«Dividende steigt, wenn Gewinn steigt»

Eine Sonderdividende für die Zurich-Aktionäre scheint realistisch. Ist es Finanzchef George Quinns Plan, eine Sonderausschüttung durchzusetzen? Oder haben Investitionen Vorrang? Der Finanzchef im Gespräch mit cash.
21.05.2015 12:55
Interview: Marc Forster
George Quinn ist seit einen Jahr Chief Financial Officer der Zurich Group.
George Quinn ist seit einen Jahr Chief Financial Officer der Zurich Group.
Bild: ZVG

cash: Zurich spricht von der Möglichkeit einer Sonderdividende. Bei Swiss Re, wo Sie früher Finanzchef gewesen sind, galten sie als eine der treibenden Kräfte hinter Sonderdividenden. Gibt uns das einen Hinweis darauf, dass auch Zurich diesen Weg gehen wird?
 
George Quinn: Wir haben drei klare Prioritäten beim Kapital: Erstens ist es einer unserer zentralen Vorteile, dass wir eine starke Kapitalbasis haben. Das gibt den Investoren Vertrauen und Sicherheit bezüglich unserer bereits attraktiven regulären Dividende. Zweite Priorität ist Wachstum: Indem wir das Wachstum vorantreiben, stellen wir den ersten Punkt sicher und können die normale Dividende über die Zeit steigern. Wachstum kann organisch oder über Zukäufe erfolgen. Wenn wir nicht in der Lage sind, Überschusskapital zu generieren, werden wir uns den Aktionären zuwenden. In einer längerfristigen  Perspektive ergibt es absolut Sinn, bei den richtigen Gelegenheiten zu investieren, sonst aber die Mittel den Aktionären zufliessen zu lassen. So sind die Prioritäten, und an diesen Prinzipen orientieren wir uns.
 
Zurich ist bekannt dafür, eine starke reguläre Dividende zu bezahlen. Bei einer Ausschüttungsquote von 65 bis 70 Prozent – ist da noch Raum nach oben?
 
Die reguläre Dividende kann steigen, wenn der Gewinn steigt. Deswegen ist es so wichtig, dass wir mit dem Geschäft wachsen können.
 
Das Management behält das Eigenkapitalziel von 12 bis 14 Prozent bis Ende 2016 bei, weist aber auch auf den Gegenwind hin. Wie realistisch ist es bei all den möglichen Problemen, dass sie dahin gelangen?
 
Ereignisse, die ausserhalb unserer Kontrolle liegen, sind beispielsweise Naturkatastrophen oder eine grössere Korrektur an den Finanzmärkten. Unsere Annahmen gehen von einigermassen normalen Bedingungen aus. Bleiben die Voraussetzung also ähnlich wie im Moment, können wir das Eigenkapitalziel erreichen. Wir haben ja auch eine Bandbreite von 12 bis 14 Prozent angegeben, um über eine gewisse Flexibilität zu verfügen, wenn sich die Bedingungen verschlechtern. Wir glauben absolut daran, dass wir unsere Ziele bis 2016 erreichen können.
 
Tiefstzinsen und Negativzinsen prägen die Finanzmärkte, dazu die geldpolitische Lockerung und die Frage, wann diese eingeschränkt wird. Wie beschäftigt Sie das, sowohl bei der Unternehmensstrategie als auch als Finanzchef eines multinationalen Unternehmens?
 
Die Versicherungsbranche im allgemeinen würde natürlich gerne steigende Zinsen sehen, aber graduell, da wir einen inflationsbedingen Schock auch nicht wünschen - davon scheint aber heute auch niemand auszugehen. Im operativen Geschäft fokussieren wir auf die Zeichnung von Geschäft, in der Anlagenverwaltung konzentieren wir uns auf das Asset-Liability-Matching. Absolut gesehen sind die tiefen Zinsen ziemlich schmerzhaft, relativ gesehen ist Zurich aber sehr gut ausgerüstet, um diese Bedingungen zu meistern. Wenn man mit den Anlagen kein Geld machen kann, kommt es wirklich auf eine gekonnte Zeichnungspolitik an. Und dort, glaube ich, sind wir besonders stark.
 
Die Schwellenländer sind seit vielen Jahren ein Thema, und doch wird Zurich als Weltkonzern manchmal vorgeworfen, dort nicht schnell genug vorgedrungen zu sein. Wie antworten Sie auf diese Kritik?
 
Wer das sagt, übersieht die starke Position, die wir in einigen der wichtigsten Schwellenmärkten heute haben. Unser Joint-Venture mit Santander im weltweiten Leben-Geschäft ist ein Erfolg. Wer uns kritisiert, unterschätzt das Ausmass an Entscheidungen und Kapitalzuteilungen, die wir zugunsten der Schwellenländer gemacht haben.
 
Also mehr Kapitalzuteilung für Wachstum in den Schwellenländern?
 
Es muss strategisch passen. Der Markt muss die Produkte nachfragen, Vertriebswege müssen funktionieren. Und dann muss natürlich der Ertrag stimmen: Zurich ist finanziell unglaublich diszipliniert. Wir investieren nicht auf der Basis von spekulativen Annahmen über die Zukunft. Unsere Beurteilung ist sehr kritisch, wenn es um den Einsatz von Kapital geht, und wir sind vielleicht etwas vorsichtiger, als die Branche im Durchschnitt ist. Bisher ist uns das sehr zugute gekommen – das heisst ja nicht, dass wir auf Investments in den Schwellenländern verzichtet haben.
 
Schliesslich: Warum soll ein (Klein-)Anleger die Zurich-Aktie kaufen?
 
(lacht) Ich bin kein Kundenberater – aber ich würde einem Anleger erklären, warum wir für den Zurich-Konzern finanzielle Ziele gesetzt haben, wie wir sie erreichen und was für Fortschritte wir dabei gemacht haben. Ich würde die Dividendenpolitik erklären - gerade die Dividende ist ein wichtiger Punkt. Zurich ist ein sehr gut etablierter Name in der Schweiz, ein Unternehmen mit Stärken, die es auch vom Markt abheben. Aber die Anlageentscheidung ist letztlich natürlich jedem selbst überlassen.  
 

George Quinn ist seit Mai 2014 Finanzchef des Versicheres Zurich. Davor hatte er sieben Jahre als Finanzchef des Rückversichernungskonzerns Swiss Re amtiert. Quinn, Jahrgang 1966, stammt aus Schottland und begann seine Karriere in der Finanz- und Versicherungsbranche 1988 bei KPMG in London.