Die grössten Fehler im Umgang mit Geld

Fehlendes Budget, törichte Spekulation, massloses Einkaufen: Jeder macht Fehler im Umgang mit Geld. cash nennt die zehn gröbsten Verstösse im Umgang mit dem wertvollsten Gut - und gibt nützliche Tipps.
04.09.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Im aktuellen Tiefzinsumfeld lohnt es sich kaum, viel Bargeld anzuhäufen.
Im aktuellen Tiefzinsumfeld lohnt es sich kaum, viel Bargeld anzuhäufen.
Bild: Bloomberg

1. «Ich brauche kein Budget»

Falsch. Der Überblick über Geld und Ausgaben ist wichtig. Dabei nützt ein Budget – und zwar ein ehrliches. Ein einfacher, aber wirkungsvoller Tipp: Während eines Monats mal strikt alle Ausgaben aufnotieren. Das tut manchem die Augen auf. Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) geben Schweizerinnen und Schweizer monatlich am meisten für Versicherungen und Krankenkassen aus. Der zweitgrösste Budgetposten sind die Wohnkosten. Hinzu kommen Aufwendungen für Essen, Mobilität oder Ausbildung. Nicht zu vergessen die variablen Ausgaben für Arztbesuche, Freizeit oder Handygebrauch. Merkblätter zur Budgeterstellung können hier heruntergeladen werden.

2. Auf Pump konsumieren und sich ins Elend manövrieren

Steht das Budget, muss es eingehalten werden. Wer stattdessen regelmässig über seine Verhältnisse lebt, gerät schnell in die Schuldenfalle. Besonders riskant ist das bei jungen Leuten. Laut dem Inkassounternehmen Intrum Justitia weisen 25- bis 29-Jährige mit Abstand das höchste und am stärksten zunehmende Verschuldungsrisiko auf. Hauptgrund dafür sind unbezahlte Steuerrechnungen, gefolgt von Konsumkrediten. Gerade bei den Steuern kann es sich lohnen, frühzeitig Geld an den Staat einzuzahlen, zum Beispiel mittels Dauerauftrag. Das gibt auch einen attraktiven Zins auf Vorauszahlungen. Hat man Mühe mit der Verwendung von Kreditkarten, bieten sich Prepaid-Kreditkarten an.

3. Aus Faulheit keine Vergleiche einholen

Ein sträfliches Verhalten. Ob Sparkonto, Krankenkasse oder Haftpflichtversicherung: Das Internet bietet viele Vergleichsportale. Mit wenig Zeitaufwand und den richtigen Adressen lässt sich viel Geld sparen. Comparis oder Bund bieten neben Vergleichsrechnern auch vorbereitete Kündigungsschreiben an. Krankenkassenvergleiche können auch bei cash.ch vorgenommen werden. Gerade im aktuellen Umfeld tiefer Zinsen lohnt sich auch ein Blick auf die Zinskonditionen von Schweizer Sparkonten. Die Unterschiede bei den verschiedenen Anbietern sind markant.

4. Kein Geld zur Seite legen

Die Ursünde aller Geldverachter. Sparen Sie lieber heute als morgen. Ein schöner Teil des Einkommens gehört auf die Seite - und zwar regelmässig und konsequent. Wer dafür zu wenig Disziplin aufbringt, dem bieten Banken Sparpläne oder Fondssparpläne an (per Dauerauftrag). Einige Banken bieten neuerdings auch das Rundungssparen an: Bei jedem Einkauf per Karte wird ein bestimmter Betrag automatisch aufgerundet und dem Sparkonto gutgeschrieben. Eine Alternative dazu sind Einzahlungen in die steuergünstige Säule 3a. Das Wichtigste beim Sparen: Keine grösseren Geldbeträge zu Hause aufbewahren.

