Die unberechenbaren Benzinpreise

Die steigenden Ölpreise werden an der Zapfsäule unmittelbar weitergegeben. Bei sinkenden Preisen aber zögern die Tankstellen. Konsum-Experten geben Auskunft und Tipps, wie sich Autofahrer verhalten sollen.
20.02.2015 11:14
Von Ivo Ruch
Benzin ist in den letzten Monaten günstiger geworden.

Es ist ein Phänomen, das derzeit sehr gut beobachtet werden kann. Kaum steigt der Preis für Rohöl um einige Cent, passen die Tankstellen ihre Benzin- und Dieselpreise unverzüglich nach oben an. Das war in den letzten Wochen in der Stadt Zürich sehr gut feststellbar.

Sinken die Erdölpreise hingegen, verändern sich die Zahlen an der Zapfsäule erst mal nicht. Erst wenn die allgemeine Aufmerksamkeit genug gross ist und eine medial angetriebene Schnäppchenjagd losgeht, reagieren die Tankstellenbesitzer auf breiter Front.

Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz bestätigt die Beobachtung, dass Benzinpreise nach oben schnell, nach unten nur zögerlich weitergegeben werden: "Das ist sehr störend. Das korrekte Vorgehen aus unserer Sicht wäre: Die Preise nach oben und nach unten sofort anzupassen und über die Lagerhaltung auszugleichen."

Der Wettbewerb spielt

Die Preise für Rohöl sind im laufenden Jahr deutlich angestiegen. In den letzten vier Wochen beträgt die Wertsteigerung rund 24 Prozent. Ein möglicher Grund für diesen Anstieg sind Ausgabenkürzungen und Schliessungen von Bohrlöchern in der amerikanischen Ölindustrie. Dies nachdem sich die Preise im letzten Jahr beinahe halbiert hatten.

Kein Grund zum Eingreifen sieht hingegen der Preisüberwacher Stefan Meierhans. Er schreibt auf Anfrage von cash, dass der Wettbewerb im Benzin- und Dieselmarkt in der Schweiz spiele. "Da der Preisüberwacher gemäss Gesetz nur einschreiten kann, wenn die Preise nicht das Resultat von wirksamem Wettbewerb sind,  ist er auf diesem Markt nicht tätig", so Meierhans.

Die Preisgestaltung beim Benzin und Diesel liegt nicht gänzlich in der Hand der Tankstellen. Denn der Preis wird unter anderem auch durch den Spot-Markt in Rotterdam, den Wechselkurs des Dollars zum Franken und die Frachtkosten für den Transport auf dem Rhein bestimmt. Hinzu kommen staatliche Abgaben und schliesslich Vertriebskosten. So setzt sich der Preis für einen Liter Bleifrei 95 in der Schweiz laut Angaben der Erdölvereinigung folgendermassen zusammen: 61 Prozent für Abgaben, 28 Prozent für Einkauf und Fracht und 11 Prozent beträgt die Handelsspanne.

Preise vergleichen lohnt sich

Auch wenn der Handelsspielraum für Besitzer einer Zapfsäule nur einen kleinen Teil des Benzin- oder Dieselpreises ausmacht, so wird doch davon Gebrauch gemacht. Erkennbar ist das daran, dass sich die Preise regional stark unterscheiden, innerhalb einer Region aber häufig ähnliche Niveaus anzutreffen sind. Löhne und Mieten spielen in diesem Kontext eine wichtige Rolle. Im Tessin oder in ländlichen Regionen tankt man deshalb häufig am günstigsten, wie der Preisvergleich auf benzin-preis.ch oder tanktipp.ch zeigt.

Konsumentenschützerin Sara Stalder empfiehlt Autofahrern aus diesem Grund, dort zu tanken, wo der Preis am schnellsten angepasst wird. Und zwar auch dann, wenn der Tank noch halbvoll ist. Um Extrakilometer hin zu einer noch günstigeren Tankstelle zu vermeiden.