Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im August viermal so stark hochgefahren wie erwartet. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 2,0 Prozent mehr her ‌als ⁠im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen ⁠hatten nur mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet. Im Juli war die Produktion noch um 1,2 Prozent ‌geschrumpft. In ersten Reaktionen hiess es dazu:

Jörg Krämer, Chefökonom Commerzbank: 

«Das ‌ist mal eine gute Zahl von der ​gebeutelten deutschen Industrie. Sie konnte ihre Produktion im August spürbar erhöhen, vor allem wegen des Baus und trotz ungewöhnlich vieler Werksferien in der Autoindustrie und des Niedrigwassers im Rhein. Trotz der guten August-Zahl bewegt sich die Industrieproduktion in der Grundtendenz weiter auf niedrigem Niveau seitwärts. ‌Die Erholung wichtiger Stimmungsindikatoren wie des Ifo-Geschäftsklimas legt für die kommenden Monate zwar einen gewissen Produktionsanstieg nahe. Letztlich dürfte er aber moderat ausfallen, weil die Industrie weiter unter Chinas Konkurrenz ​und der hausgemachten Erosion der Standortqualität leidet, an der sich wegen ​des Fehlens durchgreifender Reformen bis auf Weiteres nichts ändern ​wird.»

Sebastian Wanke, KFW Research: 

«Der Industrieproduktion werden dieses Jahr immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen. Im ‌August waren es die niedrigen Pegelstände des Rheins, einem zentralen Transportweg der deutschen Wirtschaft. Insofern sind die heutigen Zahlen, ganz abgesehen von der starken Bauproduktion, bemerkenswert gut. Die deutsche Wirtschaft ist ​also doch ​nicht im Schlick des Niedrigwassers ausgerutscht. Und ⁠im Trend füllen sich – wenn auch unter starken Schwankungen – ​die Auftragsbücher immer weiter, vor ⁠allem die des Verarbeitenden Gewerbes. Besonders gut sieht es aus im Wirtschaftszweig 'Sonstiger Fahrzeugbau', ‌der von den zunehmenden Rüstungsausgaben profitiert, im wichtigen Maschinenbau und in der sogenannten Digitalisierungsbranche. Letztere umfasst Datenverarbeitungsgeräte sowie elektronische und optische Erzeugnisse wie zum Beispiel Laser, ‌die zur Herstellung von Halbleitern benötigt werden. Diese Entwicklung zeigt, dass der ​Boom rund um KI und Rechenzentren auch Deutschland erfasst hat. Perspektivisch wird vor diesem Hintergrund die gesamte Produktion steigen und die Freude am Wachstum hierzulande hoffentlich schon bald zurückkehren.»

(Reuters)