Energietechnik - Warum ABB mit einem Börsengang der E-Mobilitätssparte liebäugelt

ABB-Chef Björn Rosengren bringt einen Börsengang des Geschäfts mit Ladetechnik für Elektroautos ins Spiel. Sowohl das Unternehmen als auch Anleger könnten von diesem Schritt profitieren.
27.04.2021 11:10
Von Manuel Boeck
Elektrisch betriebener BMW i3 mit ABB-Logo in Zürich-Oerlikon.
Elektrisch betriebener BMW i3 mit ABB-Logo in Zürich-Oerlikon.
Bild: cash/fsc

Der Elektronikkonzern ABB setzt schon länger auf den Trend zur E-Mobilität und stellt Schnellladestationen für Autos und Busse her. Im Dezember wurden beispielsweise neue Details zum neuen E-Mobility-Entwicklungszentrum im niederländischen Delft bekannt. Dort sollen künftig 120 Mitarbeiter neue Lösungen der nächsten Generation für Ladeinfrastruktur entwickeln.

Der Standort in der Niederlanden kommt nicht von ungefähr: Als ABB Pläne für Lade-Produkte fasste, übernahm der Konzern 2011 das Startup Epyon, aus dem dann die Abteilung entstand. Epyon wurde selbst von ehemaligen Studierenden der Technischen Universität Delft gegründet.

Vor knapp drei Wochen wurde zudem bekannt, dass ABB und Amazon Web Services (AWS) gemeinsam Cloudlösungen für das Echtzeitmanagement von Elektrofahrzeugflotten entwickeln wollen. Die Lösung soll die effiziente Nutzung von Elektrofahrzeugen optimieren, die Elektrifizierung von Fuhrparks beschleunigen und es Betreibern weltweit ermöglichen, ohne Beeinträchtigung des Geschäftsbetriebs auf Elektromobilität umzustellen.

Mit den Quartalszahlen am Dienstag wird deutlich, dass ABB den Bereich E-Mobilität deutlich ausbauen will. Denn die Sparte wäre mit einem im konzerninternen Vergleich bescheidenen Umsatz von 220 Millionen Dollar wohl ohne neue strategische Ausrichtung nicht ausgegliedert worden. Sie solle auch eine eigene rechtliche Einheit werden, wie ABB-Chef Björn Rosengren am Dienstag bei der Vorlage der Quartalszahlen bekannt gab. 

Wachstum auch durch Zukäufe

Aus den Quartalszahlen wird zwar nicht deutlich, wie stark die Sparte E-Mobilität gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist. Die Nachfrage wurde einzig als "hoch" ausgewiesen. Die Division "Electrifictation", unter der die E-Mobilitätssparte aufgeführt wird, hat im ersten Quartal 13 Prozent mehr Aufträge erhalten als im Vorjahr – der Umsatz ist um 13 Prozent gewachsen. 

Die Analysten der Grossbank Barclays schätzen aber, dass die Sparte E-Mobilität seit 2016 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 50 Prozent erreicht hat. Dabei entfallen 55 Prozent der Verkäufe auf Europa und 30 Prozent auf Amerika. Und das starke Wachstum soll in Zukunft auch über Zukäufe weiter angetrieben werden, wie Rosengren am Dienstag sagte. "Der Bereich E-Mobilität wird in den nächsten 5-10 Jahren stark wachsen."

Was am Dienstag vor allem Aufsehen erregt hat, ist die Ankündigung, dass mit der Ausgliederung die Grundlage für eine eigenständige Börsennotierung geschaffen würde. ABB-Chef Björn Rosengren sagte am Dienstag bei der Vorlage der Quartalszahlen jedoch, dass noch kein Datum für einen möglichen Börsengang des E-Mobilitäts-Geschäfts feststehe. Ebenso wolle ABB die Kontrolle über das Geschäft nicht abgeben.

Warum Rosengren ein IPO planen könnte

Wird der Unternehmensteil in eine Beteiligung umgewandelt, so fliesst dem Unternehmen kurzfristig Kapital zu. Entsprechend hat der sogenannte Spin-Off auch den Charakter eines Finanzierungsinstruments.

"Die Ankündigung unterstreicht den Fokus des neues ABB-CEO auf die Maximierung des Portfoliowertes", heisst es dementsprechend beim Broker Liberum. Über den möglichen Wert der neu geschaffenen Einheit hüllte sich Rosengren in Schweigen.

Aber auch für Anleger ergeben sich Vorteile: Kapitalgeber haben die Sicherheit, dass ihre Finanzmittel tatsächlich komplett in den neuen, innovativen Ableger fliessen. Die neue ABB-Mobilitäts-Aktie würde an der Börse mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine grosse Nachfrage treffen. Das ETF "Xtrackers Future Mobility" hat beispielsweise seit Jahresbeginn bereits 15 Prozent an Wert gewonnen.

 

 
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