«Die Sonderkonjunktur bei den energieintensiven Industrien, ‌die ⁠im Zuge des Konflikts im Nahen Osten von der gestiegenen Auslandsnachfrage getragen ⁠wurde, scheint sich zur Jahresmitte abzuschwächen», teilte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) am Montag in seinem Monatsbericht mit. Auch ‌in der Binnenwirtschaft deuteten Indikatoren für die private ‌Konsumentwicklung vor dem Hintergrund der anhaltend ​hohen Energiepreise auf eine nachlassende Dynamik hin: «Neben dem weiter ungelösten Konflikt im Nahen Osten und den damit erneut gestiegenen Unsicherheiten und Energiepreisen gehen von dem anhaltenden Niedrigwasser dämpfende Effekte im laufenden Quartal aus», heisst es in dem Bericht ‌weiter.

Die Wirtschaft hatte sich im Frühjahr trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg recht gut geschlagen: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni dank höherer Exporte ​um 0,3 Prozent zum Vorquartal. Angesichts zuletzt aufgehellter Konjunkturperspektiven ​haben viele Forschungsinstitute ihre Prognosen für das laufende ​Jahr nach oben gesetzt: So erwartet etwa das Münchner Ifo-Institut für 2026 einen Zuwachs beim ‌BIP von 1,4 Prozent.

Das Wirtschaftsministerium giesst nun etwas Wasser in den Wein: Nach der spürbaren Erholung im ersten Halbjahr 2026 zeichne sich zur Jahresmitte ​eine ​wirtschaftliche Abschwächung ab. Das BMWE räumt ⁠zugleich ein, dass sich Stimmungsindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex, ​die ZEW-Konjunkturerwartungen und der ⁠S&P-Einkaufsmanagerindex zuletzt weiter deutlich aufgehellt haben. Allerdings spiegele sich diese positive Stimmung nicht ‌in den jüngsten Konjunkturindikatoren.

Das Ministerium verweist auf die Industrieproduktion, die im Juli entgegen der positiven Lageeinschätzung zuletzt rückläufig war: «Neben dem ‌Automobilsektor, dessen Produktion auch infolge einer vorübergehenden, umstellungsbedingten Werksschliessung eingeschränkt ​worden war, scheint auch die Sonderkonjunktur bei den energieintensiven Industrien an Dynamik zu verlieren.»

(Reuters)