Detailhandelskonzern im Visier - Chinesische HNA müsste für Dufry tief in die Tasche greifen

Angeblich will sich die chinesische HNA an Dufry beteiligen. Allerdings käme dem Mischkonzern aus China ein Paket am Detailhandelskonzern nicht günstig, was die Aktie kräftig steigen lässt.
28.03.2017 11:02
Von Lorenz Burkhalter
Ein Dufry-Paket würde gut ins Firmenportfolio des Mischkonzerns HNA passen.
Ein Dufry-Paket würde gut ins Firmenportfolio des Mischkonzerns HNA passen.
Bild: ZVG

Nach der Übernahme des Cateringunternehmens Gategroup ist HNA in der Schweiz angeblich erneut auf Einkaufstour. Einem Artikel des Wall Street Journals zufolge ist der übernahmehungrige chinesische Mischkonzern an einer strategischen Beteiligung am Basler Reisedetailhändler Dufry interessiert.

Angeblich hätten HNA-Abgesandte deswegen bereits die beiden Grossaktionäre Temasek und GIC angegangen. Gemeinsam mit der Qatar Investment Authority hatten sich die Staatsfonds vor ziemlich genau zwei Jahren beteiligt, als Dufry die milliardenschwere Übernahme von World Duty Free stemmen musste.

Die von einer möglichen Beteiligung ausgehende Fantasie heizt der zuvor schwachen Dufry-Aktie an der Schweizer Börse SIX ein. Zur Stunde gewinnt sie noch 3,2 Prozent auf 143,50 Franken. Im frühen Handel liessen aggressive Deckungskäufe die Kurse sogar bis auf 146,40 Franken klettern.

Wie immer alles eine Frage des Preises

Wie es im hiesigen Berufshandel heisst, passt der Basler Betreiber von Zollfreiverkaufsstellen an Flughäfen ins Beuteschema von HNA. Dabei wird auf die Beteiligungen des chinesischen Mischkonzerns an Flughafenbetreibern sowie an der ehemaligen Swissair-Tochter Gategroup verwiesen.

Die Dufry-Aktie hatte in den letzten zwei Wochen einen eher schweren Stand (Quelle: www.cash.ch)

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Nachdem der Kurs der Dufry-Aktie um mehr als 11 Prozent von den Mehrjahreshöchstkursen bei 156,70 Franken zurückgefallen ist, können sich einige Beobachter einen Rückzug durch einen der drei vor knapp zwei Jahren eingestiegenen Staatsfonds nicht so recht vorstellen. In diesem Zusammenhang wird auch darauf verwiesen, dass der Aktienkurs sogar einige Franken unter dem Stand von Ende März 2015 steht.

Wie dem Jahresbericht von Dufry zu entnehmen ist, gilt Temasek mit einem Stimmenanteil von 8,55 Prozent als grösster Einzelaktionär des Unternehmens, gefolgt von GIC mit 7,79 Prozent und Qatar Investment Authority mit 6,92 Prozent.

Erleichterter Zugang zum chinesischen Markt?

Die chinesische HNA müsste für eine strategische Beteiligung womöglich tief in die Tasche greifen und einen satten Aufschlag gegenüber dem aktuellen Aktienkurs bieten, so lautet der Tenor. Das ist durchaus vorstellbar: Auch bei der Gategroup konnte der Mischkonzern die Anteilseigner im vergangenen Jahr mit einer grosszügigen Barofferte auf seine Seite ziehen.

Der für die Bank Vontobel tätige Analyst hält eine mögliche Beteiligungsnahme durch HNA aus Sicht von Dufry für extrem interessant. Seines  Erachtens würde das Unternehmen auf diesem Weg erleichterten Zugang zum chinesischen Markt erhalten. Bankeigenen Berechnungen zufolge tragen die Zollfreihandelsverkaufsstellen in Chengdu und Schanghai weniger als ein Prozent und die gesamte asiatische Region nur rund 10 Prozent zum Jahresumsatz bei. Die Dufry-Aktie wird bei der Zürcher Bank unverändert mit einem Kursziel von 165 Franken zum Kauf empfohlen.