Devisen - Euro kostet erstmals seit Ende 2019 mehr als 1,10 Franken

Der Euro ist für Schweizer so teuer wie seit über einem Jahr nicht mehr. Die Gemeinschaftswährung ist in der Nacht auf den Mittwoch über die Marke von 1,10 Franken geklettert.
24.02.2021 10:25
Der Franken steht seit mehr als einem Jahrzehnt zum Euro unter Aufwertungsdruck
Der Franken steht seit mehr als einem Jahrzehnt zum Euro unter Aufwertungsdruck
Bild: imago images

Dieses Niveau hatte es letztmals Ende 2019 gegeben.

Auch der US-Dollar hat in den letzten Wochen weiter Boden gut gemacht und nähert sich mittlerweile der 0,91er Marke an. Der Franken habe derzeit keinen leichten Stand bei den Anlegern, hiess es am Markt. Die Risikobereitschaft sei gestiegen, was nicht zuletzt an den geopolitischen Entspannungen liege.

Der Euro-Franken-Kurs seit Mitte 2019 (Chart: cash.ch).

Sogenannt sichere Häfen wie der Schweizer Franken seien in diesem Umfeld weniger gefragt. Darüber hinaus sei in den letzten Wochen die Zuversicht gestiegen, dass es in vielen Ländern zu einer baldigen wirtschaftlichen Öffnung komme.

"Die Schweizerische Nationalbank dürfte es freuen, dass sie zurzeit nicht am Devisenmarkt intervenieren muss", schrieb die Zürcher Kantonalbank (ZKB) dazu in einem Kommentar. Während des Pandemiejahres 2020 war das anders gewesen, weil der Franken zeitweise sehr gefragt war. Die erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit sowie die expansive Geldpolitik der Zentralbanken machten den Franken letztes Jahr relativ attraktiv.

Anleger verkaufen Schweizer Aktien

Der Anlagechef der St. Galler Kantonalbank, Thomas Stucki, erklärte überdies, dass im internationalen Vergleich sowohl die grossen Schweizer Aktien als auch der Franken relativ schwach seien. Möglich sei, dass ausländische Anleger, die vor allem in den grossen Schweizer Aktien investiert seien, diese verkauften und dadurch dann auch den Franken.

Am Morgen war bekannt geworden, dass sich die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2020 etwas besser als bisher bekannt entwickelt hat. In der grössten Volkswirtschaft der Eurozone stieg die Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich um 0,3 Prozent, nachdem zuvor nur ein Wachstum von 0,1 Prozent gemeldet worden war. Enttäuschende Daten kamen hingegen aus Frankreich, wo sich das Geschäftsklima im Februar überraschend eintrübte.

Konjunkturdaten auf dem Programm

Im weiteren Tagesverlauf stehen kaum noch wichtige Konjunkturdaten auf dem Programm, an denen sich die Anleger orientieren könnten. Daher dürfte sich das Interesse verstärkt auf ranghohe US-Zentralbanker richten, die sich im Verlauf des Tages äussern, darunter der amerikanische Notenbankchef Jerome Powell.

Am Dienstag hatte Powell während eines Auftritts vor dem amerikanischen Senat anhaltende geldpolitische Unterstützung für die coronageschwächte Wirtschaft zugesagt. Am Mittwoch tritt er vor dem Repräsentantenhaus auf.

Obwohl Powell bei seinem Auftritt im US-Senat keine Hinweise auf eine Änderung der extrem lockeren Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft in der Corona-Krise lieferte, rechnen Experten weiter mit Spekulationen auf eine mögliche Straffung. Hintergrund ist der jüngste Anstieg der Renditen für Staatsanleihen und die Sorge vor einem zu starken Anstieg der Inflation. "Es darf wohl bezweifelt werden, dass sich die Finanzmärkte davon abbringen lassen werden, weiter über ein mögliches Tapern der Anleihekäufe zu spekulieren", sagte Expertin You-Na Park-Heger von der Commerzbank.

(AWP)