Enttäuschendes BörsendebütGrossbanken eilen der Aktie von Landis+Gyr zu Hilfe

Nach dem enttäuschenden Börsengang von Landis+Gyr empfehlen die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse der Aktie des Stromzählerherstellers zum Kauf. Andere Experten sind zurückhaltender.
31.08.2017 08:31
Von Lorenz Burkhalter
Landis+Gyr gingen am 21. Juli an die Schweizer Börse.
Landis+Gyr gingen am 21. Juli an die Schweizer Börse.
Bild: Keystone

Eigentlich hatte der Börsengang von Landis+Gyr vor wenigen Wochen alle für einen Erfolg notwendigen Zutaten. Das Unternehmen verfügte schon zu diesem Zeitpunkt über eine traditionsreiche Firmengeschichte und ist in zukunftsträchtigen Wachstumsmärkten tätig.

Doch es sollte alles ganz anders kommen: Schon am ersten Handelstag fiel die Aktie des Innerschweizer Stromzählerproduzenten vorübergehend unter den Ausgabepreis von 78 Franken. Seither bröckelt der Aktienkurs vor sich hin. Gestern Mittwoch tauchte er bei 72,15 Franken vorübergehend sogar auf den tiefsten Stand seit dem Börsendebüt.

Da kommt den mit dem Börsengang betrauten Banken der Ablauf der Sperrfrist für Aktien-Research gerade recht. Die federführende UBS nimmt am Donnerstag die Erstabdeckung der Landis+Gyr-Aktie mit einer Kaufempfehlung und einem 12-Monats-Kursziel von 90 Franken auf.

Kursentwicklung der Landis+Gyr-Aktie seit dem Börsengang im Juli (Quelle: www.cash.ch)

Mit mehr als 300 Millionen installierten Geräten - davon entfallen gut 60 Millionen Geräte auf intelligente Stromnetze (Smart Grids) - nehme das Unternehmen eine führende Stellung ein, so schreibt der für die Grossbank tätige Analyst. Die Zukunftsaussichten schätzt er vielversprechend ein und prognostiziert über die nächsten fünf Jahre einen jährlich um 6 Prozent höheren Umsatz und sogar einen um 19 Prozent höheren Gewinn je Aktie.

Haben sich die beiden Grossbanken abgesprochen?

Dank der grundsoliden Bilanz geht der UBS-Analyst bei Landis+Gyr zudem von einer attraktiven Ausschüttungspolitik aus. Mit 3,3 Prozent liegt die rechnerische Dividendenrendite heute schon über dem Branchendurchschnitt von 2,2 Prozent. Schon im Vorfeld des Börsengangs liess das Unternehmen selber durchblicken, dass es die Aktionäre mit hohen Ausschüttungen beglücken wolle.

Auch der Berufskollege von der Credit Suisse äussert sich am Donnerstag erstmals zu Wort und nimmt die Abdeckung der Landis+Gyr-Aktie mit "Outperform" auf, was ebenfalls einer Kaufempfehlung entspricht. Bekannt kommt dem Leser der Unternehmensstudie auch das 90 Franken lautende Kursziel vor.

Die Argumente der Credit Suisse decken sich mehr oder weniger mit jenen der UBS. Man könnte den Verdacht bekommen, die beiden Schweizer Grossbanken hätten sich abgesprochen.

Interessant ist, dass mit Morgan Stanley die zweite beim Börsengang federführende Bank die Aktie deutlich vorsichtiger einschätzt. Der für die amerikanische Investmentbank tätige Analyst nimmt die Abdeckung mit Equal-weight und einem Kursziel von 76 Franken auf. Die guten Wachstums- und Dividendenaussichten hält er für weitestgehend eingepreist. Sein Berufskollege von J.P. Morgan rät ebenfalls an der Seitenlinie zu verharren und auf günstigere Einstiegsgelegenheiten zu warten.

Die Kennzahlen auf einen Blick:

 

2017/18

2018/19

Kurs-Gewinn-Verhältnis

18,2

15,4

Dividendenrendite

3,3 Prozent

3,7 Prozent

Umsatzwachstum

5,5 Prozent

3 Prozent

Operative Marge (EBIT)

10 Prozent

9,7 Prozent

(Quelle: UBS Investmentbank, Schätzungen)

Hochkarätig bleibt das Grossaktionariat von Landis+Gyr. Neben dem bekannten Medizinaltechnikpionier und Grossinvestor Rudolf Maag mit 10,17 Prozent der Stimmen, halten auch der norwegische Staatsfonds mit 4,97 Prozent sowie das Fondsmanagement der UBS mit 3,65 Prozent substanzielle Beteiligungen. Nur zu einem kurzen Gastspiel kam es seitens des amerikanischen Hedgefonds-Milliardärs Dan Och kurz nach dem Börsengang. Die Aktienkursentwicklung der letzten Wochen zeigt allerdings, dass auch bekannte Mitaktionäre kein Erfolgsgarant sind.