Im ersten Halbjahr haben sie einer Studie zufolge ihr Engagement um fast zwei Drittel zurückgefahren. Demnach flossen nur ⁠noch rund 4,3 Milliarden Euro an deutschen Direktinvestitionen in die weltgrösste Volkswirtschaft, wie aus Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis von Bundesbank-Daten hervorgeht. Diese ‌lagen der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag vorab vor. Das ist ein Einbruch um ‌65 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

«Damit setzt sich der Negativtrend ​seit Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit im Januar 2025 fort», sagte IW-Expertin Samina Sultan. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2024, dem letzten vor Trumps Wiedereinzug ins Weisse Haus, beträgt der Rückgang sogar knapp 80 Prozent. Trump hat mit seiner Wirtschaftspolitik viele wichtige Handelspartner verprellt und mit hohen Zöllen überzogen, darunter die EU und damit Deutschland.

Auch im langfristigen Vergleich ist der ‌Wert alarmierend: In den fünf Jahren vor der Pandemie investierten deutsche Firmen im Schnitt 15,8 Milliarden Euro im ersten Halbjahr in den USA - fast viermal so viel wie heute. Zwar lagen die Werte während der Pandemie-Jahre 2020 bis 2023 noch niedriger, ​teils sogar im negativen Bereich. «Das war jedoch dem wirtschaftlichen Einbruch durch die Corona-Pandemie geschuldet - ein Sonderfall», ​erklärte Sultan.

Direktinvestitionsflüsse können teils stark schwanken und durch einzelne Grosstransaktionen verzerrt sein. ​Zudem unterliegen die aktuellsten Zahlen oft Revisionen. Dennoch deuten auch Umfragen wie die der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in die gleiche Richtung, erklärte das IW. Zuletzt ‌gaben 41 Prozent der Betriebe mit US-Standorten an, ihren Kapitaleinsatz dort erhöhen zu wollen - der Anteil verharrt unter seinem langjährigen Durchschnitt.

Die Forscher nahmen auch die Zusammensetzung der Investitionsflüsse im Gesamtjahr 2025 unter die Lupe. Sie fanden stiessen dabei ​auf ​ein auffälliges Muster: Sowohl die Direktinvestitionskredite als auch die reinvestierten ⁠Gewinne fielen überdurchschnittlich hoch aus. Das Beteiligungskapital im engeren Sinne - der Saldo aus ​Neuanlage und Liquidation - blieb dagegen unterdurchschnittlich. ⁠Das könnte daran liegen, dass sich Unternehmen bei strategischen Neuinvestitionen wie dem Kauf von Firmen oder dem Aufbau neuer Standorte ‌zurückhalten.

«Unternehmen, die bereits in den USA aktiv sind, investieren ihre dortigen Gewinne demnach weiterhin im Land», sagte IW-Forscherin Sultan. «Das spricht dafür, dass die USA grundsätzlich ein attraktiver Markt bleiben.» Bei der Neuanlage von Kapital zögerten ‌die Unternehmen jedoch - ein Indiz dafür, wie stark die wirtschaftspolitische Unsicherheit unter Trump viele Investitionsentscheidungen ​ausbremse.

Trumps Zollpolitik macht den deutschen Exporteuren das Leben schwer. Ihre Ausfuhren schrumpften im ersten Halbjahr um rund sechs Prozent auf gut 74 Milliarden Euro. «Trotz Trumpscher Zollpolitik bleiben die USA jedoch Deutschlands wichtigstes Abnehmerland», sagte die Expertin der bundeseigenen Fördergesellschaft Germany Trade & Invest, Corinne Abele. ‌Auf den Plätze zwei und drei ​folgen Frankreich (61,9 Milliarden Euro) und die Niederlande (60,1 Milliarden Euro).

(Reuters)