Digitalwährung - Die Gründe für den Bitcoin-Absturz

Bitcoin und andere Digitalwährungen haben massiv an Wert verloren. Mehrere Faktoren verdeutlichen: Der Markt ist sehr nervös.
17.01.2018 15:18
Von Ivo Ruch
Computercodes sind die Basis von Bitcoin und Co. Werden sie sich durchsetzen?
Computercodes sind die Basis von Bitcoin und Co. Werden sie sich durchsetzen?
Bild: Pixabay

Der Kurs von Bitcoin hat in den letzten 24 Stunden knapp 20 Prozent verloren und notierte am Mittwochnachmittag an der Börse Bitstamp erstmals seit Dezember wieder unter der psychologisch wichtigen Marke von 10'000 Dollar. Noch Mitte Dezember kratzte die älteste und bekannteste Internetwährung an der Marke von 20'000 Dollar. Der Ausverkauf dauert nun schon mehrere Tage und hat praktisch den gesamten Markt für Kryptowährungen erfasst.

Auffallend: Je tiefer der Wert eines Coins, desto grösser der Absturz. Ripple, Cardano, NEM oder Stellar – alles Währungen im Wert von weniger als einem Dollar – haben in den letzten 24 Stunden teils mehr als 20 Prozent eingebüsst.

Bitcoin-Kurs in den letzten acht Tagen (Quelle: cash.ch)

In der Vergangenheit konnten sich Cyber-Währungen jeweils relativ schnell von Kursrückschlägen erholen. "Doch diesmal scheinen Investoren vor der grössten Herausforderung zu stehen als je zuvor", sagte Timo Emden vom Online-Broker DailyFX zur Nachrichtenagentur Reuters. "Es herrscht eine Menge Panik am Markt", sagte Charles Hyter, Gründer des Branchendienstes Cryptocompare zu Reuters. "Die Leute versuchen, um jeden Preis aus Krypto-Währungen auszusteigen."

Derzeit sind es in erster Linie regulatorische Sorgen, die Krypto-Anleger aus dem Markt vertreiben. Anscheinend will China den hohen Stromverbrauch durch das Herstellen von Kryptowährungen eindämmen. In Südkorea wiederum sollen Investments in Bitcoin und Co. verboten werden. Mit einem Marktanteil von 12 Prozent gilt Südkorea mittlerweile als drittgrösster Handelsplatz.

Daneben dominieren aber immer noch Transaktionen in japanischem Yen (45 Prozent) und US-Dollar (32 Prozent) den Bitcoin-Markt. Es musss also noch weitere Gründe für die schlechte Stimmung unter den Investoren geben.

Sind Hedgefonds am Werk?

Das deutsche Onlineportal btc-echo.de schreibt, der Markt sei momentan in den Händen jener, die mit Bitcoin-Futures auf sinkende Kurse setzten. Seit dem 10. Dezember können an der Optionenbörse in Chicago Bitcoin-Futures gehandelt werden. Bisher zeige sich allerdings, dass vor allem Hedgefonds und grössere Investoren auf einen fallenden Bitcoin-Kurs wetten, wie das deutsche Handelsblatt jüngst berichtete.

Der Autor von btc-echo erkennt zudem ein "saisonales Muster": In China steht das Neujahrsfest bevor (Mitte Februar), weshalb viele Trader Gewinnmitnahmen realisierten. Schliesslich sei es in den letzten drei Jahren stets im Januar zu einem Kurstaucher bei Bitcoin gekommen. Sein Fazit: "Verfolgen wir die Kurse weiter, um bei einer Kurswende wieder zuschlagen zu können."

Buffett rechnet mit Crash

Andere Marktbeobachter sind weit weniger euphorisch. So fordert der Frankfurter Finanzprofessor Volker Brühl eine rasche Regulierung der Digitalwährungen. Denn durch die Einführung von Futures befürchtet er eine zunehmende Ansteckungsgefahr auf das klassische Finanzsystem. Auch der als Finanz-Guru bekannte Warren Buffett ist skeptisch: Er rechnet mittelfristig mit einem Bitcoin-Crash.

Die derzeitige Panikstimmung am Markt zeigt aber: Nationale Regeln und Grenzen sind das, was die Krypto-Anleger am wenigsten begrüssen und dem sie bewusst aus dem Weg gehen.

(mit Material von Reuters)