«Europa ist attraktiver als Silicon Valley»

Das Schweizer Start-up Climeworks filtert CO2 aus der Luft und verkauft es. Gründer Jan Wurzbacher sagt im cash-Interview, was die Probleme bei der Geldsuche sind und wann die ersten Gewinne anfallen dürften.
19.01.2016 19:42
Interview: Ivo Ruch
Jan Wurzbacher ist CEO und Gründer von Climeworks.
Jan Wurzbacher ist CEO und Gründer von Climeworks.
Bild: ZVG

Im Rahmen der Initiative Digital Zurich 2025 fand am Dienstagmorgen der Investor Summit statt: Sieben Schweizer Start-ups konnten ihr Geschäftsmodell vorstellen und um die Gunst von mehr als 100 nationalen und internationalen Investoren buhlen. Eines dieser Jungunternehmen ist Climeworks aus Zürich. Der ETH-Spinoff stellt Maschinen her, die der Umgebungsluft das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) entziehen. Das gewonnene CO2 kann wiederverwendet werden, zum Beispiel von Betreibern von Gewächshäusern. Im Sommer soll die erste Anlage in Betrieb gehen. Das Magazin Nature zählt Climeworks zu den interessantesten Technologie-Unternehmen von 2016. Fünf Fragen an Gründer Jan Wurzbacher:

cash: Herr Wurzbacher, Sie führen ein erfahrenes Startup. Sind solche Investoren-Anlässe für Sie immer noch sehr wichtig?

Jan Wurzbacher: Für das, was wir tun, brauchen wir weitere Finanzierungen. Wir machen seit mehr als einem Jahr Umsatz und sind auf gewissen Märkten auf dem Weg in Richtung Profitabilität. Solche Anlässe sind aber auch wichtig, um Kontakte zur Industrie herzustellen.

Wann möchten Sie profitabel sein?

In gewissen Märkten möchten wir das bis etwa 2019 erreichen. Für die Erschliessung weiterer Märkte und Anwendungen werden voraussichtlich auch weitere Finanzierungen nötig sein.

Wie schätzen Sie das Umfeld für Start-ups in der Schweiz ein? Ist es genügend einfach, an Geld zu kommen?

Am Anfang eines Projekts ist es relativ einfach. Sobald es aber um grössere Beträge geht, wird es schwieriger. Wir haben das Glück, dass wir mit unserem Thema eine breite Masse ansprechen können. Es gibt Investoren, die im Klima- und CO2-Bereich unterwegs sind. Aber wir suchen eine Finanzierung im Bereich von zehn Millionen Franken, und da dünnen sich die Möglichkeiten aus. Ich kenne Beispiele von Unternehmen, die aus diesem Grund eher ins Silicon Valley gehen. Wir möchten das bewusst nicht. Im Moment ist Europa attraktiver für uns.

Was fehlt denn konkret?

Es braucht professionelle und private Investoren, die auch grössere Beträge investieren. Es gibt momentan in der Schweiz zwar viele Privatpersonen, die das luxuriöse Problem von zu viel Liquidität haben. Es fehlt jedoch ein Vehikel, um solche Personen mit Start-ups zu verknüpfen. Es gibt viel privates Kapital, das besser genutzt werden könnte.

Grosses Thema am World Economic Forum ist die vierte industrielle Revolution. Inwiefern betrifft das ihr Geschäft?

Unsere Anlagen sind nicht mit einer Mannschaft ausgestattet, sondern alle miteinander vernetzt. Unser Konzept sind hochmodulare, massenproduzierbare Produkte und die ganze IT-Komponente ist sehr wichtig, um die Kostenziele zu erreichen.

Eine Anlage von Climeworks ist ähnlich gross wie ein Schiffscontainer.