Diamantenpreise vor Preisschub

Die Diamantenpreise steuern 2012 auf die ersten Verluste in vier Jahren zu. 2013 dürften die Notierungen allerdings wieder zulegen. De Beers, weltweit grösster Diamantenproduzent, wird das Angebot einschränken.
01.01.2013 10:45
Daniel Hügli
Recovered diamonds from the Democratic Republic of Congo (Nov. 2008).
Recovered diamonds from the Democratic Republic of Congo (Nov. 2008).
Bild: Bloomberg

De Beers, Teil des Rohstoffkonzerns Anglo American, wird 2012 rund 27 Millionen Karat produzieren. Das entspricht einem Rückgang von 14 Prozent gegenüber 2011. 2013 soll die Förderung konstant gehalten werden, was die Preise, die im laufenden Jahr um 16 Prozent nachgegeben haben, stützen dürfte.

“Das Angebot wird im kommenden Jahr beschränkt sein. Wir haben eine Chance für weitere Preissteigerungen 2013”, sagte der Vorstandsvorsitzende Philippe Mellier in einem Interview mit Bloomberg TV. “Dieses Jahr werden wir etwa 27 Millionen (Karat) produzieren, wir werden uns nächstes Jahr auf etwa diesem Niveau bewegen.”

Die Preise für Rohdiamanten sind im laufenden Jahr laut Daten von WWW International Diamond Consultants Ltd. um 16 Prozent gefallen. Käufer aus Asien hielten sich zurück und in der Eurozone führte die Schuldenkrise zu rückläufiger Nachfrage. In den drei Jahren davor waren die Preise je um über 20 Prozent gestiegen, die Produzenten hatten Schwierigkeiten, mit der Nachfrage Schritt zu halten.

Bei De Beers sieht man die Diamantenförderung 2012 auf dem niedrigsten Stand seit 2009. Damals hatte der Konzern die Produktion angesichts der Finanzkrise halbiert. Gegenüber der Fördermenge vor der Krise 2008 stellt die 2012 geplante Produktion von 27 Millionen Karat einen Rückgang um 43 Prozent dar.

“Wir konzentrieren unsere Anstrengungen nun darauf, wo wir fördern und wann. Damit wir die richtigen Diamanten in der richtigen Menge haben, um uns dem Markt anzupassen”, sagte Mellier. “Wir passen uns an den Markt an.”

Diamantenproduzenten bekunden Mühe

Diamantenproduzenten bekunden Mühe, neue große Vorkommen zu erschließen, während bestehende Minen weniger fördern. Die Diamanten werden in immer größerer Tiefe geschürft, da die Bestände nahe der Erdoberfläche erschöpft sind.

In der Orapa-Mine von De Beer läuft die Förderung seit 1971. Die Mine Jwaneng ist seit 1982 in Betrieb, ebenso wie die Argyle-Mine des Wettbewerbers Rio Tinto. Die letzte große Mine ging 2003 in Betrieb, es handelt sich dabei um die Diavik-Mine von Rio Tinto. Im Jahr 2008 lag die Förderung bei 161,1 Mill. Karat und war damit um 8,5 Prozent niedriger als 2005.

Bis 2020 doppelt so rasch zunehmen

Bei der Unternehmensberatung Bainrechnet man damit, dass das Angebot erst 2017 wieder das Vorkrisenniveau erreichen dürfte. Die Nachfrage indes dürfte bis 2020 doppelt so rasch zunehmen wie das Angebot, angesichts der Zunahme kaufkräftiger Mittelschichten in Indien und in China.

Anglo selbst geht in einer im November vorgelegten Präsentation davon aus, dass auf Indien und China im laufenden Jahr 20 Prozent der globalen Nachfrage entfallen und dieser Wert bis 2016 auf 28 Prozent steigen dürfte.

Der Markt für Diamanten dürfte im laufenden Jahr um drei bis vier Prozent wachsen, gegenüber einem Zuwachs von 10 Prozent 2011, sagte Mellier. Ein Wachstum “in mindestens diesem Umfang” sieht De Beers auch 2013.

Anglo American hat die 40-Prozent-Beteiligung der Familie Oppenheimer an De Beers im laufenden Jahr für 5,1 Mrd. Dollar erworben und hält nun 85% an De Beers. Der Rest der Anteile gehört Botswana. De Beers liefert aktuell rund ein Drittel aller Rohdiamanten weltweit.