5. Alles Geld bunkern

Auch wieder falsch. Das derzeitige Tiefzinsumfeld bringt den Sparern kaum Erträge. Wer Vermögen hat, ist gut beraten, dieses diversifiziert anzulegen. Dabei kommen momentan vor allem Aktieninvestments in Frage – allerdings mit einer dem Vermögen entsprechenden Strategie. Der Schweizer Aktienmarkt mit seinem defensiven Charakter bietet sich – zum Beispiel mittels ETF – auch für vorsichtige Anleger an. Grundsätzlich gilt: Finger weg von Produkten, die Sie nicht verstehen.

6. Auf riskante Anlagen setzen

Das kann böse enden. Denn hinter jeder fetten Rendite steckt ein erhöhtes Risiko. Bei Anlageentscheiden müssen deshalb immer Chancen und Gefahren gegeneinander abgewogen werden. Auch Glücksspiele und Casinos bringen zwar Nervenkitzel und Kick, langfristig aber Verluste. Das weiss jeder, der etwas von Wahrscheinlichkeitsrechnung versteht.

7. Die Steuererklärung vernachlässigen

Menschlich nachvollziehbar, aber wer schenkt dem Staat schon freiwillig Geld? Beim Ausfüllen der Steuererklärung müssen alle möglichen Abzüge geltend gemacht werden. So kann jeder pauschal 0,5 bis 3 Promille vom Nettovermögen für die Vermögensverwaltung abziehen. Weiter sind Pauschalabzüge für Weiterbildung, Kinderbetreuung, Versicherungsprämien oder Sozialabzüge möglich (hier finden Sie weitere Tipps zum Steuern sparen). Handkehrum: Wer Steuern hinterzieht, muss mit üblen Bussen rechnen.

8. Künftige Ausgaben unterschätzen

Gerade für Junge ist eine vorausschauende Finanzplanung wichtig. Die Vorsorgeeinrichtungen sind am Anschlag, kein 20-Jähriger weiss, wieviel ihm dereinst aus der AHV zur Verfügung steht. Ähnliches gilt für den Abschluss von Kreditverträgen: Die künftigen Kosten sollten im Zweifelsfall konservativ eingeplant werden. Wer eine Familie gründen will, sollte frühzeitig Geld für die Ausbildung der Kinder auf die Seite legen. Direkt und indirekt kostet ein Kind bis 20 Jahre die Eltern eine Million Franken, fehlende Erwerbs­einnahmen und der Marktwert von Familien­arbeit sind dabei eingerechnet. Direkte Ausgaben für ein Kind schlagen mit fast 200'000 Franken bis zur Volljährigkeit zu Buche.

9. Beratungsresistenz an den Tag legen

Immer alles alleine machen und selber beurteilen können? Falsch. Man vertraut oft dem Sanitär oder dem Automechaniker, in Geldfragen aber fühlt man sich als König. Das Honorar für einen unabhängigen Geldprofi ist in den meisten Fällen besser angelegt als Investments, die oft viel Geld kosten. Etwa Spekulantenaktien oder unnötige Lebensversicherungen.

10. Unbedarft einkaufen

Es sind zwar kleine Beträge, aber beim Einkaufen lauern überall Fallen. Unzählige überflüssige Produkte landen im Einkaufskorb. An der Kasse etwa, beim Anstehen, locken Süssigkeiten in Griffnähe von Kinderhänden (und Eltern). Kinder sind den Verlockungen der Läden sowieso gnadenlos ausgesetzt und fordern entsprechende Käufe. Bei Aktionen oder Vergünstigungen wird oft kopflos zugeschlagen: Dasselbe Produkt landet zwei-, drei- oder mehrfach im Einkaufswagen. Und bitte verpflegt einkaufen gehen! Wer hungrig einen Laden betritt, kauft mehr ein, als er braucht. Das belegen unzählige Studien. Also: Sich strikt an den vorgefertigen Einkaufszettel halten - und die Kinder wenn möglich zu Hause lassen...