Die Aussicht auf einen Zinserhöhungskurs vieler grosser Notenbanken hat den Bondmarkt in dieser Woche ordentlich ins ‌Straucheln ⁠gebracht. Er steuerte am Freitag auf den grössten Ausverkauf seit Beginn ⁠des Iran-Krieges Ende Februar zu. Im Gegenzug schnellten die Renditen in die Höhe. ‌Anleger gehen davon aus, dass die ‌durch den Nahost-Konflikt stark steigenden Energiepreise ​die Zentralbanken zu schnellem Handeln im Kampf gegen die Inflation zwingen.

Die Verzinsung zweijähriger deutscher Staatsanleihen lag bei 3,208 Prozent, dem höchsten Stand seit Oktober 2023 - auf Wochensicht ein Plus von fast ‌23 Basispunkten. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen standen kurz davor, erstmals seit Oktober 2023 die Fünf-Prozent-Marke zu knacken. Zehnjährige Bundesanleihen warfen mit bis zu ​3,5146 Prozent so viel ab wie seit August 2009 ​nicht mehr.

Die Europäische Zentralbank erhöhte ​am Donnerstag wie erwartet die Leitzinsen der Eurozone um einen Viertelpunkt auf 2,50 ‌Prozent. Mehrere Personen aus dem Führungskreis der EZB rechnen nach Reuters-Informationen in den kommenden Monaten mit einer weiteren Straffung der Geldpolitik, um ​die ​Teuerung einzudämmen. Auch in den ⁠USA stellen sich Investoren auf einen restriktiveren ​geldpolitischen Kurs ein. ⁠Mitentscheidend für das weitere Vorgehen der US-Notenbank Fed dürften die ‌am Nachmittag anstehenden Inflationsdaten sein. Experten erwarten, dass die Verbraucherpreise um 3,4 Prozent gestiegen sind. «Damit rückt die erwartete Zinserhöhung ‌der US-Notenbank am kommenden Mittwoch näher», sagte Jürgen ​Molnar von Robomarkets.

(Reuters)