Erstversicherer - Bâloise ein letztes Mal durch Deutschland gebremst

Bâloise muss erneut zusätzliche Reserven bilden, was den Halbjahresgewinn schmälert. Analysten blicken nun zwar zuversichtlich nach vorn. Dennoch gerät die Aktie unter Verkaufsdruck.
28.08.2018 11:29
Von Lorenz Burkhalter
Gert De Winter, CEO der Bâloise-Gruppe.
Gert De Winter, CEO der Bâloise-Gruppe.
Bild: ZVG

Bâloise muss auch in der ersten Jahreshälfte wieder kostspielige Nachreservierungen für das Deutschland-Geschäft bilden. Das wiederum drückt beim Versicherungskonzern auf die Gewinnentwicklung. Mit 270 Millionen Franken liegt der Reingewinn für die ersten sechs Monate nicht nur um fast 10 Prozent unter dem Vorjahr, sondern auch unter den Analystenerwartungen von 284 Millionen Franken.

Ein Grossteil der Differenz erklärt sich mit den Nachreservierungen in Höhe von gut 38 Millionen Franken, wobei Analysten im Vorfeld von einer einmaligen Belastung im Umfang von gut 20 Millionen Franken ausgegangen waren.

Allerdings setzt sich zusehends die Meinung durch, dass das leidige Thema Deutschland mit den jüngst getätigten Rückstellungen und der Auslagerung aus dem operativen dortigen Geschäft endlich ausgestanden ist. Dennoch verliert die Bâloise-Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde noch 3,4 Prozent auf 150,10 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 149 Franken.

Nachreservierungen und Sturmschäden kosteten

Der Versicherungsanalyst der UBS zeigt sich enttäuscht von den erneut notwendig gewordenen Nachreservierungen in Deutschland. Wie er weiter schreibt fällt das Halbjahresergebnis ansonsten insgesamt aber besser als erwartet aus.

Unter Ausklammerung der Nachreservierungen hätte ein um 6 Prozent besser als erwartet ausgefallener Reingewinn von 302 Millionen Franken resultiert, so rechnet der UBS-Analyst weiter vor. Er hält deshalb mit einem 12-Monats-Kursziel von 170 Franken an seiner Kaufempfehlung für die Bâloise-Aktie fest.

Sein Berufskollege bei der Zürcher Kantonalbank macht neben Reservestärkungen auch Sturmschäden für den im Jahresvergleich rückläufigen Halbjahresgewinn verantwortlich. Am starken Gewinnbeitrag aus dem Lebensversicherungsgeschäft findet er hingegen genauso Gefallen wie am guten Anlageergebnis. Aufgrund der vergleichsweise hohen Bewertung stuft der Analyst die Aktie weiterhin nur mit "Marktgewichten" ein.

Wird ab jetzt alles besser?

Bei Kepler Cheuvreux wird der positiven Ergebnisüberraschung im Lebensversicherungsgeschäft ein ungleich höheres Gewicht als den Nachreservierungen im Nichtlebengeschäft eingeräumt. Auf bereinigter Basis sei das operative Geschäft zwischen Januar und Juni stark ausgefallen, so heisst es weiter. Das Anlageurteil für die Bâloise-Aktie lautet "Buy", das Kursziel weiterhin 170 Franken.

Schon seit 2016 musste Bâloise im deutschen Nichtleben-Geschäft immer wieder kostspielige Nachreservierungen vornehmen. Mit den in der ersten Hälfte dieses Jahres getätigten Rückstellungen und der Auslagerung der betroffenen Geschäftsaktivitäten aus dem operativen Geschäft dürfte der Versicherungskonzern einen Schlussstrich unter dieses leidige Thema gezogen haben. Firmenchef Gert De Winter gibt sich in der Medienmitteilung denn auch zuversichtlich für die zweite Jahreshälfte.

Wie einem Kommentar von J.P. Morgan zu entnehmen ist, rechnet die US-Investmentbank im Zuge wegfallender Nachreservierungen mit einer kräftigen Gewinnbelebung. Andere Banken sind hingegen deutlich zurückhaltender.