Devisenhandel: Nur wenige werden reich

Der Devisenhandel brockt Privatanlegern oft Verluste ein. Was Investoren beim Trading mit Währungen wissen müssen.
23.10.2013 14:30
Von Frédéric Papp
Im Handel mit Devisen lockt das schnelle Geld.

Dieser Artikel ist Teil des Magazins cash VALUE «Trading 2013». Das Magazin kann hier als PDF heruntergeladen oder hier als ePaper gelesen werden.

Auf die Frage, wo sich schnell viel Geld verdienen lässt, heisst die Antwort oft: im Devisenmarkt. Denn es gibt in diesem Markt Legenden. Der Starinvestor George Soros wurde 1992 mit seiner Wette auf ein fallendes Britisches Pfund auf einen Schlag steinreich. An einem einzigen Tag erzielte er einen Profit von über einer Milliarde Dollar.

Mit einem Tagesumsatz von umgerechnet über 5000 Milliarden Franken ist der Devisenmarkt – auch Forex genannt – der grösste Finanzmarkt der Welt. Gehandelt wird von Sonntag um 23 Uhr bis Freitag um 23 Uhr. Früher nur Profis vorbehalten, bieten viele Banken und Forex-Broker heute den Handel auch für Privatanleger an.

Viel Disziplin und Fachwissen gefordert

Doch auf dem Devisenmarkt reich zu werden, ist alles andere als einfach. Denn auch hier gilt: Wo ein Gewinner ist, gibt es auch einen Verlierer. Der Devisenhandel erfordert eine Menge Disziplin und viel Fachwissen über die Funktionsweisen und Einflussfaktoren der Finanzmärkte.

So bestimmen beispielsweise Inflations- und Zinserwartungen die Entwicklung einer Währung massgeblich. Politiker versuchen, die Devisenkurse gemäss ihrer geldpolitischen Gesinnung fernzusteuern. Resultate politischer Wahlen müssen in die Prognosen ebenso miteinfliessen wie ein relativ neues Phänomen: die Aussagen der Zentralbanken über die mittelfristige Zinsentwicklung – im Fachjargon «Forward Guidance» genannt. Sie zielt darauf ab, das Wirtschaftsgeschehen über die Erwartungen der Marktteilnehmer zu beeinflussen anstatt direkt über die Anpassung der Leitzinsen. Devisenhändler müssen diesen Mix von Faktoren richtig deuten. Wer bloss aus dem Bauch heraus agiert, fällt ziemlich sicher auf die Nase.

Auch Termingeschäfte möglich

Neben dem traditionellen Handel mit dem Kauf und Verkauf von Währungen sind in den letzten Jahren auch Devisen-Futures salonfähig geworden. Ein Beispiel: Der Standardkontrakt, den Anleger bei Devisen kaufen, sind 100 000 Einheiten, also ein «Lot». Beim US-Dollar/Franken-Lot sind 100 000 Dollar im Spiel. Setzt ein Anleger bei einem Dollar-Franken-Kurs von 0,93 auf einen steigenden Dollar, zahlt er umgerechnet 93 000 Franken. Bei einem Hebel von 100 muss er als Sicherheitsleistung – auch Margin genannt – beim Forex-Broker ein Prozent, also 930 Franken, hinterlegen. Steigt nun der Dollar um rund 2 Prozent auf 95 Rappen, beträgt der Gewinn 2000 Franken bei einem Einsatz von 930 Franken – ein Plus von 115 Prozent. Sinkt hingegen der Dollar um gut 2 Prozent, erleidet der Anleger nicht nur Totalverlust, sondern er muss auch noch Geld nachschieben. Daher sollten Anleger Stoppkurse setzen. Die meisten Forex-Broker bieten zudem ein Sicherheitsnetz an. Das heisst: Die Position wird im Notfall automatisch glattgestellt, um schmerzhafte Nachschusspflichten zu vermeiden.

Geeignet ist der Handel mit Devisen, vor allem Futures, also nur für Anleger mit robustem Nervenkostüm. Unerfahrene Anleger sollten somit kleinere Hebel wählen und mit Mini-Lots beginnen. Diese umfassen nur 10 000 Einheiten. Weiter sollte ein Augenmerk auf die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs gelegt und auf zusätzliche Gebühren geachtet werden.  Ein Anleger, der diese Tipps beherzigt, wird ziemlich sicher kein zweiter George Soros, aber er schafft sich eine gute Ausgangslage, um über die Zeit erfolgreich Devisengeschäfte tätigen zu können.