Wenn John Ternus diese Woche CEO von Apple wird, steht er vor einer grossen Herausforderung. Er muss das Top-Management umbauen. Dieses Führungsteam hat die Firmenkultur über Jahrzehnte geprägt. 

Ausserdem bleibt ihm wenig Zeit bis zu den Produktvorstellungen im Herbst. Das diesjährige Portfolio enthält ehrgeizige Geräte. Dies und die Personalbesetzung sind entscheidend für Apples wichtigste Frage: Wie setzt das Unternehmen seinen jahrzehntelangen Erfolg im Zeitalter der künstlichen Intelligenz fort?

Erfahrung im Hardware-Bereich, Ausbau des Management-Teams

Apple ist im Herzen ein Geräte-Hersteller. Als Tim Cook vor 15 Jahren die Führung von Steve Jobs übernahm, erbte er ein Top-Management. Die Führungskräfte waren Jobs treu ergeben und standen mitten im Berufsleben.

Damals gab es Skepsis gegenüber Cook. Er war ein Experte für das operative Geschäft und folgte auf einen Produktvisionär. Doch Cook steuerte das Unternehmen sicher durch die ersten Jahre und hielt die Schlüsselpersonen an Bord. Bob Mansfield, Leiter der Hardware-Entwicklung, wollte 2012 in den Ruhestand. Er liess sich zum Bleiben überreden und arbeitete bis etwa 2020 für Apple.

Cook hielt auch den Design-Guru Jony Ive bis etwa 2015 in Vollzeit. So konnte Ive die erste Apple Watch fertigstellen. Danach einigten sich die beiden auf eine reduziertere Rolle als «Chief Design Officer» bis 2019. Damit wollte Apple auch die Wall Street beruhigen.

Es gab auch Rückschläge. Der Leiter des Detailhandels, John Browett, hielt sich 2012 nur sechs Monate. Seine Nachfolgerin Angela Ahrendts verliess das Unternehmen 2019. Zudem trennte sich Cook 2012 von iOS-Schöpfer Scott Forstall. Dennoch blieb das Top-Management während Cooks 15 Jahren an der Spitze weitgehend stabil — bis vor Kurzem.

Der Generationenwechsel begann 2024. Cook wusste damals, dass vier Top-Kader in den Ruhestand treten wollten: er selbst als CEO, der COO, der Finanzchef und die Chefjuristin. Alle gleichzeitig abtreten zu lassen, hätte Unruhe unter Aktionären und Personal gestiftet. Ein Etappenplan musste her.

Der langjährige Finanzchef Luca Maestri trat Ende 2024 zurück. Er steht offiziell noch auf der Lohnliste und betreut Bereiche wie Immobilien und IT. Im Tagesgeschäft ist Maestri jedoch nicht mehr aktiv. Laut Angestellten kommt er selten öfter als einmal pro Woche ins Büro.

Ende 2025 folgte Chief Operating Officer Jeff Williams. Er verantwortete das operative Geschäft, das Gesundheitsressort, das Design, AppleCare und weitere Einheiten. Kurz darauf wurden weitere Abgänge bekannt: Chefjuristin Kate Adams und Umweltchefin Lisa Jackson traten zurück.

Der letzte Schritt folgt nun am 1. September. Cook wird Exekutivratspräsident (Executive Chairman). Das Tagesgeschäft übergibt er an seinen Nachfolger Ternus.

Einige Schlüsselpositionen wie Finanzchef, COO und Chefjuristin sind neu besetzt. Dennoch muss Ternus die Organisation rascher umbauen als Cook damals. Viele Manager von Cooks Team blieben bis weit über 60 im Unternehmen.

In den nächsten drei Jahren muss Ternus voraussichtlich die Spitzenpositionen für Hardware, Marketing, Detailhandel und Personal neu besetzen. Zudem dürfte Ternus wichtige Stellvertreter mit mehr Verantwortung ausstatten.

Aufholjagd bei künstlicher Intelligenz

Die grösste Unsicherheit betrifft Apples Rückstand bei der künstlichen Intelligenz. Das Unternehmen entwickelte eigene Sprachmodelle, scheiterte jedoch bei der ersten Version von Apple Intelligence. Cook wechselte daraufhin die KI-Führung aus.

