Nach einer turbulenten Handelswoche verbessert sich der Swiss Market Index (SMI) am Freitag um 1 Prozent, während der deutsche Leitindex Dax um 1,3 Prozent und der EuroStoxx-50-Index 0,8 Prozent zulegen.
«Die Anleger schöpfen wieder etwas Hoffnung, dass sich die Lage an den Energie- und Anleihemärkten zumindest stabilisiert», sagte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. Öl verbilligte sich nach seinem jüngsten Preissprung wieder leicht und die Bond-Renditen vieler Euro-Länder legten zum Wochenschluss ebenfalls den Rückwärtsgang ein. An den vergangenen vier Handelstagen war der Dax um gut 1,7 Prozent eingebrochen.
Für nachlassende Versorgungsängste am Ölmarkt sorgte US-Präsident Donald Trump. Der Republikaner schloss eine erneute Offensive gegen den Iran vor den US-Kongresswahlen Anfang November aus und erklärte zugleich, man führe produktive Gespräche mit der Islamischen Republik. Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verloren jeweils rund eineinhalb Prozent auf 102,69 beziehungsweise 90,20 Dollar je Fass. Am Donnerstag hatten die Notierungen rund fünfeinhalb Prozent zugelegt. Konkrete Fortschritte bei den Verhandlungen und eine sicherere Durchfahrt für die Schiffe in der Strasse von Hormus müssten die Hoffnung auf eine Verbesserung der Lage aber noch untermauern, sagte Linh Tran, Analystin beim Broker XS.com.
Euro macht nach Kursrutsch Boden gut
Auch am Anleihenmarkt zeichnete sich eine etwas entspanntere Situation ab. In den vergangenen Wochen hatte die zunehmende Renditedifferenz zwischen deutschen Staatsbonds und den Papieren höher verschuldeter Länder wie Frankreich und Italien die Investoren nervös gemacht. Die Verzinsung der zehnjährigen französischen Anleihen erreichte mit 4,9937 Prozent zeitweise den höchsten Stand seit 24 Jahren. Am Freitag lag die Rendite bei 4,8262 Prozent. Der Euro erholte sich etwas von seinen jüngsten Verlusten und rückte um 0,3 Prozent auf 1,1243 Dollar vor. Am Montag war er mit 1,1160 Dollar auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten gefallen.
Börsianern zufolge warteten die Anleger nun darauf, wie sich die Lage in Frankreich weiter entwickelt. Die französische Regierung hat Anfang des Monats ihren Etatentwurf für 2027 vorgelegt. Ministerpräsident Sebastien Lecornu strebt an, das Haushaltsdefizit von derzeit 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung auf fünf Prozent im Jahr 2027 zu drücken. Laut Finanzminister Roland Lescure erfordert die Lage noch keine Überlegungen zum Einsatz des im Fachjargon als TPI bekannten Notfallinstruments der Europäischen Zentralbank (EZB). Mit diesem Programm könnte die EZB unbegrenzt Staatsanleihen eines in Bedrängnis geratenen Euro-Landes kaufen. «Die Lage ist ernst, aber wir befinden uns nicht in einer Neuauflage der Eurokrise», konstatierte Peter Reichel, Chief Investment Officer bei ODDO BHF.
Ausverkauf bei Telekom-Aktien
Auf der Unternehmensseite gingen zahlreiche Titel auf Erholungskurs. Im Dax zählten unter anderem Heidelberg Materials nach einer Hochstufung mit einem Plus von mehr als drei Prozent zu den grössten Gewinnern. Das Nachsehen hatte allerdings der Telekommunikationssektor, der um bis zu 3,6 Prozent auf ein Acht-Monats-Tief fiel. Der SpaceX und seine Satellitentochter Starlink drängen verstärkt in den US-Mobilfunkmarkt ein.
Der Raumfahrtkonzern des Milliardärs Elon Musk teilte mit, er habe sich ein landesweites Portfolio an Mobilfunk-Frequenzen gesichert. Die Aktionäre der traditionellen US-Telekomkonzerne AT&T, T-Mobile und Verizon machte die Aussicht auf einen verschärften Wettbewerb nervös. Die Papiere dieser Unternehmen brachen im vorbörslichen US-Handel um jeweils fünf bis sechs Prozent ein. Die Titel der T-Mobile-Mutter Deutsche Telekom verloren im Dax bis zu 8,3 Prozent.
(Reuters=

