Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach 2,9 Prozent ‌im August, ⁠wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch zu seiner ersten Schätzung mitteilte. Die Ölpreise sind durch den Nahost-Krieg zeitweise ⁠über die Marke von 100 Dollar je Barrel gestiegen. Deshalb mussten dem Autoklub ADAC zufolge im September mehrfach Rekordpreise für Diesel und ‌Benzin bezahlt werden.

«Kraftstoffe sind mit Abstand der grösste Preistreiber», sagte der Chefvolkswirt des Vermögensverwalters ‌Bantleon, Daniel Hartmann. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen etwa mussten die ​Verbraucher für Diesel im September 48,7 Prozent mehr bezahlen als ein Jahr zuvor. Für Benzin lag der Aufschlag bei 33,8 Prozent. Heizöl verteuerte sich sogar um 49,9 Prozent.

Der teure Sprit hat die Bundesregierung aktiv werden lassen. Ab 1. Oktober bis zum Jahresende gilt ein neuer Tankrabatt - eine Subvention, die bereits im Mai und Juni zum ‌Tragen kam. «In den kommenden drei Monaten werden die Inflationsraten durch den erneuten Tankrabatt gedämpft», erwarten die Ökonomen der Landesbank Helaba. Dieser werde die Kraftstoffpreise um bis zu 17 Cent je Liter drücken. Das sollte sich auf die Teuerungsrate auswirken. «Der Tankrabatt ​dürfte die Inflation im Oktober wieder um etwa 0,3 Prozentpunkte dämpfen», sagte der Chefvolkswirt der ​Berenberg Bank, Holger Schmieding.

Energie verteuerte sich im September bundesweit um ​14,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach 10,5 Prozent im August. Nahrungsmittel kosteten durchschnittlich 0,4 Prozent mehr (August: +0,1 Prozent). Für Dienstleistungen wie Versicherungen oder Reisen ‌wurden 2,7 Prozent mehr verlangt (August: +2,8 Prozent). Die Preise ohne Nahrungsmittel und Energie, auch als Kerninflation bezeichnet, legten erneut um 2,4 Prozent zu. Von August auf September zogen die Verbraucherpreise insgesamt um 0,6 Prozent an.

Versorger könnten Preise im Winter anheben

Die ​Unternehmen in Deutschland wollen die gestiegenen Energiekosten zunehmend an ihre ⁠Kunden weitergeben. Das Barometer für ihre Preiserwartungen stieg im September auf ​22,7 Punkte von 21,4 Zählern ⁠im August, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage mitteilte. Dies deute darauf hin, dass die höheren Energiekosten mehr ‌und mehr auf die Verkaufspreise überwälzt werden. «Sprit und Heizöl haben sich bereits spürbar verteuert, im Winter dürften die Energieversorger die Preise für Strom und Gas anheben», sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Gleichzeitig werde der ‌Preisdruck bei vielen Waren und Dienstleistungen weiter zunehmen.

Da die Inflation auch in der ​Euro-Zone insgesamt steigen dürfte, rechnen Volkswirte mit weiteren Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB). Diese hat ihren Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal heraufgesetzt - auf aktuell 2,50 Prozent. Die Experten von Deutsche Bank Research rechnen für Dezember mit der nächsten Anhebung auf ‌dann 2,75 Prozent.

(Reuters)