Ein Urteil ‌gegen ⁠den 77-jährigen Pierre Mirabaud vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona wird ⁠noch am Dienstag erwartet, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. Die Bundesanwaltschaft wirft Mirabaud vor, ‌zwischen 2000 und 2012 insgesamt 82,3 Millionen Franken ‌an einen kuwaitischen Regierungsbeamten gezahlt zu ​haben. Im Gegenzug habe die Genfer Bank Aufträge im Volumen von 595,2 Millionen Dollar erhalten.

Die Bundesanwaltschaft fordert eine Bewährungsstrafe von 24 Monaten. Sie verwies dabei auf das Alter des Angeklagten, dessen Unbescholtenheit sowie ‌seine Kooperation mit den Ermittlern. In der Schweiz werden Haftstrafen in der Regel zur Bewährung ausgesetzt, wenn keine Wiederholungsgefahr besteht.

Mirabaud war von 2003 ​bis 2009 Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung. Er zog ​sich 2009 aus der Bank zurück ​und war bis 2012 als Berater tätig. Sein Anwalt lehnte vorerst eine Stellungnahme ab. ‌Die Bank Mirabaud, die nicht Partei in dem Verfahren ist, wollte sich ebenfalls nicht äussern. Der inzwischen verstorbene kuwaitische Beamte war in Abwesenheit ​in Kuwait ​wegen Korruption und Veruntreuung ⁠öffentlicher Gelder verurteilt worden.

Die 1819 in Genf gegründete ​Bank Mirabaud gehört ⁠zu den ältesten Privatbanken der Schweiz. Die Finanzmarktaufsicht Finma hatte 2024 wegen ‌Verstössen gegen das Geldwäschegesetz unrechtmässig erzielte Gewinne in Höhe von 12,7 Millionen Franken von dem Institut eingezogen. Die Finma-Untersuchung ‌betraf Geschäftsbeziehungen, die zeitweise fast zehn Prozent des verwalteten ​Vermögens der Bank ausmachten.

(Reuters)