Letztes Jahr begann Apple, Siri mit Technologie von Googles Gemini neu aufzubauen. Dies verärgerte eigene Entwickler, worauf einige kündigten. Im September folgt ein wichtiger Test mit dem Start der neuen Siri-KI. Wegen der hohen Betriebskosten will Apple das Angebot später kostenpflichtig machen oder Dritthersteller-Apps einbinden. Erste Bewertungen der neuen Siri fielen positiv aus.

Ternus will KI auch für interne Abläufe nutzen. Als Hardware-Chef führte er eine KI-Plattform zur Beschleunigung der Produktentwicklung ein. Zudem soll KI die Produkte nützlicher machen. Neue Versionen von Apple TV und HomePod mini sind geplant. Verzögerungen bei Kamera-AirPods und Heimgeräten lagen an Software-Mängeln. Die neue Siri soll dies beheben.

Es bleibt unklar, welche KI-Geräte sich durchsetzen. Kameras in den neuen AirPods und Sicherheitsgeräten zeichnen deshalb keine Videos auf. Sie senden nur Daten an KI-Systeme zur Umgebungsanalyse.

Diese Führungskräfte stehen vor dem Wechsel:

Deirdre O’Brien (Senior Vice President Retail und People): O’Brien (60) ist eine enge Vertraute Cooks. Sie brachte das Detailhandelsgeschäft nach der holprigen Ära von Angela Ahrendts wieder auf Kurs. Zudem führt sie die Personalabteilung. Nach fast vier Jahrzehnten bei Apple dürfte ihr Rücktritt in den nächsten drei Jahren bevorstehen. Im Detailhandel baut sie Vanessa Trigub als Nachfolgerin auf. Für den Personalbereich sucht Apple womöglich wieder extern oder prüft interne Kräfte wie Cynthia Bowman.

Johny Srouji (Chief Hardware Officer): Ein zentraler Abgang zeichnet sich bei Srouji (61) ab. Der Hardware-Chef dachte bereits letztes Jahr an Rücktritt. Er blieb, um die Übergabe an Ternus zu unterstützen. Kenner erwarten, dass er in ein bis zwei Jahren geht. Srouji wollte den Wechsel von Intel-Chips zu eigenen Mac-Prozessoren abschliessen. Dieses Projekt ist beendet. Auch der Umstieg auf eigene Modems steht kurz vor dem Abschluss. Damit fehlen Srouji neue grosse Herausforderungen. Nach seinem Abgang dürfte Apple die Hardware-Sparte wieder in Entwicklung und Technologien aufteilen. Tom Marieb könnte das Engineering übernehmen, während Sri Santhanam oder Zongjian Chen den Technologiebereich leiten könnten.

Greg Joswiak (Senior Vice President Marketing): «Joz» (62) arbeitet seit 40 Jahren bei Apple und ist mit Ternus befreundet. Dennoch wird sein Rücktritt in den nächsten Jahren erwartet. Als Nachfolgerinnen gelten Lilian Rincon (KI-Marketing) und Kaiann Drance (iPhone-Marketing). Die eigentliche Nummer zwei, Bob Borchers, gilt wegen seines Alters eher als Übergangslösung.

Luca Maestri (Vice President Corporate Services): Wenn Maestri (62) definitiv geht, müssen seine verbliebenen Bereiche (Immobilien, IT-Sicherheit) neu verteilt werden. Vermutlich übernimmt Finanzchef Kevan Parekh diese Aufgaben.

Grössere Rollen im Ternus-Zeitalter

Dienstleistungschef Eddy Cue, Finanzchef Kevan Parekh und COO Sabih Khan erhalten unter Ternus noch mehr Gewicht. Auch sie bereiten ihre Nachfolge vor:

Kevan Parekh (Finanzchef, 54): Er dürfte noch mindestens zehn Jahre im Amt bleiben. Als künftige Nachfolgerin bringt sich Asha Kamath in Stellung, die neu die Finanzplanung leitet.

Sabih Khan (COO, 59): Seine Stellvertreterin Priya Balasubramaniam dürfte zur Senior Vice President aufsteigen und langfristig als COO nachfolgen.

Eddy Cue (Senior Vice President Services, 61): Cue führt Unterhaltung, Musik und Sport. Sein Bereich dürfte bei einem Abgang aufgeteilt werden. Wichtige Kandidaten für Führungssportfolios sind Oliver Schusser und Adrian Perica.

(Bloomberg/cash)