Einstige Novartis-Tochter - Alcon setzt mit der Dividendenzahlung ein wichtiges Zeichen

Alcon wird den Erwartungen im Schlussquartal nur knapp gerecht. Das in der Augenheilkunde tätige Unternehmen will den Aktionären künftig aber wieder eine Dividende auszahlen. Die Börse reagiert dennoch unterkühlt.
24.02.2021 11:20
Von Lorenz Burkhalter
Der Augenheilmittelhersteller Alcon gehörte einst zu Novartis.
Der Augenheilmittelhersteller Alcon gehörte einst zu Novartis.
Bild: Bloomberg

Die Erwartungen an das Jahresergebnis von Alcon waren hoch. So hoch, dass die ehemalige Novartis-Tochter trotz einem Schlussspurt im vierten Quartal an den Expertenschätzungen vorbeischrammt – wenn auch nur knapp.

Mit einem operativen Kerngewinn (EBIT) in Höhe von 790 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 6,76 Milliarden Dollar liegt das Dienstagnacht veröffentlichte Jahresergebnis über den von Analysten erwarteten 800 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 6,78 Milliarden Dollar.

Der eigentliche Lichtblick – so sind sich die Experten einig – ist aber sowieso die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung. Das Unternehmen will den Aktionären fürs vergangene Jahr 10 Cents je Aktie ausschütten. Das ist zwar nicht viel. Und dennoch setzt Alcon damit ein Zeichen. Denn viele Analysten waren bis zuletzt von einem erneuten Dividendenverzicht ausgegangen.

Nächster Stop der Investorentag

Allerdings räumen die Anleger dem Zahlenkranz ein ungleich grösseres Gewicht als der Dividende ein. Nur so lässt sich erklären, weshalb die Alcon-Aktie nach einem frühen Rücksetzer auf 61,70 Franken zur Stunde noch 2,1 Prozent auf 63,44 Franken verliert.

Die UBS schlägt gewohnt positive Töne an, was nicht zuletzt auch der Kaufempfehlung für die Aktie mit einem 12-Monats-Kursziel von 67 Franken zu verdanken sein könnte. Der Umsatz sei im vierten Quartal um 3 Prozent höher als erwartet ausgefallen, der operative Kerngewinn hingegen immerhin im Rahmen der Erwartungen, so hält die Grossbank fest. Sie verweist nun auf den Investorentag vom März und erhofft sich davon wichtige neue Erkenntnisse.

Die Berenberg Bank erklärt sich die etwas schwächer als erwartet ausgefallene Margenentwicklung mit steigenden Investitionen in die Forschung und Entwicklung. Sie zeigt sich davon nicht sonderlich beunruhigt und rät ebenfalls mit "Buy" zum Kauf der Aktie. Das Kursziel lautet gar 70 Franken.

Auch dass Alcon vorerst auf konkrete Vorgaben für das laufende Jahr verzichtet, lässt den Banken keine grauen Haare wachsen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs liegt mit ihren diesjährigen Umsatzschätzungen um 4 Prozent, bei den Schätzungen für den operativen Kerngewinn (EBIT) gar um 10 Prozent über den durchschnittlichen Erwartungen anderer Banken. Goldman Sachs stuft die Aktie mit "Buy" und einem 12-Monats-Kursziel von 68 Franken ein.

Pessimistische Banken zusehends in Erklärungsnot

J.P. Morgan zufolge ist die Geschäftsentwicklung im Schlussquartal gut, aber nicht überragend. Die US-Investmentbank bleibt deshalb bei "Neutral" mit einem Kursziel von 61 Franken.

Keine 24 Stunden vor der Ergebnisveröffentlichung bekräftigte die Société Générale zwar ihre Verkaufsempfehlung für die Alcon-Aktie, erhöhte das 12-Monats-Kursziel allerdings auf 62 (zuvor 45) Franken (der cash Insider berichtete). Die französische Grossbank ist neben der Citigroup eine von drei Banken, welche die Aktie negativ beurteilen. Das tiefste Kursziel hat mit 48 Franken Kepler Cheuvreux ausstehend.

Beobachter wähnen diese Banken angesichts der soliden Geschäftsentwicklung im Schlussquartal zusehends in Erklärungsnot. Obwohl der Kurs der Alcon-Aktie zuletzt etwas vom Rekordhoch von Anfang Februar bei 69,10 Franken zurückgefallen ist, errechnet sich seit Jahresbeginn noch immer ein stolzes Plus von fast 10 Prozent.