Drohen den Sparern bald Negativzinsen?

Führt die Schweizerische Nationalbank Negativzinsen ein, würden Sparer womöglich zur Kasse gebeten. Wie cash von Banken erfuhr, liegen Pläne für dieses Szenario in der Schublade.
23.10.2014 01:00
Von Frédéric Papp
Auf Spareinlagen gibt's kaum mehr Zins.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in den letzten Wochen immer wieder mit dem Griff in den Giftschrank gedroht. SNB-Präsident Thomas Jordan bekräftigte schon mehrfach, dass man bereit sei, weitere Massnahmen, wie etwa negative Zinsen, zu ergreifen - falls notwendig.

Träfe dies tatsächlich ein, könnten Banken diese Negativzinsen auf ihre Sparkunden abwälzen. Ein Beispiel: Bei einem negativen Zinssatz von -0,1 Prozent müssten Anleger ihrer Bank bei einem Sparguthaben von 50'000 Franken 50 Franken pro Jahr an Zinsen zahlen.

Banken planen Negativzinsen ein

Die hiesigen Banken sind dafür gerüstet. "Wir beobachten die Situationen aufmerksam. Die Migros Bank ist auf allfällige negative Zinsen vorbereitet. Sollten die Referenzzinssätze im Kreditsortiment in den negativen Bereich fallen, gilt ein Referenzsatz von mindestens null Prozent", sagt Migros-Bank-Sprecher Urs Aeberli zu cash. Bei der Postfinance klingt es ähnlich: "Bei der Festlegung unserer Kundenzinssätze sind wir abhängig von der Entwicklung auf den Geld- und Kapitalmärkten", lässt Mediensprecher Johannes Möri ausrichten.

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) passte bereits Anfang 2013 ihre Bestimmungen für Privat-, Spar- und ZKB-Anlagesparkonten an. "Bei speziellen Marktverhältnissen könnte sich die Zürcher Kantonalbank gezwungen sehen, Negativzinsen einzuführen", heisst es. Unter speziellen Marktverhältnissen fallen laut der ZKB unter anderem die Einführung von Negativzinsen durch die Schweizerische Nationalbank, teilt die ZKB auf Anfrage von cash mit. 

Noch werden Negativzinsen von den angefragten Banken als wenig wahrscheinlich abgetan. Doch ein erster Schritt in diese Richtung ist bereits geschehen. Denn verschiedene Banken verlangen von ihren institutionellen Kunden wie Hedge Funds oder weltweit tätigen Grosskonzernen einen Strafzins, wie die Nachrichtenagentur AWP kürzlich berichtete.

Zu den Banken, die diese Praxis eingeführt haben, zählen laut dem Bericht die Bank of New York Mellon, Goldman Sachs und J.P. Morgan. Demnächst werde auch HSBC Kunden mit Euro-Einlagekonti von rund 10 Millionen Euro und mehr mit Negativzinsen belasten. Und: Die Credit Suisse habe ihren Kunden mitgeteilt, Kosten für Negativzinsen ebenfalls weiterzugeben.

Wirtschaftsentwicklung in Eurozone als Prüfstein

Der Auslöser für den Entscheid ist die Europäische Zentralbank (EZB). Diese hat im Juni beschlossen, Negativzinsen für Geschäftsbanken einzuführen, um das Wirtschaftswachstum in der Eurozone anzufachen – bisher ohne Erfolg. Gerade die Entwicklung des Wirtschaftswachstums in Europa wird zum Prüfstein für die Schweizerische Nationalbank (SNB). Denn findet Europa nicht auf den Wachstumspfad zurück, verliert der Euro das Vertrauen der Investoren. Die Folge wäre eine massive Flucht in sichere Währungen wie der Franken. Ein Test der Kursuntergrenze würde erneut Tatsache.

Dass die Skepsis gegenüber dem Euro wächst, hat sich in den letzten Wochen gezeigt. Der Franken nähert sich wieder bedrohlich dem Mindestkurs von 1,20 Franken an. Und gegenüber dem Dollar liess die Gemeinschaftswährung deutlich Federn – gut fünf Prozent beträgt der Wertverlust allein in den letzten drei Monaten. Devisenprofis befürchten gar eine Parität in den kommenden Jahren.

Was hätte der Anleger für Möglichkeiten, wenn Negativzinsen von Schweizer Banken tatsächlich eingeführt würden?

Horten unter dem Kopfkissen: Um den Negativzins zu umgehen, kann der Sparer seine Gelder in der Regel ohne strikte Begrenzungen abheben. Im Falle der ZKB gilt: Im unwahrscheinlichen Falle der Einführung einer Negativverzinsung auf Kontoguthaben würde die Zürcher Kantonalbank auf Rückzugslimiten verzichten. Und die Postfinance lässt ausrichten: "Im höchst unwahrscheinlichen Fall, dass Postfinance Negativzinsen einführen würde, würden wir unseren Kundinnen und Kunden selbstverständlich eine kulante Lösung präsentieren."

Allerdings ist auch Bargeld nicht gratis. Für die Lagerung des Geldes in einem Bankschliessfach fallen ebenfalls kosten an. Auch das Horten unter dem Kopfkissen ist zumindest dann nicht kostenfrei, wenn man die höhere Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls mit einrechnet.

Bank wechseln: Wenn nicht alle Banken auf Negativzinsen umstellen, ist die Umverteilung der Gelder auf diejenigen Banken, die keine Negativzinsen in Rechnung stellen, sinnvoll.

Umschichtung in andere Anlageklassen: Eine Umschichtung der Spargelder auf andere Anlageformen wie Aktien ist eine mögliche Antwort auf Negativzinsen. Dabei sind defensive Aktien oder mit einer konstanten und ansprechenden Dividendenrendite zu empfehlen. Allerdings ist dabei der Anleger den Kursschwankungen an der Börse ausgesetzt und kann unter Umständen viel Geld verlieren.