicht unter die 20 bestverdienenden Verwaltungsratspräsidenten der Schweiz schaffen. Peter Brabeck (Nestlé) hatte 2015 eine Entschädigung von 6,5 Millionen Franken, wie aus einer Studie von zRating hervorgeht. Auf Platz 20 der Tabelle rangiert Adecco-Präsident Rolf Dörig mit einer Entschädigung von noch immer 1,56 Millionen Franken.

An der deutschen Tabellenspitze stehen neben Achleitner noch die VR-Präsidenten von Siemens und BMW: Gerhard Cromme kommt auf 608.000 Euro, Norbert Reithofer auf 600.500 Euro. Am wenigsten zahlen Merck (97'800 Euro), Adidas (205'300) und ThyssenKrupp (210'000 Euro). Dass der Pfeil insgesamt nach oben zeigt, hält Willis Towers Watson für vertretbar, weil auch das Haftungsrisiko gestiegen sei.

18 Dax-Konzerne setzen auf eine ausschließlich feste Vergütung ihrer Chefkontrolleure. Die Deutsche Bank zählt nicht dazu: Von den 200'000 Euro "Grundgehalt", die Achleitner bekommt, werden nur 75 Prozent ausgezahlt. Das übrige Viertel wird aufgeschoben und in virtuelle Aktien umgewandelt - es gibt also in kleinerem Umfang eine Koppelung an den langfristigen Unternehmenserfolg. Zur Grundvergütung summieren sich noch Gelder für die Arbeit in den Aufsichtsratsausschüssen.

Die Deutsche-Bank-Aktie hat sich in jüngerer Vergangenheit als enttäuschendes Investment erwiesen: Seit Jahresbeginn verlor sie 34 Prozent an Wert, seit dem Amtsantritt Achleitners im Juni 2012 sogar knapp die Hälfte. Hauptgrund: Viele Rechtsstreitigkeiten sind noch immer ungelöst, deshalb kann sich Deutschlands größtes Geldhaus nur bedingt auf sein Tagesgeschäft konzentrieren. Vielen Investoren fehlt außerdem noch immer ein überzeugendes Geschäftsmodell, mit dem sich nachhaltig Gewinne erwirtschaften lassen. Dennoch will die Deutsche Bank Achleitner in die Verlängerung schicken, wie seit dieser Woche offiziell bekannt ist: Der Aufsichtsrat hat ihn einstimmig zur Wiederwahl im Mai 2017 nominiert.

(Reuters/cash)