Essenslieferungen - Delivery Hero bezahlt Bestellboom mit mehr Verlust - Übernahme in Dubai

Der Bestellrekord während der Corona-Pandemie hat dem deutschen Essenslieferdienst Delivery Hero tiefrote Zahlen eingebrockt.
27.08.2020 10:34
Delivery Hero ist ein börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Berlin, welches weltweit Online-Bestellplattformen für Essen betreibt.
Delivery Hero ist ein börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Berlin, welches weltweit Online-Bestellplattformen für Essen betreibt.
Bild: ZVG

Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr im fortgeführten Geschäft ein Verlust von rund 443 Millionen Euro und damit mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor, wie das seit dieser Woche im Dax gelistete Unternehmen am Donnerstag in Berlin mitteilte. Derweil setzt der Lieferdienst seine Einkaufstour in der Welt fort. Das Unternehmen hat den Online-Lebensmittel-Marktplatz Instashop aus Dubai übernommen, der sein Geschäft im Nahen Osten und in Nordafrika betreibt.

An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an. Kurz nach Handelsstart verlor die Delivery-Hero-Aktie 1,55 Prozent auf 93,84 Euro und war damit Schlusslicht im Dax. Die Regionen, in denen die neue Delivery-Tochter Instashop aktiv sei, hätten ein grosses Wachstumspotenzial, merkte ein Aktienhändler an. Strategisch erscheine der Zukauf sinnvoll. Allerdings könnten Anleger den Kaufpreis als zu hoch erachten.

Seit dem Jahreswechsel hat die Aktie von Delivery Hero rund ein Drittel an Wert gewonnen. Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich ihr Kurs mehr als verdoppelt, seit drei Jahren sogar verdreifacht. Inzwischen wird der Lieferdienst an der Börse mit rund 19 Milliarden Euro bewertet. Die Beschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie machten dem Unternehmen zwar auch finanziell zu schaffen, auf der anderen Seite bestellten die Kunden auf den Portalen des Konzerns so viele Mahlzeiten wie nie zuvor.

Nach neun Jahren noch rote Zahlen

So sprang der Segmentumsatz des Unternehmens - wie bereits vorab berichtet - dank des Bestellbooms in der Corona-Krise im ersten Halbjahr um rund 94 Prozent auf fast 1,13 Milliarden Euro in die Höhe. Das Management erwartet, dass das Geschäftswachstum im zweiten Halbjahr weitergeht. Vorstandschef Niklas Östberg hatte seine Umsatzprognose für 2020 daher bereits Ende Juli auf 2,6 bis 2,8 Milliarden Euro angehoben.

Allerdings schreibt das 2011 gegründete Unternehmen weiterhin rote Zahlen. Das laufende Geschäft deckt bislang die Kosten nicht. Daher geht der höhere Umsatz mit höheren Verlusten einher. Das gilt auch für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereffekten (bereinigtes Ebitda). Dieses dürfte im laufenden Jahr bei minus 14 bis minus 18 Prozent des Umsatzes liegen. Das bedeutet: Je höher die Erlöse, desto höher der absolute operative Verlust.

Dessen ungeachtet hat Delivery Hero inzwischen den Einzug in den deutschen Leitindex Dax geschafft. Dort nahm das Unternehmen den Platz des Zahlungsabwicklers Wirecard ein, der infolge eines milliardenschweren Bilanzskandals in die Pleite gestürzt war.

Trotz der roten Zahlen setzt der Lieferdienst seine Einkaufstour im Ausland fort. Jetzt übernahm das Unternehmen den Online-Lebensmittel-Marktplatz Instashop aus Dubai. Instashop wird dabei mit 360 Millionen US-Dollar (305 Mio Euro) bewertet. Delivery Hero bezahlt zunächst 270 Millionen Dollar. Je nachdem, wie sich das Geschäft von Instashop in Zukunft entwickelt, sollen dessen Gründer noch einen Aufschlag erhalten.

40 Märkte bewirtschaftet

Delivery Hero betreibt in mehr als 40 Ländern Bestellplattformen für Essen lokaler Anbieter und beschäftigt 25 000 Mitarbeiter, davon rund 1300 in Berlin. Das Unternehmen vermittelt Lieferdienste zwischen Restaurants und deren Kunden. Das meiste Geld stammt aus Provisionen, die die teilnehmenden Restaurants bezahlen. Allerdings betreibt Delivery Hero auch eigene Lieferdienste und Grossküchen.

Sein deutsches Geschäft (Foodora, Lieferheld, Pizza.de) hatte Delivery Hero im vergangenen Jahr an den damaligen niederländischen Konkurrenten Takeaway.com - heute Just Eat Takeaway (Lieferando) - verkauft. Derzeit sind die Berliner vor allem auf Märkten in Asien, dem Nahen Osten und Nordafrika stark vertreten.

(AWP)

 
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