Erfolgreiches Börsendebut - Drei Überraschungen im Idorsia-Aktionariat

Die Publikumsöffnung des Pharmaherstellers Idorsia ist geglückt. Offenlegungsmeldungen an die Schweizer Börse SIX verraten nun Interessantes über die Aktionärsstruktur des Actelion-Spinoffs.
22.06.2017 08:32
Von Lorenz Burkhalter
Der Idorsia-Firmensitz in Allschwil BL am Tag des Börsengangs (16.6.2017).
Der Idorsia-Firmensitz in Allschwil BL am Tag des Börsengangs (16.6.2017).
Bild: Twitter/@Idorsia

Der Einstand von Idorsia an der Schweizer Börse SIX kann sich sehen lassen. Kostete die Aktie der verselbständigten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von Actelion am Freitag zu Handelsbeginn noch 10 Franken, müssen Anleger mittlerweile mehr als 15,30 Franken hinblättern.

Erste Beteiligungsmeldungen an die SIX bieten nun interessante Einblicke in die Aktionärsstruktur des noch unrentablen Pharmaherstellers aus dem Baselbiet. Beobachtern zufolge sind die Meldungen gleich in dreifacher Hinsicht für eine Überraschung gut.

Gründerehepaar mit Raum für Zukäufe

Die wohl wichtigste Erkenntnis ist, dass Actelion-Gründer Jean-Paul Clozel nach der Publikumsöffnung gerademal 4,27 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Seine Frau Martine und er haben Grosses mit Idorsia vor, wollen sie das Unternehmen doch innerhalb weniger Jahre zur nächsten Actelion heranwachsen lassen.

Die Idorsia-Aktie hat sich in den letzten Tagen um 15 Franken herum eingependelt (Quelle: www.cash.ch)

Finanziellen Spielraum für einen Ausbau ihres Aktienpakets hätten die Clozels jedenfalls mehr als genug. Aus dem Verkauf von Actelion an Johnson & Johnson dürfte dem Mediziner-Ehepaar knapp eine Milliarde Franken zugeflossen sein. Im hiesigen Handel wird der Stimmenanteil von Jean-Paul und Martine Clozel denn auch als leicht enttäuschend bezeichnet.

Wandelanleihe macht Johnson & Johnson zum Aktionärsschwergewicht

Klar zu Idorsia bekennt sich hingegen der Baselbieter Medtech-Pionier und Stratec-Gründer Rudolf Maag. Er war vor der Übernahme durch Johnson & Johnson mit 4,79 Prozent an Actelion beteiligt. Wie eine Meldung an die SIX verrät, hat Maag am ersten Handelstag über die ihm zugeteilten Idorsia-Aktien hinaus weitere Titel zugekauft. Er kontrolliert neu 7,23 Prozent der Stimmen.

Grösster Idorsia-Aktionär ist Johnson & Johnson. Der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern hält 9,9 Prozent der Stimmen über Aktien. Johnson & Johnson hat aber das Recht, den Anteil an Idorsia auf 32 Prozent durch eine Wandelanleihe aufzustocken.

Erst vor etwas mehr als einer Woche erteilten die europäischen Wettbewerbshütern der Übernahme von Actelion durch Johnson & Johnson nur unter der Auflage grünes Licht, dass sich die Amerikaner nicht mit mehr als 10 Prozent an Idorsia beteiligen. Ein Ausbau des Aktienpakets auf 16 Prozent ist möglich, solange wie Johnson & Johnson dadurch nicht zum bedeutendsten Aktionär aufsteigt. Auch eigene Kandidaten dürfen sie nicht zur Wahl in den Verwaltungsrat von Idorsia aufstellen. Ziel ist es, Interessenskonflikten im Geschäft mit Schlafmitteln entgegenzuwirken. Die über die Wandelanleihe gehaltene Beteiligung erhält erst dann Stimmkraft, wenn sie gewandelt wird.

Investmentbank will sich nicht so richtig festlegen

Der Börsendebutant aus dem Baselbiet wird vorerst nur von drei Analysten mitverfolgt. Die Anlageurteil könnten unterschiedlicher kaum sein: Denn während der für die amerikanische Investmentbank Jefferies tätige Experte die Aktie mit einem vielversprechenden Kursziel von 20 Franken zum Kauf empfiehlt, rät jener von Notenstein La Roche zum Verkauf der Aktie. Auf Basis wahrscheinlichkeitsgewichteter Umsatzschätzungen setzt er den fairen Wert zwischen 9 und 11 Franken an.

Nicht so recht in die Karten blicken lassen will sich der Analyst von J.P. Morgan. Er sieht Idorsia die heute vorhandenen Barmittel innerhalb von fünf Jahren aufbrauchen und beziffert den Nettobarwert aller neun Entwicklungsprojekte mit gerademal 7,50 Franken je Aktie. Dennoch empfiehlt man die Idorsia-Aktie bei der amerikanischen Investmentbank nicht zum Verkauf, sondern schätzt sie neutral ein. Die weit auseinander liegenden Kursziele zeigen, wie schwierig es ist, ein unrentables Unternehmen mit einer noch nicht so weit fortgeschrittenen Entwicklungspipeline einschätzen zu können.