Devisenausblick - Zwei Grossbanken - eine Meinung zum Franken

Die UBS-Währungsstrategen sehen den Franken zum Euro noch einmal deutlich schwächer werden. Ähnliches prognostizieren auch die Berufskollegen der Credit Suisse. Beim Dollar sind sich die Grossbanken zumindest fast einig.
23.11.2017 08:33
Von Lorenz Burkhalter
Der Franken dürfte sich auch 2018 abschwächen, so sind sich UBS und Credit Suisse einig
Der Franken dürfte sich auch 2018 abschwächen, so sind sich UBS und Credit Suisse einig
Bild: Bloomberg

Noch fehlen einige Wochen bis zum Jahresende. Viele Banken nutzen allerdings jetzt schon die Gelegenheit, um ihre Prognosen für das kommende Jahr zu kommunizieren.

Aus Schweizer Sicht interessiert dabei vor allem eines: wird der Franken auch 2018 noch einmal schwächer? Gegenüber dem Euro hat er im laufenden Jahr schliesslich gut 8 Prozent eingebüsst. Und das erst noch ohne grosses Zutun der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Euro-Dollar-Kurs gibt den Ton an

Eine Antwort auf diese Frage liefern in diesen Tagen sowohl die Währungsstrategen der UBS Investmentbank als auch ihre Berufskollegen der Credit Suisse.

Letztere machen ihre Prognosen für den Franken von der zukünftigen Entwicklung des Euro-Dollar-Kurses abhängig. Denn die grossen Devisenmarktakteure handeln vorwiegend in diesem Währungspaar. Für sie ist der Franken bestenfalls ein Nebenschauplatz.

Der Euro-Franken-Kurs (rot) im 12-Monats-Vergleich mit dem Dollar-Franken-Kurs (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Die Experten sehen den Euro-Dollar-Kurs noch auf Monate hinaus zwischen 1,13 und 1,20 Dollar pendeln. Sie rechnen frühestens in der zweiten Hälfte nächsten Jahres mit einer stärkeren europäischen Einheitswährung.

Franken bleibt hoch bewertet

Dennoch sehen die Währungsstrategen den Franken schwächer werden. Um dieser Erwartungshaltung den nötigen Nachdruck zu verleihen, erhöhen sie ihre 12-Monats-Prognose für den Euro-Franken-Kurs von 1,10 auf 1,20 Franken. Dort lag einst der SNB-Mindestkurs, bevor er im Januar 2015 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aufgehoben wurde. Dem Dollar-Franken-Kurs traut man bei der Credit Suisse über die kommenden 12 Monate hingegen einen Vorstoss auf 1,04 Franken.

Der Franken sei noch immer vergleichsweise hoch bewertet und deshalb anfällig, sollte sich das weltweite Umfeld weiter beruhigen, so argumentieren die Experten. Ihren Berechnungen zufolge könnte deshalb noch einmal eine zweistellige Milliardensumme aus dem Franken abfliessen.

Auch die Berufskollegen von der UBS Investmentbank nehmen den Währungsausblick für 2018 zum Anlass, um ihre Franken-Prognosen zu überarbeiten. Neuerdings gehen sie beim Euro-Franken-Kurs bis Ende nächsten Jahres von einem Anstieg auf 1,22 Franken aus. Bisher lag die Prognose bei 1,20 Franken.

Amerikanische Wirtschaft könnte an Schwung verlieren

In Erwartung einer breit abgestützten wirtschaftlichen Wachstumsbelebung in Europa und eines stabileren politischen Umfelds sehen die Währungsstrategen ausländische Investoren Geld aus dem Franken abziehen. Bis Ende 2019 gehen sie deshalb sogar von einem Anstieg der europäischen Einheitswährung auf 1,28 Franken aus. Mit dieser Prognose steht die grössere der beiden Schweizer Grossbanken bisweilen alleine da. So weit in die Zukunft will man sich bei der Credit Suisse noch gar nicht festlegen.

Etwas zurückhaltender sind die Experten in Bezug auf den Dollar-Franken-Kurs. Diesen sehen sie sowohl auf einen Anlagehorizont von 12 als auch auf 24 Monate bei 0,98 Franken stagnieren. Denn während sie der Europa eine wirtschaftliche Belebung voraussagen, dürfte die amerikanische Wirtschaft ihres Erachtens an Schwung verlieren.

Die jüngsten Wirtschaftsindikatoren sowie das Mittwochnacht veröffentlichte Protokoll der letzten Sitzung der amerikanischen Notenbank scheinen diese Erwartungen bereits bestätigen zu wollen.

Zwei Banken, ein und dieselbe Meinung zum Franken - so liesse sich abschliessend sagen.