kommentar

Die Basler Pharma-Hochzeit ist weit weg

Der CEO von Roche ist offen für Gespräche mit Novartis. Es mag der Anfang vom Ende der Pharma-Eiszeit in Basel sein. Doch nicht der Anfang einer Firmen-Fusion.
01.10.2013 13:25
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Jahrelang mieden sich die beiden Pharma-Giganten Roche und Novartis aus Basel wie die lokalen Fussballfans ihre Antipoden in Zürich. Das begann 2001 mit der brüsken Annäherung von Novartis-Präsident Daniel Vasella an den Lokalrivalen, der heimlich eine 33-Prozent-Beteiligung an Roche aufbaute. Er stiess auf die entschiedene Abwehrhaltung der Roche-Besitzerfamilien und bis heute auch auf die von Roche-VR-Präsident Franz Humer.

Doch nun ist das Alphatier Vasella verschwunden, sein Intimfeind Humer wird im März 2014 abtreten. Und schon beginnt in Basel das Eis etwas zu schmelzen. Novartis-Verwaltungsrat Pierre Landolt sagte vor einer Woche, er stehe einer Fusion zwischen Novartis und Roche offen gegenüber. Am Dienstag die Replik von Severin Schwan. Der Roche-CEO ist offen für Gespräche mit Novartis.

Bereits wird da und dort über eine bevorstehende Fusion spekuliert. Doch gemach. Denn die Äusserungen von Schwan in der "Financial Times" sind höflich und unverbindlich. Viel mehr nicht. Zudem kommen die netten Worte aus dem Mund eines CEO. Diese haben hinsichtlich wichtiger Fusionen oder Zusammenschlüssen weit weniger Gewicht als Aussagen eines VR-Präsidenten oder von Vertretern der Besitzerfamilien. Die Roche-Pressestelle präzisierte im Lauf des Dienstags denn auch, dass mögliche Zusammenarbeitsformen mit Novartis bloss Einzelprojekte betreffen würden.

Eine Fusion steht in Basel also nicht zur Debatte. Schon wegen der Ausrichtung der Konzerne - hier der Forschungskonzern Roche, dort das Konglomerat Novartis - wäre dies nur schwer vorstellbar. Die Äusserungen könnten aber so gedeutet werden, dass bei der 33-Prozent-Beteiligung von Novartis ein Tauwetter einsetzt.

"Über das Roche-Paket entscheidet mein Nachfolger", sagte Vasella bereits im Jahr 2002. Nun könnte es soweit sein. Denn Novartis spürt den Druck der Aktionäre. Den Erlös des Aktienpakets, das gegen 14 Milliarden Franken wert ist, könnte Novartis zum Rückkauf eigener Aktien gebrauchen oder zur Ausschüttung einer Sonderdividende nutzen.

Eine weiterer Grund für den Verkauf des Pakets ist die Verschuldung von Novartis. Die Ratingagentur Moody's senkte Anfang Jahr das langfristige Rating von Novartis und bemängelte dabei vor allem die langsamer als erwartet verlaufende Entschuldung des Konzerns. Roche dagegen könnte mit dem Rückkauf der Beteiligung die Titel vernichten und den Gewinn verdichten.

Möglicherweise passiert aber auch gar nichts. Roche lebt mit Novartis als langfristigem Investor gut, und Novartis hat mit dem Roche-Paket eine Bankkonto-ähnliche Anlage, die im Jahr 3 Prozent Rendite abwirft.