Ernst Tanner: «Kein Aktiensplit geplant»

Im Video-Interview mit cash.ch wehrt sich Lindt-CEO Ernst Tanner gegen Vorwürfe, die Dividendenerhöhung sei zu tief ausgefallen. Er will sein Doppelmandat behalten - ebenso die Aktienstruktur des Unternehmens.
11.03.2014 15:43
Von Ivo Ruch, Kilchberg
Lindt-CEO Ernst Tanner im Gespräch mit cash.
Bild: cash

Trotz eines neuen Rekordgewinns des Unternehmens werden die Jahreszahlen von Lindt & Sprüngli an der Schweizer Börse nicht gefeiert. Die Namensaktie verliert am Dienstag in einem positiven Gesamtmarkt knapp 3 Prozent. Der Grund: Die Erwartungen des Marktes waren noch höher.

Insbesondere hatten Anleger eine deutlichere Dividendenerhöhung erwartet. Der Lindt-Verwaltungsrat schlägt der Generalversammlung eine Erhöhung der Ausschüttung von 13 Prozent vor. Angesichts der stolzen Barmittelbestände von 724 Millionen Franken wäre ein stärkerer Anstieg durchaus vorstellbar gewesen.

Dem widerspricht CEO und Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner im cash-Video-Interview: "Es ist eine anspruchsvolle Dividendenerhöhung. Unsere Stammaktionäre sind zufrieden." Die Dividendenrendite von Lindt & Sprüngli liegt bei relativ tiefen 1,2 Prozent. Allerdings wird ein Grossteil der Dividende steuerfrei ausgeschüttet.

Aktie auf Höhenflug

Die Aktie von Lindt hat seit Jahresbeginn zeitweise über 10 Prozent zugelegt, nachdem im letzten Jahr bereits ein Plus von 40 Prozent verbucht werden konnte. Im Januar wurde zudem die Marke von 50'000 Franken geknackt.

Trotzdem sieht Tanner keinen Grund, einen Aktiensplit durchzuführen, wie das letztmals im Jahr 2000 der Fall war. "Wir planen keinen Aktiensplit. Auf dem hohen Niveau hat sich die teure Aktie positiv entwickelt", so Tanner. Interessant dabei: Vor einem Jahr tönte dies noch anders. Tanner sagte damals zu cash, ein Aktiensplit sei 2013 "möglich".

cash-Redaktor Ivo Ruch im Video-Interview mit Ernst Tanner.

Die Aussichten für die Titel von Lindt & Sprüngli werden von Analysten unterschiedlich bewertet. Die Bank Vontobel bestätigt in einem Marktkommentar ihr "Buy"-Rating und prüft eine Anhebung des Kursziels für den Partizipationsschein (PS), der von den Anlegern viel häufiger gehandelt wird als die Aktie.

Die Experten von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) passen ihr Rating von "Marktgewichten" auf "Untergewichten" nach unten an. Einerseits sei der PS mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (2014) von 28 bereits stolz bewertet, so die ZKB-Analysten. Andererseits sei Gegenwind von den Rohstoffkosten zu erwarten.

"Die Welt ist entscheidend"

Auch die Einführung einer Einheitsaktie - ein Schritt, der in den letzten Jahren bei vielen Schweizer Firmen mit verschiedenen Arten von Aktien vollzogen wurde -  ist bei den Kilchbergern nicht geplant, so Tanner weiter zu cash. Das jetzige Modell entspreche den unterschiedlichen Bedürfnissen der Anleger: "Der langfristig interessierte Anleger kauft Namensaktien, und diejenigen, die ihre Positionen häufig ändern wollen, kaufen einen Partizipationsschein."

Tanner lenkt Lindt & Sprüngli seit 20 Jahren als CEO und Verwaltungsrat. Mit dem angekündigten Rücktritt von Albert Baehny als Geberit-CEO verringert sich die Zahl der Schweizer Manger weiter, die eine solche Doppelfunktion ausüben.

Tanner er sieht darin auch kein Problem: "Die Schweiz ist nicht ausschlaggebend. Wichtig ist, was in der Welt passiert. Unsere Konkurrenten Mondelez und Hershey's haben diese Doppelfunktion ebenfalls. Wir müssen besser sein als die Schokoladenindustrie, und damit vergleichen wir uns."

Im cash-Video-Interview sagt Ernst Tanner zudem, wieso er in Zukunft eher auf Namenaktien als auf Partizipationsscheine von Lindt & Sprüngli setzt.

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