In einem Reuters vorliegenden vertraulichen Dokument kommt die EZB zu der vorläufigen Einschätzung, dass es «keinen Grund zur Ablehnung» der Kontroll-Übernahme der Italiener bei der Commerzbank gebe. UniCredit hatte sich mit einem Aktien-Tauschangebot überraschend 48 Prozent der Anteile an der Frankfurter Bank gesichert - trotz erbitterten Widerstands von deren Vorstand. Die EZB warnt in dem Dokument aber davor, dass ihr ein «herausfordernder und langwieriger» Integrationsprozess bevorstehe. Vor allem die deutsche Finanzaufsicht BaFin fordert von UniCredit eine Strategie, um das Vertrauen von Management, Mitarbeitern und Politik zurückzugewinnen.
Das als «vertraulich» gekennzeichnete Dokument war im Juni im Aufsichtsgremium der EZB besprochen worden, in dem Vertreter der Finanzaufsicht innerhalb der Notenbank und der nationalen Aufsichtsbehörden sitzen. Den Vorsitz dort hat die Deutsche Claudia Buch. Der Präsentation zufolge hatte UniCredit damals noch nicht alle nötigen Unterlagen eingereicht - inzwischen hat sie einem Insider zufolge Daten nachgereicht. Die endgültige Prüfung sei für September oder Oktober geplant. Grünes Licht der EZB gilt als die grösste Hürde, die UniCredit bei der Übernahme zu überwinden hat. Die Notenbank hat mehrfach bekräftigt, dass sie grenzüberschreitende Bankenfusionen für tauglich hält, den EU-Binnenmarkt zu stärken.
Sprecher von EZB, UniCredit und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wollten sich nicht zu den Informationen äussern.
In der Sitzung übte vor allem die BaFin Kritik an UniCredit, wie aus dem Dokument hervorgeht. Unter anderem ging es dabei um das «aggressive und teilweise intransparente» Verhalten der Italiener während des monatelangen Tauziehens um die Übernahme. Das als feindlich erachtete Vorgehen habe das Management der Commerzbank, ihre Belegschaft, Arbeitnehmervertreter und Politik befremdet. UniCredit brauche eine glaubwürdige Strategie, um dem entgegenzuwirken. Zudem monierten die Bonner Aufseher «bekannte Schwächen» innerhalb von UniCredit und forderten eine Stärkung des Verwaltungsrats.
Die EZB habe den Einschätzungen weitgehend zugestimmt. Sie rechtfertigten es aber nicht, die Transaktion zu untersagen. Schwierigkeiten bei der Integration der Commerzbank dürften nach Einschätzung der EZB deren Grösse und Komplexität verursachen, aber auch die kulturellen Unterschiede zwischen den beiden Banken und die Spannungen infolge des feindlichen Vorgehens. Daraus ergäben sich wesentliche Umsetzungsrisiken. Die Pläne von UniCredit seien gemessen daran noch zu wenig detailliert.
Die mangelnden internen Kontrollmechanismen seien von den Aufsehern in Italien bereits angesprochen worden. Seit der Amtsübernahme von Andrea Orcel 2021 hat UniCredit die Entscheidungsbefugnisse des Vorstandschefs bei Fusionen und Übernahmen deutlich ausgeweitet. Inzwischen fordert der Verwaltungsrat wieder häufigere Informationen, was Orcel für zeitraubend hält. Auch die von der BaFin angeprangerten Versäumnisse bei der deutschen UniCredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) bei der Bekämpfung von Geldwäsche würden bereits angegangen, erklärte die EZB.
(Reuters)

