Ein beispielloser, milliardenschwerer Öl-Deal zwischen den USA und Venezuela soll der Regierung in Washington die Kontrolle über ein Fünftel der venezolanischen Rohölreserven sichern. Das jüngste Abkommen löst bei Energieexperten und Juristen jedoch erhebliche Bedenken hinsichtlich seiner Rechtmässigkeit und Transparenz aus. Im Kern geht es um gewaltige 65 Milliarden Barrel förderbares Öl – eine Menge, die sogar die gesamten nachgewiesenen Ölreserven der USA von 46 Milliarden Barrel übersteigt. US-Präsident Donald Trump hatte den Deal am Freitag verkündet und die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodriguez hatte ihn bestätigt.
Den Ankündigungen zufolge soll der Pakt eine Laufzeit von mindestens 25 Jahren haben. Er soll Venezuela Investitionen von 100 Milliarden Dollar sowie 209,3 Milliarden Dollar an Lizenzgebühren und Steuern sichern. Pro gefördertem Barrel würden demnach rund 19 Dollar in Venezuela verbleiben. Die USA sollen einen Anteil von 55 Prozent an der Partnerschaft halten. Für Trump kommt der Deal zu einem strategisch günstigen Zeitpunkt: Angesichts steigender Benzinpreise infolge des Iran-Kriegs sollen die neuen Fässer aus Venezuela helfen, die strategische Ölreserve der USA wieder aufzufüllen. Diese war zuletzt auf den tiefsten Stand seit 44 Jahren gefallen.
Kritik an mangelnder Transparenz
Die Verhandlungen über das Abkommen fanden im Geheimen und ohne Ausschreibung statt. Dies sorgt für massive Kritik. «Wenn das Ziel war, das Investitionsrisiko in Venezuela zu verringern, könnten die USA mit dieser Transaktion genau das Gegenteil bewirken: Sie schwächen den bereits fragilen institutionellen Rahmen des Landes weiter», sagte Luisa Palacios vom Zentrum für globale Energiepolitik der Columbia Universität in New York. Juristen äussern zudem Zweifel an der Rechtmässigkeit. «Obwohl das Abkommen von den USA formell anerkannt wird, kann es künftig vor Gericht angefochten werden», erklärte Juan Carlos Apitz, Dekan der juristischen Fakultät der Zentraluniversität von Venezuela. Besonders heikel ist, dass die USA und nicht Venezuela die Betreiberfirmen für die Ölfelder auswählen sollen.
Auch die finanziellen Konditionen werfen Fragen auf. «Die von der Übergangsregierung angekündigten Steuereinnahmen sind unglaublich niedrig», kritisierte Francisco Monaldi vom Baker Institute der Rice University. Er monierte die mangelnde Transparenz der venezolanischen Ölpolitik, die seit der Festnahme von Präsident Nicolas Maduro im Januar unter US-Aufsicht steht. Während Trump von einer «Partnerschaft mit Privatunternehmen» sprach, ist unklar, welche Firmen beteiligt sein werden. Einem Bericht der «New York Times» zufolge soll die Firma North American Blue Energy Partners (Nabep) eine Rolle spielen. Das Unternehmen wird von dem umstrittenen venezolanischen Investor Alejandro Betancourt geführt und agierte als Brücke zwischen Caracas und Washington. Weder das US-Energieministerium noch der venezolanische Staatskonzern PDVSA oder das Ölministerium in Caracas äusserten sich dazu.
Technische Hürden
Technisch gesehen stammen die 65 Milliarden Barrel Öl aus 17 Ölfeldern. Die meisten Reserven lagern in acht grossen Blöcken im riesigen Orinoco-Gürtel, der wichtigsten Förderregion Venezuelas. Die restlichen Vorkommen befinden sich im Maracaibo-See. Die Berechnung der Reserven basiert auf einer Förderquote von 20 Prozent. Diese gilt zwar als technisch machbar, aber bislang auch als unerreicht. Experten gehen davon aus, dass das vollständige Ausbeuten der Felder mehr als 25 Jahre dauern wird.
Der Vorteil für die USA liegt in der Mischung aus bereits erschlossenen und neuen Feldern. Dies ermöglicht es, die exportfähige Produktion sofort zu steigern, während parallel die Infrastruktur repariert und das Erschliessen der Schwerstöl-Vorkommen im Orinoco-Gürtel vorangetrieben wird.
(Reuters)

